Neues Leben und Hoffnung auf der Kinderstation von Carrefour

von Patricia Möller
Patricia Möller hat einen Monat als Kinderkrankenschwester auf der Kinderstation des Emergency Response Unit (ERU) Hospitals in Carrefour gearbeitet. In Ihrem Beitrag berichtet sie über ihre Tätigkeit und die aktuelle Situation auf der Station im Hospital.

Patricia Möller

Patricia Möller arbeitete als Krankenschwester im ERU Hospital in Carrefour tätig (c) Stefan Trappe, DRK

Alle Betten sind belegt

Die Kinderstation unseres Krankenhauses besteht aus zwei großen ineinander übergehenden Zelten, so dass 20 Betten darin Platz finden. Diese sind größtenteils zu 100% belegt; werden tagsüber Kinder entlassen, sind die freigewordenen Betten meist bis zum Abend neu belegt. Auf der Station herrscht ein reges Treiben. Im vorderen Teil liegen Neugeborene und Säuglinge mit ihren Müttern, im hinteren Teil liegen die kleinen und größeren Kinder, ebenfalls alle in Begleitung ihrer Mütter, Väter oder Geschwister, die sich um deren Pflege und Versorgung kümmern.

Essen, um zu überleben

Das Krankheitsspektrum ist sehr groß, u. a. werden Kinder mit schweren Durchfällen, Fieber, Infektionen, Pneumonien, Malaria u. a. Tropenerkrankungen behandelt, außerdem einige Kinder mit schweren Verbrühungen und chirurgischen Erkrankungen. Auch stark unter- und mangelernährte Kinder machen einen großen Teil der Patienten aus. Da bei vielen die Ernährung eine wichtige Voraussetzung für die sehr langwierige Genesung ist, bekommen die Kinder und ihre stillenden Mütter speziell für sie zubereitetes Essen, welches morgens von den aide-infirmières (Schwesternhelferinnen) direkt vor dem Zelt auf einem eingerichteten Kochplatz und tagsüber von unserer Krankenhausküche zubereitet wird. Meine Arbeit bestand darin, die Strukturen der Station weiterzuentwickeln, Mitarbeiter anzuleiten und natürlich auch mitzuarbeiten.

Ein starkes Team

Das Team der Kinderstation des ERU Hospitals in Carrefour

Das medizinische Team auf der Krankenstation des ERU Hospitals in Carrefour leistet ganze Arbeit.

An medizinischem Personal arbeiten hier zwei haitianische Kinderärzte, vier bis fünf Schwestern, eine Schwesternhelferin und eine Kinderkrankenschwester vom DRK mit großem Einsatz und viel Liebe. Das ganze Team leistet eine großartige Hilfe. Von drei der vielen kleinen Patienten möchte ich detailliert berichten:

Lovena

Lovena ist ein 1-jähriges Mädchen, das vor ca. 6 Wochen zu uns kam. Ihre Mutter wurde durch das Erdbeben schwer verletzt und liegt in einem weiter entfernten Krankenhaus. Da ihr Vater bei der Mutter blieb, um sich um diese zu kümmern, wurde Lovena zunächst von ihren Großeltern betreut. Diese waren auf Grund der fürchterlichen Zustände damit völlig überfordert und brachten Lovena in unser Krankenhaus.

Lovena geht es durch die liebevolle Betreuung im Hospital schon viel besser.

Die Kinderstation des ERU Hospitals in Carrefour.


Lovena ging es lange sehr schlecht, sie war stark unterernährt und völlig apathisch. Ganz langsam erholte sie sich und jeden Tag kann man dank der großen Fürsorge und Liebe aller Mitarbeiter neue Fortschritte erkennen. Heute ist sie schon ein richtig fröhliches Mädchen und der größte Schatz der Station.

Thaina und Thassaina

Die beiden Zwillinge sind Frühgeburten und im Kreißsaal unseres Krankenhauses zur Welt gekommen. Thaina, die zweite, hatte einen sehr schweren Start. Das gynäkologische Team hatte schon alles für einen Notkaiserschnitt bereitgestellt, konnte sie dann aber doch noch auf normalem Weg entbinden. Die Geburt hatte sie allerdings sehr belastet, so dass sie eigentlich eine Atemhilfe benötigt hätte.

Thaina und Thassaina müssen noch durch zusätzliche Hilfe mit Milch versorgt werden.

Thaina und Thassaina müssen noch durch zusätzliche Hilfe mit Milch versorgt werden.

Erstaunlicherweise hat sie sich innerhalb der nächsten 48 Stunden mit Hilfe von medikamentöser Therapie und Sauerstoffvorlage auf der Intensivstation erholt. Die Mutter ist nun überglücklich mit ihren beiden süßen Mädchen. Sie wird noch einige Wochen auf der Kinderstation bleiben müssen, da die beiden Kinder noch nicht selbstständig trinken können. Jetzt heißt es Geduld haben, bis die Mädchen deutlich an Gewicht zugelegt haben und kräftig genug sind, eigenständig zu trinken. Nur so haben sie eine Überlebenschance außerhalb des Krankenhauses.

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