„Ich versuche, nicht alles zu nah an mich rankommen zu lassen, aber es gelingt nicht immer“ – eine Flüchtlingsbetreuerin berichtet

Von Iris Möker, DRK-Kommunikationsdelegierte und Pressesprecherin des DRK-Landesverbandes Brandenburg

„Wir sollten allen Menschen mit Respekt und Liebe begegnen“, sagt Afreen Khan. Die 35-Jährige aus Bangladesch arbeitet als Delegierte für das Rote Kreuz im Warteraum für Flüchtlinge im bayrischen Feldkirchen. „Ich bin ohne Erwartungen hier angekommen“, erzählt sie, „lerne aber jeden Tag viel fürs Leben. Von den Flüchtlingen und auch innerhalb des Rotkreuz-Teams“. Seit Ende September wohnt die junge Frau in einer Pension, zusammen mit 23 anderen Delegierten aus aller Welt.

DRK-Mitarbeiterin in Feldkirchen

Afreen Khan aus Bangladesch ist verantwortlich für den Bereich Psychosoziale Intervention im Warteraum Feldkirchen. Foto: Iris Möker /DRK

Afreen Khan ist verantwortlich für den Bereich Psychosoziale Intervention, kurz PSI, mit vier Mitarbeitern. „Wir haben im Willkommenszelt eine Ecke für Kinder eingerichtet. Mit Spielzeug, Kuscheltieren und einem voll ausgestatteten Wickeltisch“, erzählt Khan von den Anfängen. Aufgabe der PSI-Delegierten ist es, für die ankommenden Flüchtlinge da zu sein, ihnen zuzuhören, Fragen zu beantworten und zu helfen, wo immer es möglich ist. Zum Beispiel bei vermissten Familienangehörigen. Da wendet sich das PSI-Team dann an den Suchdienst des Roten Kreuzes und gibt einen Suchauftrag auf den Weg.

„Ich versuche, nicht alles zu nah an mich rankommen zu lassen, aber es gelingt nicht immer“, sagt Khan und schildert die Begegnung mit einer jungen Frau aus dem Irak: „Die Frau war gerade angekommen, sie war alleine unterwegs, ihr Mann lebte bereits in Deutschland und wartete auf seine Familie. Die junge Frau im Willkommenszelt weinte bitterlich und konnte einfach nicht aufhören. Da ich sie nicht verstand, habe ich einen Übersetzer geholt. Er sprach kurz mit ihr und fing dann selber an zu weinen. Nach ein paar Minuten übersetzte er, was sie ihm erzählt hatte: Die Irakerin ist mit ihrem sechs Monate alten Sohn auf dem Arm in der Türkei auf ein Schlauchboot gestiegen, das sie auf eine griechische Insel bringen sollte. Das Meer war unruhig und als eine heftige Welle das Boot erschütterte, konnte sie ihren Sohn nicht mehr halten und er fiel ins Wasser. Die junge Frau sah ihr Baby im Mittelmeer ertrinken.“ Afreen Khan stockt die Stimme, als sie von der Begegnung erzählt. Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Feldkirchen hat sie den Ehemann der Irakerin ausfindig gemacht. Ausnahmsweise durfte er seine Frau direkt im Camp abholen. „Es war tröstlich zu sehen, wie sehr sich die beiden gegenseitig Halt gaben“, erzählt Khan.

Afreen Khan lebt zurzeit in Bochum, dort hat sie den Masterstudiengang Humanitäre Hilfe an der Ruhr-Universität absolviert. Ihr Einsatz in Feldkirchen dauert noch bis März.

Mehr über unsere Arbeit in Feldkirchen und anderen Notunterkünften finden sie hier: https://www.drk.de/hilfe-weltweit/was-wir-tun/fluechtlingshilfe/fluechtlingshilfe-im-inland

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