Afghanistan: Die Kinderklinik von Kandahar

Krankenpfleger Ahmad Sabir, kleiner Patient und Christian Schuh auf der Kinderstation Von IKRK-Delegiertem Christian Schuh

Seit über 5 Monaten arbeite ich für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) als Kinderkrankenpfleger im südafghanischen Kandahar. Das IKRK unterstützt hier seit 15 Jahren das einzige Krankenhaus im Süden des Landes – das Mirwais Regional Hospital. Es verfügt über 350 Betten in der Kinderklinik, Chirurgie, Frauenheilkunde, Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Augenheilkunde und der Inneren Medizin. Außerdem gehört eine große und viel frequentierte Ambulanz zum Krankenhaus.

Ich bin hauptsächlich für die Kinderstationen zuständig, dort arbeite ich gemeinsam mit den 16 afghanischen Krankenpflegern und der einzigen Frau der Abteilung, Oberschwester Alia. Luis, der spanische Kinderarzt und Peter, der kenianische Ernährungsfachmann gehören auch zum „pädiatrischen Team“. Jeden Tag arbeiten wir gemeinsam mit den afghanischen Pflegern und Ärzten und versuchen dabei stets, möglichst wenige Maßnahmen selber durchzuführen. Das klingt vielleicht zunächst unverständlich. Schließlich werden Fachleute aus anderen Ländern extra eingeflogen, um ihre Fähigkeiten und Kenntnisse zum Wohle der Patienten einzusetzen! Das oberste Ziel ist es aber immer – getreu dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ – Hand-in-Hand mit den lokalen Kollegen zu arbeiten, denn nur so können sie von uns lernen und ihre Fertigkeiten nachhaltig verbessern.

Christian Schuh auf der Kinderstation des Mirwais Krankenhauses

Christian Schuh auf der Kinderstation des Mirwais Krankenhauses (c) IKRK

Natürlich arbeiten wir auch manchmal allein mit den Patienten, besonders in Notfallsituationen oder in Zeiten, in denen die 94 Betten der Kinderklinik mit 130 Patienten belegt sind.

In der Kinderklinik ist eigentlich immer viel zu tun. Kleine Patienten mit Mangelernährung, Atemwegserkrankungen oder Durchfall aufgrund des oft fehlenden Zugangs zu sauberem Trinkwasser werden eingeliefert. Patienten mit Infektionserkrankungen wie Meningitis, Masern, Tetanus und Malaria sehen wir sehr häufig, aber auch chronische Erkrankungen wie Mittelmeerfieber oder Diabetes kommen oft vor.

Die Versorgung der Neu- und Frühgeborenen mit Infektionen oder Geburtskomplikationen zählt ebenfalls zu unseren Aufgaben. Es gibt eine Intensivstation, eine Neugeborenenstation, die wir in den letzten Monaten nochmals erweitert haben, eine Ernährungsstation und Räume für allgemeinpädiatrische Patienten.

Krankenpfleger Ahmad Sabir, kleiner Patient und Christian Schuh auf der Kinderstation

Christian Schuh und Krankenpfleger Ahmad Sabir mit einem kleinen Patienten auf der Kinderstation. (c) IKRK


Jeden Tag unterstütze ich aber besonders Alia, die Oberschwester, deren Aufgabe es ist, die Kinderklinik pflegerisch zu leiten. Die Organisation der täglichen Arbeiten, Dienstplanung, Lagerhaltung und Bestellung und vor allem, die Stationen „in Schuss“ zu halten, fordert ihre volle Aufmerksamkeit. Obwohl es in dem hiesigen kulturellen Umfeld für Frauen in Leitungspositionen oftmals schwierig ist, leistet sie bewundernswerte Arbeit.

21 internationale Gesundheitsdelegierte verschiedenster Berufsgruppen leben und arbeiten hier mit mir zusammen. Den größten Teil unserer Arbeitstage verbringen wir natürlich im Krankenhaus. Unsere Büros und Unterkünfte sind nur wenige hundert Meter entfernt. Trotzdem legen wir jeden Weg in einem Konvoi aus Landcruisern zurück – aus Sicherheitsgründen.

Christian Schuh mit einer neuseeländischen Delegierten auf dem Weg zum Büro

Christian Schuh und OP-Schwester Barbara Thurnbull (Neuseeländisches Rotes Kreuz) vor der Rückfahrt zur Delegation (c) IKRK

Die Arbeit des IKRK in den verschiedenen Bereichen ist hier sehr erwünscht, das fühlen wir jeden Tag im Kontakt mit den unterschiedlichen Menschen, die wir treffen. Dennoch ist es in diesem gefährlichen Umfeld sehr wichtig, auf die eigene Sicherheit zu achten und nicht zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.

Mein Einsatz hier in Kandahar wird in wenigen Wochen zu Ende sein, die tägliche Arbeit in Kandahars Krankenhaus wird weiter gehen. Meine lokalen Kollegen, Oberschwester Alia und ich haben viel von einander gelernt und wahrscheinlich wird einiges davon Bestand haben – hier in Kandahar und auch in meiner eigenen zukünftigen Arbeit als Kinderkrankenpfleger zuhause oder irgendwo anders auf der Welt.

Rachelle, eine Kinderkrankenschwester vom Kanadischen Roten Kreuz, wird mich bald in der Kinderklinik ablösen und gemeinsam mit unserem motivierten afghanischen Team weiter das Beste geben für die vielen kleinen Patienten in Kandahar.

3 thoughts on “Afghanistan: Die Kinderklinik von Kandahar

  1. Sabine

    Hut ab vor Menschen, wie Ihr es seid! Ohne Euch und Eure selbstlose Hilfsbereitschaft wären in Kandahar wohl wesentlich schlechtere Bedingungen für Kranke und Verletzte. Da sieht man mal wieder, wie wichtig es ist, sich selbst einzubringen. Das kann nicht jeder, was aber viele Menschen können, ist diese wichtige Arbeit mit Spenden zu unterstützen. Wohin muss man sich wenden, wenn man etwas spenden möchte?

  2. andrearendelmann

    sehr geehrte damen und herren,
    inzwischen sind meine töchter erwachsen und selber viel im ausland unterwegs..mosambik..usa…
    ich bin ausgebildete op schwester mit vielen jahren erfahrung und suche nach einer neuen aufgabe im ausland.
    über eine antwort ihrerseits würde ich mich sehr freuen.
    mit freundlichen grüßen
    andrea rendelmann

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