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Kampf gegen Ebola – warum wir weiter in Liberia helfen

Von Mareike Tobiassen, Referentin im Sachgebiet Afrika

Seit März dieses Jahres arbeite ich im DRK-Generalsekretariat als Referentin für Westafrika und bin Teil eines Teams, das zuständig ist für den Ebolaeinsatz, den wir im Auftrag der Bundesregierung seit Oktober 2014 in Liberia und Sierra Leone durchführen.

Dieses Team arbeitete unter Hochdruck an der Koordination und dem Betrieb einer Infektionsklinik in Monrovia und hat zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 65 Mitarbeiter in den Auslandseinsatz gebracht. Unterstützend wurden durch das DRK-Logistikzentrum am Flughafen Berlin Schönefeld drei Hilfsflüge mit Generatoren, persönlicher Schutzausrüstung und medizinischem Equipment nach Sierra Leone und Liberia organisiert. weiterlesen

Philippinen: Sichere Häuser für die Betroffenen des Taifuns Haiyan

von Daniel Rudolf Becker, Bau-Delegierter des DRK auf der Insel Leyte, Philippinen 

Seit 16 Monaten bin ich jetzt in Dulag und Julita auf der Insel Leyte. Kontinuierlich – nur mit wenigen Verzögerungen und geringen Verspätungen – bin ich hier am Bau von 2.133 bleibenden erweiterbaren Häusern, sogenannten Sheltern beteiligt. Insgesamt baut das DRK auf den Philippinen 6.500 Häuser, rund 10 Prozent der Gesamtanzahl, die das Philippinische Rote Kreuz errichten will.

Shelter-Projekt des Deutschen Roten Kreuzes

Daniel Becker und Sanjay Mukherjee vom DRK mit einem Shelter-Modell. Foto: DRK

Es ist schon ein bisschen her, dass ich über meine Arbeit für das DRK hier auf Leyte schrieb (Siehe Blogbericht vom November 2014). Es war ja doch immer viel zu tun. Meine Aufgabe ist nur ein Teil eines ganzheitlichen Programms, das das DRK hier als Antwort auf Taifun Haiyan durchführt. So unterstützt das DRK die Bewohner der beteiligten Landkreise mit verschiedensten Komponenten, um die Anfang November 2013 zerstörten Lebensgrundlagen wieder instand zu setzen und zu verbessern. Dazu gehören zum Beispiel finanzielle Unterstützungen, landwirtschaftliche Trainings, betriebswirtschaftliche Schulungen für Ladenbesitzer, die konstruktive Wiederherstellung von Gemeinschaftszentren wie Schulen, kleineren Gesundheitshäusern und Kitas mit Spielplätzen, aber auch die Instandsetzung von Wassersystemen, Handpumpen und der Wasserversorgung von Schulen und anderen Einrichtungen. Und zu guter Letzt gehört auch meine Expertise dazu: die logistische Koordinierung sowie der Bau von Häusern und Toiletten. Unser erfahrener Programmkoordinator Federico Carboni, der auch schon für das DRK in Haiti gearbeitet hat, spielt bei der Umsetzung des Programms eine wesentliche, vermittelnde Rolle.

Vieles hat sich verändert

Das übergreifende Programm hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Seit dem letzten Jahr arbeiten wir zum Beispiel nicht mehr in den sechs Nothilfe-Zelten, sondern in einem umfunktionierten angemieteten Privathaus in Dulag. Für unsere 60 bis 80 Rotkreuz-Helfer haben wir einen Arbeitsplatz errichtet, der gleichzeitig veranschaulicht, wie gut unsere Rotkreuz-Häuser zu erweitern sind. Verändert hat sich auch unser Teamgeist, wir arbeiten effizienter und kommunikativer mit dem lokalen Philippinischen Roten Kreuz zusammen.

Häuser sind aus lokalen Materialien

Die neuen Häuser sind aus lokalen Materialien (Palmholz) und werden gemeinsam vor Ort errichtet. Sie sind nachhaltig und individuell erweiterbar. Foto: DRK

Verändert oder besser verlagert hat sich jedoch am meisten der Schwerpunkt innerhalb unseres Shelter-Programms. Natürlich bauen wir weiterhin Palmholz-Shelter und wir bauen weiterhin Toiletten zu jeder dieser Notunterkünfte. Und nach 12 Monaten haben wir ca. 50% unseres Zieles erreicht und konnten bis September unseren tausendsten Shelter zelebrieren, die 1000ste Familie sehen, wie sie in ihr neues Zuhause umsiedelt. (Insgesamt plant das Philippinische Rote Kreuz (PRC) 80.000 Häuser, von denen 65.000 bereits gebaut wurden, das DRK trägtt 6.500 (ca.10%) des Gesamtvolumens bei. Aber was wir vom DRK neben den laufenden Projekten mehr und mehr im Feld entwickelt haben, ist die sogenannte „Software-Komponente“.

Wichtig für uns Delegierte vor Ort ist es, eine starke Gemeinschaft sicherzustellen und die Widerstandfähigkeit aller Gemeinden, die wir unterstützen, langfristig zu erhöhen. Dazu haben wir vier Baudelegierte des DRK – Maria del Carmen Sancha Maya (Spanien), Lucio Cocconi (Italien), vor allem Sanjay Mukherjee (Indien) und ich – übergreifend an den drei Programmorten des DRK auf den Philippinen an der Umsetzung der Softwarekomponente gearbeitet. Im internationalem Jargon PASSA (Participatory Approach for Safe Shelter Awareness) genannt, bedeutet dies nichts anderes als „Gemeinsame Herangehensweise und gemeinsame Entwicklung von Methoden für sicheres Bauen“. Mit „Gemeinsam“ ist die enge Zusammenarbeit von Helfern und Bedürftigen, von Experten und Anfängern, von uns „Ausländern“ und Einheimischen gemeint. Sicheres Bauen bedeutet, dass alle Schritte zu einem sicheren Gebäude für Jeden und Jede erklärt werden, das notwendige konstruktive Baudetails erläutert werden, dass Vorzeigemodelle und Anschauungsmaterialien positive und negative Beispiele aufzeigen und vor allem, dass lokale Kräfte und lokale Handwerker geschult werden.

Das Rotkreuzteam vor einer der typischen Notunterkünfte aus Palmholz.

Das Rotkreuzteam vor einer der typischen Notunterkünfte aus Palmholz. Foto: DRK / Daniel Rudolf Becker

Bevor ich hier auf den Philippinen anfing, habe ich mich gefragt was passiert, wenn wir, das DRK nicht mehr da sind? Wie wird die Gemeinde vorbereitet sein, wenn ein neuer starker Sturm oder gar ein Supertaifun naht? Die Antwort für uns Shelter-Delegierte ist eindeutig: PASSA.

 

Hier noch mehr Infos zum DRK-Projekt “Wiederaufbau auf den Philippinen”

„Was würde ich mitnehmen auf der Flucht?” Gedanken zum Hilfseinsatz auf Lesvos

Von DRK-Mitarbeiterin Marilena Chatziantoniou, die die Verteilung von Hilfsgütern in Griechenland für das Deutsche Rote Kreuz koordiniert.

“Was würde ich eigentlich mitnehmen auf der Flucht?” Dieser Gedanke ging mir nicht aus dem Kopf an diesem kühlen, aber sonnigen Novembertag auf der griechischen Insel Lesvos. Man flieht ja nicht vor einem Feuer, einem Erdbeben, bei denen man nicht eine Sekunde Zeit hat zu überlegen. Nein, man flieht vor einem Krieg, der sich in den letzten vier Jahren verschärft hat. Man flieht vor einer Situation, die es einem nicht mehr erlaubt ein Leben ohne Furcht zu leben. Ein Leben in ständiger Angst, dein Haus könnte das nächste sein, das getroffen wird, dein Kind das nächste, das erfriert oder verhungert. Man flieht vor den Bomben, vor dem Tod, vor der ständigen Angst.
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Viele Herausforderungen und ein Nachbeben – bei der Verteilung von Hilfsgütern in Nepal

Von Karl Philipp Gawel, DRK-Mitarbeiter in Nepal

Anreise

Bereits in Istanbul habe ich mich am Flughafen mit Keksen und Trinkwasserflaschen eingedeckt, mangels wirklich verlässlicher Informationen, was mich beim Eintreffen in Kathmandu erwarten würde. Obwohl es von Istanbul nach Kathmandu mit einer Linienmaschine ging, war klar, das ist kein regulärer Flug. Die Mehrzahl der Passagiere waren Pressevertreter oder Hilfskräfte, die sich auf dem Weg in ein unbekanntes Szenario befanden. Je mehr sich das Flugzeugsymbol auf der Bildschirmlandkarte dem Ziel Nepal näherte, wurde mir bewusst, das Folgende ist ungewiss. weiterlesen

Die ganze Tragödie des Ebolaausbruchs – fünf Wochen als Arzt in Liberia

Von Alexander Peric, Assistenzarzt und DRK-Freiwilliger in Liberia

Alexander Peric (33), seit November 2013 in der Klinik für Innere Medizin – Schwerpunkt Kardiologie in den DRK-Kliniken Berlin-Köpenick als Assistenzarzt tätig, hat nach eigenen Angaben “einen Faible für alles Infektiologische” und war in Liberia zum Ebola-Einsatz. Anbei sein spannender Erlebnisbericht. weiterlesen

Pakistan: Mit Decken, Matratzen und Winterkleidung gegen die größte Not

Der schwelende Konflikt zwischen Militanten und Regierungskräften in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ließ viele Familien aus den Dörfern des Baratals und Tirahtals an den Rand der Stadt Peschawar ( der Hauptstadt der pakistanischen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa)  fliehen, wo sie z.T. schon seit Monaten in einem Zeltlager für Binnenvertriebene oder aber bei Gastfamilien leben. Zusammen mit dem Pakistanischen Roten Halbmond konnte das Deutsche Rote Kreuz mit der Bereitstellung von Winterhilfsgütern die größte Not lindern. weiterlesen

Amnahs erste Schritte

Von René Schulthoff, DRK-Delegierter Beirut, Libanon

Als erstes sehe ich die kleinen Zehennägel und dann das eingegipste Bein, das sich langsam durch die Tür schiebt. Dann erscheint das zierliche syrische Mädchen mit seinen dünnen Armen, die Hände um die Reifen eines Rollstuhls geklammert. Langsam und mühselig schiebt sich die neunjährige Amnah über den Flur des Krankenhauses im Flüchtlingslager Azraq in der jordanischen Wüste. Ihre Geschichte ist schockierend. weiterlesen

Aus Sierra Leone: “Es sind die kleinen Augenblicke, die uns tief erschüttern”

von Prof. Dr. med. Joachim Gardemann, DRK-Mitarbeiter in Sierra Leone

Es sind meistens nicht die großen Opferzahlen, die uns so tief bewegen, sondern die kleinen Augenblicke, die uns tief erschüttern. Vor einigen Tagen erreichte uns wieder ein Krankenwagen mit einer von Ebola betroffenen Familie. Im Sichtungsbereich unseres Behandlungszentrums entstiegen dem hinteren Teil des Fahrzeuges die Mutter und zwei verängstigte Kinder. Nach stundenlanger Fahrt im verschlossenen Wagen muss für die neuen Patienten unsere erste Erscheinung in der Schutzausrüstung fremd und erschreckend gewesen sein.  Die junge Mutter blutete bereits aus dem Mund, für uns ein sicheres Zeichen für einen hoffnungslosen Krankheitsverlauf. weiterlesen