Tag Archives: hilfsgüter

Die Arbeit hat gerade erst begonnen – Emotionen und Eindrücke beim Einsatz in Nepal

von DRK-Mitarbeiterin Marilena Chatziantoniou

An einem warmem Frühlingstag Mitte Mai stieg ich in das Flugzeug von Berlin Richtung Kathmandu, der Hauptstadt Nepals. Die nächsten dreißig Tage würden dem Deutschen Roten Kreuz und der Hilfe für die Menschen gewidmet sein, die von dem schweren Erdbeben betroffen waren, das Nepal am 25. April erschüttert hatte.

Im Moment, wenn man das Flugzeug betritt, ist es, wie in einen Tunnel zu gehen, in einen Sog zu geraten. Man fokussiert sich auf das, was man weiß und noch herausfinden muss, darauf, wie man am besten helfen kann. Familie und Freunde verschwimmen im Hintergrund und du konzentrierst dich auf das, was vor dir liegt. Man hat für alle Eventualitäten gepackt und ist gleichzeitig dankbar, in einem Netzwerk zu arbeiten, das einem die bestmögliche Sicherheit bietet.

Trümmer

Nur noch Trümmer sind geblieben. Foto: Marilena Chatziantoniou /DRK

Während meiner ersten Stunden in Nepal, auf der Fahrt vom Flughafen zum Rotkreuz-Hauptquartier ordnete ich die Zerstörung um mich herum ein. Es schien bei weitem nicht so schlimm zu sein, wie ich erwartet hatte. Noch erfüllt von den Bildern aus den Medien und von verschiedenen Erdbebenorten, die ich bereits besucht hatte, war ich sicher gewesen, Kathmandu sei völlig zerstört.

Doch leider entpuppte sich die Realität später als noch viel schlimmer als das, was man während dieser dreißigminütigen Fahrt vom Flughafen in das Kalimati-Viertel sah. Kathmandu hat sehr gelitten. Wenn auch nicht auf den ersten Blick sichtbar, sind viele Gebäude nicht mehr bewohnbar, selbst wenn sie nicht gleich eingestürzt waren. Die größte Zerstörung traf jedoch die Dörfer – viele sah ich, die völlig dem Erdboden gleich gemacht waren. Nicht ein Haus stand dort mehr, die Ernte war verloren. Die Herausforderung ist hier, dass diese Dörfer sehr schwer zu erreichen sind. Oft benötigt man ein bis zwei Tage zu Fuß in Höhen über 3000 Metern.

Zerstörte Häuser

Auf dem Land sind viele Dörfer komplett zerstört. Foto: Marilena Chatziantoniou /DRK

Und dann folgte ein weiteres Nachbeben, so stark, dass man von einem weiteren Erdbeben sprach, mitten am Tag, für fast eine Minute. Für mich war es das furchterregendste Erdbeben, das ich erlebt habe. Ich versuche mir vorzustellen, was es seelisch bei den Menschen anrichtete, die gerade das erste Beben überstanden hatten. Die Natur zeigte ihre Überlegenheit über die Menschheit und ließ uns mit dem Gefühl der Hilflosigkeit zurück, wenigstens am diesem 12. Mai 2015.

Entladen des DRK-Hilfsflugs

Marilena Chatziantoniou beim Entladen des DRK-Hilfsflugs in Kathmandu Foto: DRK

Nachdem sich alle vergewissert hatten, dass es den Freunden und Verwandten gut ging, und nachdem man die Nacht im Freien verbracht hatte, ging die Arbeit weiter. Denn Hilfe in die entlegenen Dörfer zu bringen ist ein Wettlauf mit der Zeit, weil der Monsun schon im Juni beginnt und bereits ab September Wintertemperaturen herrschen können.

Nepalesischer Junge

Er steht vor einer ungewissen Zukunft. Foto: Marilena Chatziantoniou /DRK

An einem warmen Sommertag früh im Juni bestieg ich in Kathmandu das Flugzeug Richtung Heimat. Ich fühlte mich sehr privilegiert, dass ich Teil der Rettungsbemühungen sein durfte, dass ich unglaublich warmherzige, starke und erstaunliche Menschen treffen konnte. Mir ist klar, dass die Arbeit in Nepal gerade erst begonnen hat. Meine Gedanken sind immer noch dort, die Seele braucht schließlich länger als ein Rückflug dauert.

***

So hilft das DRK in Nepal: http://www.drk.de/weltweit/asien/nepal-soforthilfe-nach-dem-erdbeben.html – Helfen Sie mit!

Viele Herausforderungen und ein Nachbeben – bei der Verteilung von Hilfsgütern in Nepal

Von Karl Philipp Gawel, DRK-Mitarbeiter in Nepal

Anreise

Bereits in Istanbul habe ich mich am Flughafen mit Keksen und Trinkwasserflaschen eingedeckt, mangels wirklich verlässlicher Informationen, was mich beim Eintreffen in Kathmandu erwarten würde. Obwohl es von Istanbul nach Kathmandu mit einer Linienmaschine ging, war klar, das ist kein regulärer Flug. Die Mehrzahl der Passagiere waren Pressevertreter oder Hilfskräfte, die sich auf dem Weg in ein unbekanntes Szenario befanden. Je mehr sich das Flugzeugsymbol auf der Bildschirmlandkarte dem Ziel Nepal näherte, wurde mir bewusst, das Folgende ist ungewiss. weiterlesen

„Unser Haus ist sicher gesprengt worden“ – Begegnung mit einer irakischen Vertriebenenfamilie in Nordirak

Von Jörg Mühlbach, DRK-Delegierter im Nordirak

Es regnet und es ist kalt. Ich bin heute mit meiner Kollegin Bettina Morgenstern in eines der Lager für irakische Vertriebene im Nordirak, autonome Region Kurdistan, aufgebrochen. Im Chamishko-Camp leben etwa 25.000 Menschen, irakische Familien, die vor der Gewalt im eigenen Land geflohen sind. Wir verteilen an diesem Tag 1.000 Kerosin-Heizgeräte im Camp. Hier in den Bergen ist es im Winter empfindlich kalt und auf den Gipfeln ringsherum liegt Schnee. Es gibt ein Heizgerät pro Familie. Wenn man schätzt, dass eine Familie 5-6 Mitglieder hat, konnten wir also heute insgesamt 5.000 bis 6.000 Menschen versorgen. Am Sonntag werden noch mal 400 Heizgeräte verteilt. weiterlesen

Winter-Nothilfe des DRK für Vertriebene im Nordirak – 18.000 Menschen erhalten Heizöfen, Kerosin, Decken und Isoliermaterialien

Von René Schulthoff, DRK-Delegierter Beirut, Libanon

Das Deutsche Rote Kreuz hat kurz vor dem einbrechenden Winter im Nordirak damit begonnen, Vertriebene im Nordirak mit dringend benötigter Winterhilfe zu versorgen. Das vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland mit 3 Millionen Euro finanzierte Projekt wird 3000 Familien unterstützen. Die etwa 18.000 Menschen sind vor der Gewalt bewaffneter Gruppierungen im Irak geflohen. Viele kommen aus dem umkämpften Gebiet des Sinja-Gebirges. weiterlesen

Kaum Schutz vor Kälte, Regen und Schnee: Syrische Flüchtlinge fürchten den Winter

Von Tommaso Della Longa (IFRC) / Übersetzung von René Schulthoff (DRK)

Eine ganze Familie in einem einzigen Raum. Zwischen fünf und acht Menschen in einer einfachen Behausung aus Brettern und Plastik. Sie sind untergebracht irgendwo inmitten von landwirtschaftlichen Gebieten oder, noch schlimmer, irgendwo oben in den Bergen. So sieht die Situation für tausende syrischer Flüchtlinge im Libanon aus, die vor der Gewalt in ihrem eigenen Land geflohen sind. weiterlesen

Wie es ist, mit einem Hilfskonvoi durch Syrien zu fahren

Von Ibrahim Malla, IFRC

Es ist 7 Uhr morgens in Syriens Hauptstadt Damaskus. Das erste Tageslicht verheißt einen weiteren heißen Tag – den Tag, an dem ein Konvoi mit Hilfsgütern in die entlegene Stadt Daraa in Syrien aufbrechen will. 16 LKW beladen mit lebensnotwendigen Hilfsgütern wie Lebensmitteln und anderen Dingen. Es ist das erste Mal seit zwei Jahren, dass der Syrisch-Arabische Rote Halbmond Hilfe nach Daraa schicken kann. Daraa liegt etwa 100 Kilometer südlich von Damaskus und war die vergangenen Monate aufgrund der Kämpfe nicht erreichbar. weiterlesen

Kommunikation hilft helfen – DRK twittert von “vor Ort” (#DRKvorORT)

Von René Schulthoff, DRK Delegierter Beirut

Montagmorgen halb acht Libanonzeit, also bereits eine Stunde später als in Deutschland. Beirut erwacht langsam und die Straßen verstopfen mit unzähligen Autos. Ich bin noch so gerade mit dem Taxi vor den Staus weggekommen. Das Büro des DRK ist ein wenig außerhalb der Stadt und höher gelegen, mit Blick hinunter auf das Zentrum von Beirut. weiterlesen

Syrienflüchtlinge: “Wir haben gar nichts mehr zu Essen”

Lebensmittel-Verteilung an Syrische Flüchtlinge im Bekaa-Tal Libanon

Von René Schulthoff, Communications Delegierter des DRK im Libanon

Seit zwei Tagen bin ich in Beirut im Libanon. Ich werde mich in den kommenden 4 Monaten im Nahen Osten aufhalten und die Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Roten Kreuzes für die Syrienkrise unterstützen. Das bedeutet, ich werde die Projekte des DRK in Syrien, aber auch in den Nachbarländern Libanon, Jordanien und Türkei begleiten und darüber berichten. weiterlesen

Philippinen: Das Leben nach dem Sturm

Von Zoran Filipovic, DRK-Delegierter auf den Philippinen

In Iligan, Bezirk Barangay Hinaplanon, treffe ich Jesus Lequin. Er erzählt mir seine Geschichte. Vor dem Tropensturm „Washi“ im Dezember 2011 führte er mit seiner Frau, drei erwachsenen Kindern und seinem jüngsten Kind, das noch zur Schule geht, ein angenehmes Leben. „Ich hatte eine kleine Polsterei mit drei Maschinen, die uns ernährte. Wir kamen gut über die Runden und das Leben war leicht in unserer Nachbarschaft. Zwei meiner Kinder arbeiteten im Massagesalon“, erzählt Jesus Lequin.
weiterlesen