Tag Archives: notunterkunft

Flüchtlingshilfe ganz praktisch: DRK-Delegierte lernen Gabelstaplerfahren

Von Stefan Bihl, DRK-Kommunikationsdelegierter

Es ist zwei Uhr nachts und in der Unterkunft für Flüchtlinge im Warteraum Feldkirchen ist die Heizung ausgefallen. Die Temperaturen fallen unter 15°C. Als der diensthabende stellvertretende Teamleiter informiert ist, macht er sich sofort auf die Suche nach Wolldecken. Im Lagercontainer wird er auch fündig, doch kann er unmöglich eine Palette Kartons mit Wolldecken bewegen. Dazu braucht man einen Gabelstapler. Allerdings schläft der einzige Kollege, der die beiden DRK-Gabelstapler fahren darf, tief und fest in seiner Unterkunft 10 km vom Camp entfernt – Anlass genug, mehrere DRK-Delegierte zu schulen, so dass pro Schicht mindestens ein Kollege mit Gabelstaplerlizenz anwesend ist. weiterlesen

„Ich versuche, nicht alles zu nah an mich rankommen zu lassen, aber es gelingt nicht immer“ – eine Flüchtlingsbetreuerin berichtet

Von Iris Möker, DRK-Kommunikationsdelegierte und Pressesprecherin des DRK-Landesverbandes Brandenburg

„Wir sollten allen Menschen mit Respekt und Liebe begegnen“, sagt Afreen Khan. Die 35-Jährige aus Bangladesch arbeitet als Delegierte für das Rote Kreuz im Warteraum für Flüchtlinge im bayrischen Feldkirchen. „Ich bin ohne Erwartungen hier angekommen“, erzählt sie, „lerne aber jeden Tag viel fürs Leben. Von den Flüchtlingen und auch innerhalb des Rotkreuz-Teams“. Seit Ende September wohnt die junge Frau in einer Pension, zusammen mit 23 anderen Delegierten aus aller Welt.

DRK-Mitarbeiterin in Feldkirchen

Afreen Khan aus Bangladesch ist verantwortlich für den Bereich Psychosoziale Intervention im Warteraum Feldkirchen. Foto: Iris Möker /DRK

Afreen Khan ist verantwortlich für den Bereich Psychosoziale Intervention, kurz PSI, mit vier Mitarbeitern. „Wir haben im Willkommenszelt eine Ecke für Kinder eingerichtet. Mit Spielzeug, Kuscheltieren und einem voll ausgestatteten Wickeltisch“, erzählt Khan von den Anfängen. Aufgabe der PSI-Delegierten ist es, für die ankommenden Flüchtlinge da zu sein, ihnen zuzuhören, Fragen zu beantworten und zu helfen, wo immer es möglich ist. Zum Beispiel bei vermissten Familienangehörigen. Da wendet sich das PSI-Team dann an den Suchdienst des Roten Kreuzes und gibt einen Suchauftrag auf den Weg.

„Ich versuche, nicht alles zu nah an mich rankommen zu lassen, aber es gelingt nicht immer“, sagt Khan und schildert die Begegnung mit einer jungen Frau aus dem Irak: „Die Frau war gerade angekommen, sie war alleine unterwegs, ihr Mann lebte bereits in Deutschland und wartete auf seine Familie. Die junge Frau im Willkommenszelt weinte bitterlich und konnte einfach nicht aufhören. Da ich sie nicht verstand, habe ich einen Übersetzer geholt. Er sprach kurz mit ihr und fing dann selber an zu weinen. Nach ein paar Minuten übersetzte er, was sie ihm erzählt hatte: Die Irakerin ist mit ihrem sechs Monate alten Sohn auf dem Arm in der Türkei auf ein Schlauchboot gestiegen, das sie auf eine griechische Insel bringen sollte. Das Meer war unruhig und als eine heftige Welle das Boot erschütterte, konnte sie ihren Sohn nicht mehr halten und er fiel ins Wasser. Die junge Frau sah ihr Baby im Mittelmeer ertrinken.“ Afreen Khan stockt die Stimme, als sie von der Begegnung erzählt. Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Feldkirchen hat sie den Ehemann der Irakerin ausfindig gemacht. Ausnahmsweise durfte er seine Frau direkt im Camp abholen. „Es war tröstlich zu sehen, wie sehr sich die beiden gegenseitig Halt gaben“, erzählt Khan.

Afreen Khan lebt zurzeit in Bochum, dort hat sie den Masterstudiengang Humanitäre Hilfe an der Ruhr-Universität absolviert. Ihr Einsatz in Feldkirchen dauert noch bis März.

Mehr über unsere Arbeit in Feldkirchen und anderen Notunterkünften finden sie hier: http://www.drk.de/aktuelles/fokusthemen/fluechtlingshilfe/deutschland-fluechtlingshilfe.html

Philippinen: Sichere Häuser für die Betroffenen des Taifuns Haiyan

von Daniel Rudolf Becker, Bau-Delegierter des DRK auf der Insel Leyte, Philippinen 

Seit 16 Monaten bin ich jetzt in Dulag und Julita auf der Insel Leyte. Kontinuierlich – nur mit wenigen Verzögerungen und geringen Verspätungen – bin ich hier am Bau von 2.133 bleibenden erweiterbaren Häusern, sogenannten Sheltern beteiligt. Insgesamt baut das DRK auf den Philippinen 6.500 Häuser, rund 10 Prozent der Gesamtanzahl, die das Philippinische Rote Kreuz errichten will.

Shelter-Projekt des Deutschen Roten Kreuzes

Daniel Becker und Sanjay Mukherjee vom DRK mit einem Shelter-Modell. Foto: DRK

Es ist schon ein bisschen her, dass ich über meine Arbeit für das DRK hier auf Leyte schrieb (Siehe Blogbericht vom November 2014). Es war ja doch immer viel zu tun. Meine Aufgabe ist nur ein Teil eines ganzheitlichen Programms, das das DRK hier als Antwort auf Taifun Haiyan durchführt. So unterstützt das DRK die Bewohner der beteiligten Landkreise mit verschiedensten Komponenten, um die Anfang November 2013 zerstörten Lebensgrundlagen wieder instand zu setzen und zu verbessern. Dazu gehören zum Beispiel finanzielle Unterstützungen, landwirtschaftliche Trainings, betriebswirtschaftliche Schulungen für Ladenbesitzer, die konstruktive Wiederherstellung von Gemeinschaftszentren wie Schulen, kleineren Gesundheitshäusern und Kitas mit Spielplätzen, aber auch die Instandsetzung von Wassersystemen, Handpumpen und der Wasserversorgung von Schulen und anderen Einrichtungen. Und zu guter Letzt gehört auch meine Expertise dazu: die logistische Koordinierung sowie der Bau von Häusern und Toiletten. Unser erfahrener Programmkoordinator Federico Carboni, der auch schon für das DRK in Haiti gearbeitet hat, spielt bei der Umsetzung des Programms eine wesentliche, vermittelnde Rolle.

Vieles hat sich verändert

Das übergreifende Programm hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Seit dem letzten Jahr arbeiten wir zum Beispiel nicht mehr in den sechs Nothilfe-Zelten, sondern in einem umfunktionierten angemieteten Privathaus in Dulag. Für unsere 60 bis 80 Rotkreuz-Helfer haben wir einen Arbeitsplatz errichtet, der gleichzeitig veranschaulicht, wie gut unsere Rotkreuz-Häuser zu erweitern sind. Verändert hat sich auch unser Teamgeist, wir arbeiten effizienter und kommunikativer mit dem lokalen Philippinischen Roten Kreuz zusammen.

Häuser sind aus lokalen Materialien

Die neuen Häuser sind aus lokalen Materialien (Palmholz) und werden gemeinsam vor Ort errichtet. Sie sind nachhaltig und individuell erweiterbar. Foto: DRK

Verändert oder besser verlagert hat sich jedoch am meisten der Schwerpunkt innerhalb unseres Shelter-Programms. Natürlich bauen wir weiterhin Palmholz-Shelter und wir bauen weiterhin Toiletten zu jeder dieser Notunterkünfte. Und nach 12 Monaten haben wir ca. 50% unseres Zieles erreicht und konnten bis September unseren tausendsten Shelter zelebrieren, die 1000ste Familie sehen, wie sie in ihr neues Zuhause umsiedelt. (Insgesamt plant das Philippinische Rote Kreuz (PRC) 80.000 Häuser, von denen 65.000 bereits gebaut wurden, das DRK trägtt 6.500 (ca.10%) des Gesamtvolumens bei. Aber was wir vom DRK neben den laufenden Projekten mehr und mehr im Feld entwickelt haben, ist die sogenannte „Software-Komponente“.

Wichtig für uns Delegierte vor Ort ist es, eine starke Gemeinschaft sicherzustellen und die Widerstandfähigkeit aller Gemeinden, die wir unterstützen, langfristig zu erhöhen. Dazu haben wir vier Baudelegierte des DRK – Maria del Carmen Sancha Maya (Spanien), Lucio Cocconi (Italien), vor allem Sanjay Mukherjee (Indien) und ich – übergreifend an den drei Programmorten des DRK auf den Philippinen an der Umsetzung der Softwarekomponente gearbeitet. Im internationalem Jargon PASSA (Participatory Approach for Safe Shelter Awareness) genannt, bedeutet dies nichts anderes als „Gemeinsame Herangehensweise und gemeinsame Entwicklung von Methoden für sicheres Bauen“. Mit „Gemeinsam“ ist die enge Zusammenarbeit von Helfern und Bedürftigen, von Experten und Anfängern, von uns „Ausländern“ und Einheimischen gemeint. Sicheres Bauen bedeutet, dass alle Schritte zu einem sicheren Gebäude für Jeden und Jede erklärt werden, das notwendige konstruktive Baudetails erläutert werden, dass Vorzeigemodelle und Anschauungsmaterialien positive und negative Beispiele aufzeigen und vor allem, dass lokale Kräfte und lokale Handwerker geschult werden.

Das Rotkreuzteam vor einer der typischen Notunterkünfte aus Palmholz.

Das Rotkreuzteam vor einer der typischen Notunterkünfte aus Palmholz. Foto: DRK / Daniel Rudolf Becker

Bevor ich hier auf den Philippinen anfing, habe ich mich gefragt was passiert, wenn wir, das DRK nicht mehr da sind? Wie wird die Gemeinde vorbereitet sein, wenn ein neuer starker Sturm oder gar ein Supertaifun naht? Die Antwort für uns Shelter-Delegierte ist eindeutig: PASSA.

 

Hier noch mehr Infos zum DRK-Projekt “Wiederaufbau auf den Philippinen”

Weltflüchtlingstag: Azraq – ein Flüchtlingslager voller Kinder, die nach Hause möchten

Humanitäre Nothilfe des DRK für syrische Flüchtlinge

Von René Schulthoff, DRK-Delegierter in Beirut

Es ist brütend heiß in der jordanischen Wüste. An diesem Tag über 45 Grad. Azraq liegt 70 Kilometer östlich der jordanischen Hauptstadt Amman. Gebaut für Menschen aus Syrien, die vor der Gewalt in ihrem Land geflohen sind. In Jordanien halten sich derzeit rund 620.000 syrische Flüchtlinge auf. Im Flüchtlingslager von Azraq selbst leben etwa 20.000 Frauen, Männer und vor allem Kinder, eine ganze Kleinstadt. In einem weiteren Flüchtlingslager in Zaatari warten etwa 80.000 syrische Flüchtlinge darauf, eines Tages wieder heimzukehren. weiterlesen

Nepal: Das Ende eines Traums

Von Andrea Reisinger, Mitarbeiterin des Österreichischen Roten Kreuzes

Narayan Karkis Traum war es, als Buchhalter genug Geld zu verdienen, um seine Familie im Bezirk Sindhuli zu unterstützen. Das Erdbeben hat ihn mit einem Schlag zu einem obdachlosen Hilfsempfänger gemacht. Nepal braucht weiter dringend Spenden. weiterlesen

Pakistan: Mit Decken, Matratzen und Winterkleidung gegen die größte Not

Der schwelende Konflikt zwischen Militanten und Regierungskräften in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ließ viele Familien aus den Dörfern des Baratals und Tirahtals an den Rand der Stadt Peschawar ( der Hauptstadt der pakistanischen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa)  fliehen, wo sie z.T. schon seit Monaten in einem Zeltlager für Binnenvertriebene oder aber bei Gastfamilien leben. Zusammen mit dem Pakistanischen Roten Halbmond konnte das Deutsche Rote Kreuz mit der Bereitstellung von Winterhilfsgütern die größte Not lindern. weiterlesen

„Unser Haus ist sicher gesprengt worden“ – Begegnung mit einer irakischen Vertriebenenfamilie in Nordirak

Von Jörg Mühlbach, DRK-Delegierter im Nordirak

Es regnet und es ist kalt. Ich bin heute mit meiner Kollegin Bettina Morgenstern in eines der Lager für irakische Vertriebene im Nordirak, autonome Region Kurdistan, aufgebrochen. Im Chamishko-Camp leben etwa 25.000 Menschen, irakische Familien, die vor der Gewalt im eigenen Land geflohen sind. Wir verteilen an diesem Tag 1.000 Kerosin-Heizgeräte im Camp. Hier in den Bergen ist es im Winter empfindlich kalt und auf den Gipfeln ringsherum liegt Schnee. Es gibt ein Heizgerät pro Familie. Wenn man schätzt, dass eine Familie 5-6 Mitglieder hat, konnten wir also heute insgesamt 5.000 bis 6.000 Menschen versorgen. Am Sonntag werden noch mal 400 Heizgeräte verteilt. weiterlesen

Rückkehr nach Gaza

Von Andreas Kasseck, DRK-Programmkoordinator in Ramallah, Westjordanland

Mitte September 2014: Vergangene Woche bin ich zum ersten Mal seit Ausbruch der Kampfhandlungen wieder in den Gazastreifen gereist. Seit Jahren arbeitet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Gazastreifen in enger Zusammenarbeit mit dem Palästinenischen Roten Halbmond (PRH) und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) im Bereich der Katastrophenvorsorge.

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Haiti – zweieinhalb Jahre nach dem Erdbeben

Von Emmanuelle Le Roy, WASH Project Manager

Die Lage in der Hauptstadt Port-au-Prince und im Département de l’Ouest ändert sich sichtbar: Seit mehr als zwei Jahren bietet Haiti in den vom Erdbeben zerstörten Regionen den Anblick einer Landschaft, die von Plastikplanen aller Größen und Qualitäten und mit den unterschiedlichsten Bezeichnungen beherrscht wird. Mit den Planen kann man so viel machen: Man kann ein Haus abdecken, eine Toilette abgrenzen, einen Hühnerstall oder ein Feld vergrößern, eine sichere Unterlage für das Gemüse schaffen, wenn man es auf dem Markt oder an der Straße verkaufen möchte und man kann sogar Klassenzimmer mit ihnen improvisieren. Es gibt sie wirklich überall. Ich vermag mir den Profit der Hersteller und Vertreiber dieser Plastikplanen gar nicht vorzustellen! weiterlesen

Wiederaufbau Haiti: Jeder packt mit an

Von DRK-Referent Wolfgang Friedrich

Seit dem Erdbeben 2010 ist viel passiert in Leogane. Ich erinnere mich, als es losging. An einem Montag im August 2011 war es soweit. Die ersten von insgesamt 326 Unterkünften sollten im Dorf Bellevue, 20 km westlich von Leogane, aufgebaut werden. Es war die erste Unterkunft für einige Familien, die seit dem Erdbeben obdachlos waren. weiterlesen