Als Volunteer in Capacity Building im Kosovo

Von Timo-Chistian Heger, VinCaB-Freiwilliger im Kosovo

Dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt, sich im Deutschen Roten Kreuz zu engagieren, war uns allen bereits klar. Schließlich waren wir alle vier – Raimund, Christof, Carsten und ich – schon länger im Sanitäts-, Rettungs- und Betreuungsdienst aktiv. Als Experten für den Bevölkerungsschutz bringen wir uns tagtäglich für unsere Mitmenschen ein, egal ob auf kleinen und großen Veranstaltungen, im Rettungswagen oder beim Fluteinsatz.

Dieses Know-how auch über die Grenzen Deutschlands verfügbar zu machen, war einer der Gründe, sich für das „VinCaB“-Projekt zu bewerben und im Ausland Capacity-Building zu betreiben. Dies bedeutet vereinfacht ausgedrückt, die lokalen Strukturen im Katastrophenschutz zu stärken, indem es zu einem gegenseitigen Wissensaustausch zwischen den lokalen Freiwilligen und uns EU-Freiwilligen kommt. Uns führte das Projekt in den Kosovo, wo wir gemeinsam mit Rotkreuzlern anderer europäischer Länder wie den Niederlanden, Finnland, Bulgarien, Lettland oder England sowie Zivilschutzexperten aus Deutschland und Kroatien eine Katastrophenschutzübung in gemeinsamer Kooperation mit dem Kosovarischen Roten Kreuz und der Emergency-Management-Agency des Kosovo (EMA) veranstalteten.

Das Szenario kommt auch vielen Angehörigen des DRK und des THW in Teilen Deutschlands derzeit sehr bekannt vor: Aufgrund der Schneeschmelze in den Bergen bedroht eine Flut die Stadt Peja im Westen des Landes, Menschen müssen evakuiert, Verletzungen versorgt und Notunterkünfte eingerichtet werden. Ein Schwerpunkt der Übung lag daher darauf, die Zusammenarbeit verschiedener Organisationen, etwa der Feuerwehr und Polizei, mit dem lokalen Roten Kreuz zu verbessern.

Katastrophenschutzübung: Zwei freiwillige Helferinnen des Kosovarischen Roten Kreuzes begleiten eine Patientin zum Behandlungsplatz.

Katastrophenschutzübung: Zwei freiwillige Helferinnen des Kosovarischen Roten Kreuzes begleiten eine Patientin zum Behandlungsplatz.


Doch bevor es zu der zweitägigen Übung kam, galt es zunächst, diese gemeinsam mit den Kameraden aus Peja zu planen. In einem multinationalen Team von 15 Personen ist dies natürlich nochmals schwieriger, denn es prallen nicht nur unterschiedliche Vorstellungen aufeinander, auch die Organisationskulturen weisen bisweilen Unterschiede auf, die durch Sprachbarrieren nochmals verstärkt werden. Letztere wirkten sich auf die Interaktion mit den lokalen Partner ebenfalls aus. Aber wir hatten Glück: Viele unserer Partner sprachen Englisch und mit Raimund, der kroatische Wurzeln hat und den beiden kroatischen Teammitgliedern, hatten wir eine erstklassige Alternative – denn viele Kosovaren sprechen auch kroatisch. Bisweilen war auch die deutsche Sprache hilfreich, hatten doch etliche der Menschen, denen wir im Kosovo begegneten, bereits für einige Zeit mal in Deutschland gelebt und gearbeitet.

Wer derartige Planungen aus Deutschland kennt, weiß, “je mehr Organisationen daran beteiligt sind, desto unterschiedlichere Ansichten müssen unter einen Hut gebracht werden“. Eine Erfahrung, die auch Christof und Carsten machten, die für die Planung des zweiten Übungstages zuständig waren. Raimund und ich hatten dabei die verhältnismäßig einfacheren Aufgaben im Team: Raimund war für den First-Aid-Workshop verantwortlich, ich half ihm dabei und war gleichzeitig mit der Öffentlichkeitsarbeit betraut.

Die große Übung selbst verlief erfolgreich und ohne größere Probleme, besonders gefreut hat uns die Professionalität und die hohe Motivation, mit der die Freiwilligen aus Peja an ihre Aufgaben gingen. Am ersten Tag standen die Suche und Rettung von Menschen in Not auf dem Programm, am zweiten Tag wurden Hilfsgüter an die von der Flut betroffenen Familien ausgegeben. Die Besonderheit der Übung lang hierbei darin: Die Empfänger sind allesamt tatsächlich bedürftig und werden vom lokalen Roten Kreuz mit Hilfsgütern unterstützt. Es war also eine sehr realistische Übung.

Für uns alle war es eine großartige Erfahrung, mit dem Kosovarischen Roten Kreuz, der EMA, aber auch mit Freiwilligen aus anderen europäischen Ländern zusammenzuarbeiten. Die Kooperation lief überraschend glatt, was sicher auch daran liegt, dass uns alle – egal welcher Herkunft wir auch sind – ein gemeinsames Motiv verbindet: Wir wollen in unserer Freizeit Menschen in Not helfen. Mit dieser gemeinsamen Ideen können wir uns alle identifizieren.

Wir haben ein junges und spannendes Land kennengelernt, neue Freunde gewonnen und auch einiges über uns selbst und die Arbeit, die uns verbindet, gelernt – eine hervorragende Grundlage für unser weiteres Engagement, hier oder hoffentlich auch weltweit.

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