Die Zeltstadt im Fußballstadion – Das Feldhospital des DRK 2/3

Ulrike Koltermann ist dpa-Korrespondentin in Paris und berichtet über das DRK-Feldhospital in Port-au-Prince wenige Wochen nach dem verheerenden Erdbeben. Dieser Beitrag ist der zweite Teil ihrer Reportage vom 10. Februar 2010, die wir in drei Teilen veröffentlichen.

von Ulrike Koltermann

Ein Krankenhaus entsteht in drei Tagen

Das Feldhospital in Carrefour wird aufgebaut

In wenigen Tagen wird ein komplettes Krankenhaus aufgebaut © Stefan Trappe, DRK

Der Aufbau der Zeltstadt, die mit ihrer Ausstattung etwa einem Kreiskrankenhaus entspricht, war eine logistische Meisterleistung. Unter normalen Umständen braucht der Bau eines Krankenhauses Jahre – hier war alles schon kurz nach der Katastrophe einsatzbereit. „Drei Tage von der Ankunft der ersten Kiste bis zum ersten Patienten“, sagt Holger Schmidt, der für die Organisation zuständig ist, mit Stolz. Haiti bekam die Komplettversion eines Krankenhauses mit Ambulanz, Apotheke, Röntgengerät, Labor, Geburtshilfe und Operationssaal. Vier große weiße Zelte mit bis zu 170 Feldbetten dienen als Krankenstationen und etwa 60 internationale Experten arbeiten in der Klinik, etwa die Hälfte davon aus Deutschland. Die Mitarbeiter schlafen in silbrigen Tunnelzelten. Das Trinkwasser wird in einer eigenen Anlage aufbereitet, bis zu 60 000 Liter täglich.

Die Rot-Kreuz-Familie ist die einzige Hilfsorganisation, die Feldkliniken in dieser Größe zur Verfügung stellen kann. Weltweit gibt es drei Stück davon. Der Aufbau der Klinik habe etwa drei Millionen Euro gekostet, sagt Schmidt. Davon sei schon fast eine Million nur für den Transport draufgegangen. Der Einsatz rechne sich aber: In China seien nach dem Erdbeben rund 76 000 Patienten in einer solchen Klinik behandelt worden. Sie dient nicht nur der Nothilfe für die Opfer des Erdbebens, sondern sie soll die Gesundheitsstruktur im Land stärken. Deswegen wird sie nach mehreren Monaten an das haitianische Rote Kreuz übergeben.

„Bevor wir die Klinik übergeben, müssen wir aber noch einen Ersatz für die Zelte finden“, sagt Schmidt. In ein paar Wochen beginnt die Regensaison mit ihren Wirbelstürmen. Wenn die Hunderttausenden Obdachlosen dann noch immer in ihren Zelten aus Stöcken und Bettlaken hausen, droht neues Chaos, das man sich nicht ausmalen mag. Das Rote Kreuz will die Zeltklinik bis dahin in Fertigbau-Häuser unterbringen. Möglicherweise findet sich auch ein leerstehendes Gebäude.

Erfolgreiche Traumabehandlung

Aus einem der Zelte dringt fröhliches Singen und Klatschen. Hier kümmern sich Betreuer um traumatisierte Kinder. Das Zelt ist mit Luftballons und Girlanden dekoriert, an der Zeltwand hängen Kinderbilder.

Ein Helfer kümmert sich um ein traumatisiertes Kind im Feldhospital in Carrefour

Im Feldhospital des Deutschen Roten Kreuzes kümmern sich Helfer spielerisch um traumatisierte Kinder © Stefan Trappe, DRK

Eines zeigt ein schreiendes Kind, das in einem Haus eingesperrt ist – vermutlich eine Reaktion auf das eigene Erlebnis des Erdbebens. Mehrere Kinder stehen im Kreis und singen. Dann tritt ein Mädchen mit vielen vom Kopf abstehenden Zöpfen in die Mitte und macht eine Geste, als wolle sie etwas auf den Boden legen. „Ich lege die Verzweiflung in meiner Familie hier ab“, sagt sie und lächelt schüchtern. Die Betreuer und die anderen Kinder klatschen Beifall.

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