Tag Archives: mobiles krankenhaus

China: Drei Jahre nach dem Beben – zurück in Dujiangyan

Von DRK-Delegierter Marianna Knirsch

Fast auf den Tag genau drei Jahre nachdem ich Dujiangyan zum ersten Mal gesehen habe, fahren wir jetzt im Bus in eine Stadt, die ich nicht wiedererkenne. Wo sich vor drei Jahren Trümmer am Straßenrand stapelten, die Menschen vor Angst vor den vielen Nachbeben im Freien saßen, die ersten provisorischen Unterkünfte aufgebaut wurden und die Ärzte und Schwestern des lokalen Krankenhauses die Verletzten auf dem Parkplatz vor dem zerstörten Krankenhaus behandelten, präsentiert sich mir jetzt eine moderne und prosperierende Stadt. weiterlesen

Die Flut ist noch nicht vorbei

Langsam fließt das Wasser von den Feldern ab, aber es wird noch lange dauern, bis die Bauern hier wieder ernten können. Foto: Mario Lennartz.

Langsam fließt das Wasser von den Feldern ab, aber es wird noch lange dauern, bis die Bauern hier wieder ernten können. Foto: Mario Lennartz.

Von Valérie Batselaere, IFRC

Verheerende Überflutungen halten Pakistan weiter fest im Griff. Eine neue Flutwelle überschwemmte in der südlichen Provinz Sindh zwei Städte und mehr als 70 Dörfer entlang des Manchar-Sees südlich von Dadu. Die steigenden Wassermassen durchbrachen den Damm am See, sodass zehntausende Menschen in die nächsten höher gelegenen Städte evakuiert werden mussten. weiterlesen

Haiti: Trümmer, Hitze und ein Hoffnungsfunken

Nach heftigem Regen stand das Wasser im Feldhospital des DRK © Stefan Trappe, DRK

Silvia Sanz, unsere Länderreferentin für Haiti, ist gerade aus Haiti zurückgekehrt und hat uns ihre Eindrücke geschildert

von Silvia Sanz

In meiner langjährigen Rotkreuz-Arbeit im Feld habe ich noch nie solche katastrophalen Zustände gesehen. Ich war überrascht, wie wenig in Port-au-Prince bisher passiert ist. Alles ist nach wie vor zerstört. Zwar liegen keine Leichen mehr rum, aber überall sieht man noch Trümmer und zerstörte Häuser. weiterlesen

“Liquid sunshine” – oder doch nur schlechtes Wetter?

Das Krankenhaus in Carrefour bei Nacht © Stefan Trappe, DRK

Sabine Greschek ist gerade aus Haiti zurückgekommen, wo sie für das DRK als Finanzdelegierte in unserem mobilen Krankenhaus in Carrefour gearbeitet hat. Der folgende Bericht stammt aus ihrer Feder. weiterlesen

Was Kängurus mit Neugeborenen in Haiti zu tun haben

Das ist Kangarooing! © DRK

Oliver Bartelt ist Kinderarzt und seit Mitte April im Feldhospital in Port au Prince tätig. Er hat bereits fünf Jahre im Bereich Neonatologie in den DRK-Kliniken Westend gearbeitet. Neonatologie ist ein Zweig der Kinderheilkunde, der sich mit Neugeborenenmedizin und –versorgung befasst. In seinem Beitrag berichtet er über seine Erfahrungen und Eindrücke in dem Krankenhaus. weiterlesen

Haiti: 100 Tage nach dem Erdbeben 2/2

André Hemping-Bovenkerk ist seit vier Wochen als Teamleiter der DRK-Basisgesundheitsstation in Port au Prince tätig. Zuvor war er für das Rote Kreuz bereits in unterschiedlichen Ländern, unter anderem in Indien und im Iran, im Einsatz und hat dort nach Erdbeben Hilfe geleistet. 100 Tage nach dem schweren Erdbeben in Haiti berichtet der Anästhesist über die aktuelle Situation vor Ort. Dies ist der zweite und letzte Teil seines hier veröffentlichten Beitrags. weiterlesen

Haiti: 100 Tage nach dem Erdbeben 1/2

André Hemping-Bovenkerk ist seit vier Wochen als Teamleiter der DRK-Basisgesundheitsstation in Port au Prince tätig. Zuvor war er für das Rote Kreuz bereits in unterschiedlichen Ländern, unter anderem in Indien und im Iran, im Einsatz und hat dort nach Erdbeben Hilfe geleistet. 100 Tage nach dem schweren Erdbeben in Haiti berichtet der Anästhesist über die aktuelle Situation vor Ort. Dies ist der erste von insgesamt zwei Teilen seines Beitrags, den wir hier veröffentlichen. weiterlesen

Die Zeltstadt im Fußballstadion – Das Feldhospital des DRK 3/3

Ulrike Koltermann ist dpa-Korrespondentin in Paris und berichtet über das DRK-Feldhospital in Port-au-Prince wenige Wochen nach dem verheerenden Erdbeben. Dieser Beitrag ist der dritte und letzte Teil ihrer Reportage vom 10. Februar 2010. weiterlesen

Die Zeltstadt im Fußballstadion – Das Feldhospital des DRK 2/3

Ulrike Koltermann ist dpa-Korrespondentin in Paris und berichtet über das DRK-Feldhospital in Port-au-Prince wenige Wochen nach dem verheerenden Erdbeben. Dieser Beitrag ist der zweite Teil ihrer Reportage vom 10. Februar 2010, die wir in drei Teilen veröffentlichen.

von Ulrike Koltermann

Ein Krankenhaus entsteht in drei Tagen

Das Feldhospital in Carrefour wird aufgebaut

In wenigen Tagen wird ein komplettes Krankenhaus aufgebaut © Stefan Trappe, DRK

Der Aufbau der Zeltstadt, die mit ihrer Ausstattung etwa einem Kreiskrankenhaus entspricht, war eine logistische Meisterleistung. Unter normalen Umständen braucht der Bau eines Krankenhauses Jahre – hier war alles schon kurz nach der Katastrophe einsatzbereit. „Drei Tage von der Ankunft der ersten Kiste bis zum ersten Patienten“, sagt Holger Schmidt, der für die Organisation zuständig ist, mit Stolz. Haiti bekam die Komplettversion eines Krankenhauses mit Ambulanz, Apotheke, Röntgengerät, Labor, Geburtshilfe und Operationssaal. Vier große weiße Zelte mit bis zu 170 Feldbetten dienen als Krankenstationen und etwa 60 internationale Experten arbeiten in der Klinik, etwa die Hälfte davon aus Deutschland. Die Mitarbeiter schlafen in silbrigen Tunnelzelten. Das Trinkwasser wird in einer eigenen Anlage aufbereitet, bis zu 60 000 Liter täglich.

Die Rot-Kreuz-Familie ist die einzige Hilfsorganisation, die Feldkliniken in dieser Größe zur Verfügung stellen kann. Weltweit gibt es drei Stück davon. Der Aufbau der Klinik habe etwa drei Millionen Euro gekostet, sagt Schmidt. Davon sei schon fast eine Million nur für den Transport draufgegangen. Der Einsatz rechne sich aber: In China seien nach dem Erdbeben rund 76 000 Patienten in einer solchen Klinik behandelt worden. Sie dient nicht nur der Nothilfe für die Opfer des Erdbebens, sondern sie soll die Gesundheitsstruktur im Land stärken. Deswegen wird sie nach mehreren Monaten an das haitianische Rote Kreuz übergeben.

„Bevor wir die Klinik übergeben, müssen wir aber noch einen Ersatz für die Zelte finden“, sagt Schmidt. In ein paar Wochen beginnt die Regensaison mit ihren Wirbelstürmen. Wenn die Hunderttausenden Obdachlosen dann noch immer in ihren Zelten aus Stöcken und Bettlaken hausen, droht neues Chaos, das man sich nicht ausmalen mag. Das Rote Kreuz will die Zeltklinik bis dahin in Fertigbau-Häuser unterbringen. Möglicherweise findet sich auch ein leerstehendes Gebäude.

Erfolgreiche Traumabehandlung

Aus einem der Zelte dringt fröhliches Singen und Klatschen. Hier kümmern sich Betreuer um traumatisierte Kinder. Das Zelt ist mit Luftballons und Girlanden dekoriert, an der Zeltwand hängen Kinderbilder.

Ein Helfer kümmert sich um ein traumatisiertes Kind im Feldhospital in Carrefour

Im Feldhospital des Deutschen Roten Kreuzes kümmern sich Helfer spielerisch um traumatisierte Kinder © Stefan Trappe, DRK

Eines zeigt ein schreiendes Kind, das in einem Haus eingesperrt ist – vermutlich eine Reaktion auf das eigene Erlebnis des Erdbebens. Mehrere Kinder stehen im Kreis und singen. Dann tritt ein Mädchen mit vielen vom Kopf abstehenden Zöpfen in die Mitte und macht eine Geste, als wolle sie etwas auf den Boden legen. „Ich lege die Verzweiflung in meiner Familie hier ab“, sagt sie und lächelt schüchtern. Die Betreuer und die anderen Kinder klatschen Beifall.

Die Zeltstadt im Fußballstadion – Das Feldhospital des DRK 1/3

Ulrike Koltermann ist dpa-Korrespondentin in Paris und berichtet über das DRK-Feldhospital in Port-au-Prince wenige Wochen nach dem verheerenden Erdbeben. Dieser Beitrag ist der erste Teil einer längeren Reportage vom 10. Februar 2010, die wir in drei Teilen hier veröffentlichen. Vielen Dank an dpa für die kostenlose Bereitstellung des Beitrags.

von Ulrike Koltermann

Port-au-Prince (dpa) – Jésunette hält ihre Tochter erschöpft im Arm. Das Mädchen hat noch feuchte Haare und bekommt die Augen kaum auf. Sie kam vor wenigen Minuten auf dem Beifahrersitz eines Autos des Deutschen Roten Kreuzes zur Welt. Das Leben geht weiter in Haiti. Jésunette hat das verheerende Erdbeben vor gut drei Wochen hochschwanger überlebt. Ihr Haus ist zerstört, sie lebt mit ihrer Familie in einem Zelt. Im Moment spielt das alles keine Rolle für sie. Sie blickt auf das winzige Bündel, das seine Hände zu Fäusten geballt hat, und sieht glücklich aus.

Luftaufnahme eines Fußballfeldes mit ca. 30 Zelten

Das mobile Krankenhaus des DRK in Carrefour, Haiti © Keppeler, DRK

Die junge Mutter hat Glück gehabt, dass Helfer sie in das Feldkrankenhaus des Roten Kreuzes gebracht haben, das aus einer Zeltstadt auf einem Fußballplatz besteht. Nach Schätzungen der Regierung kamen in Haiti etwa 217 000 Menschen ums Leben und 300 000 wurden verletzt. Die Kliniken und Ambulanzen in der Hauptstadt Port-au-Prince waren schon vor dem Erdbeben in einem desolaten Zustand. Diejenigen, die nicht zerstört sind, sind hoffnungslos überfüllt. Viele Patienten lagern im Freien,
weil es keine Betten mehr gibt und sie Angst vor Nachbeben haben.

Der Impfstoff wird über die Autobatterie gekühlt

„Das Schlimmste, was einem jetzt in Haiti passieren kann, ist eine Blinddarmentzündung oder ein Kaiserschnitt“, sagt der Münsteraner Kinderarzt Joachim Gardemann, medizinischer Leiter der Zeltklinik. „Sämtliche Ressourcen sind von der Erdbebenhilfe absorbiert“, erklärt er. Dabei müssten die Krankheiten des Alltags auch dringend versorgt werden. Zudem drohen neue gesundheitliche Probleme in den vielen improvisierten Zeltlagern in der Stadt. Dort hocken Tausende auf engstem Raum unter katastrophalen Bedingungen zusammen. Insgesamt haben eine Million Menschen in Haiti kein Dach mehr über dem Kopf.

Joachim Gardemann behandelt einen kleinen Patienten im DRK-Feldhospital © Stefan Trappe, DRK

„Die Gefahr geht nicht von den Leichen aus, sondern von lebenden Patienten“, sagt Gardemann. „Es werden dringend Latrinen gebraucht. “Masern könnten ein großes Problem werden, da sie von Mensch zu Mensch übertragen werden und nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung immun seien. Das Rote Kreuz hat mit einer großen Impfkampagne begonnen. Die Helfer gehen von Haus zu Haus, die Kühlung für den Impfstoff wird über den Zigarettenanzünder des Autos mit Batterie-Strom versorgt. Auch Dengue-Fieber und Malaria könnten sich ausbreiten.

Verletzungen durch Erdbeben sind oft stark verschmutzt. Wenn sie zu schnell zugenäht werden, können sie sich entzünden. In Haiti wurden nach dem Beben zudem Amputationen an schätzungsweise 6000 Menschen vorgenommen – teils ohne Verwendung von professionellem Operationsbesteck. Viele von ihnen müssen jetzt nachbehandelt werden, um Komplikationen zu vermeiden oder Prothesen anpassen zu können.