Ägypten: Ein Krankenhaus für bedürftige Flüchtlinge und Einheimische

Am 29.05.2019 von Rikke Østergård

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In diesen Tagen zum medizinischen Personal im Krankenhaus des Roten Halbmonds in Alexandria zu gehören, ist keine leichte Aufgabe. Die Patientenzahlen steigen rasant und die Bedingungen sind bescheiden. Doch Naghla Malak, Dahlia Kohl und Said Zahran gehen ihrer Arbeit mit vollem Herzen nach. Sie sind dankbar für die Unterstützung, die sie durch das EU-finanzierte Flüchtlingshilfsprogramm MADAD erhalten.

Viel Arbeit im Rothalbmond-Krankenhaus

Seit 32 Jahren arbeitet Dr. Naghla Malak im Rothalbmond-Krankenhaus im Zentrum des Elendsviertels Alexandrias. Die letzten Jahre waren die betriebsamste Zeit, die die Laborleiterin je erlebt hat. „Immer mehr Menschen kommen hierher, um sich behandeln zu lassen. Die Zahlen sind schnell gestiegen“, sagt sie. Viele Patienten, die ins Krankenhaus kommen, sind syrische Flüchtlinge – rund 125.000 Syrerinnen und Syrer suchen derzeit Zuflucht in Ägypten – oder Bewohner des Elendsviertels in Alexandria. Einige Patienten kommen sogar von weiter her, weil die Behandlung günstig ist.

“Ich mag meine Arbeit, nichts im Speziellen, aber es macht mir Freude“, sagt Dahlia Kohl.

„Patienten, die in Armut leben, behandeln wir kostenfrei“, sagt Naghlas Kollegin Dr. Dahlia Kohl. „Es bedeutet den Menschen sehr viel, die Möglichkeit einer medizinischen Behandlung zu haben.“ An ihren Arbeitstagen betreut die Gynäkologin und Geburtshelferin rund 30 Patientinnen täglich, für jede Frau braucht sie rund eine halbe Stunde. „Im Moment begleite ich viele schwangere Frauen aus Syrien. Sie bekommen hier die gleichen Behandlungen und kostenlose Besuche wie alle anderen werdenden Mütter.“

Neue Ausrüstung dank des MADAD-Programms

Weil dort viele bedürftige Flüchtlinge und Einheimische behandelt werden, erhält das Krankenhaus Unterstützung durch das internationale Hilfsprogramm MADAD, in dessen Rahmen sich 15 Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften – darunter das DRK – dafür einsetzen, syrischen Geflüchteten und Menschen in den Gastgemeinden der Aufnahmeländer zu helfen. Die Zuwendungen haben die Bedingungen und Möglichkeiten im Krankenhaus deutlich verbessert, neue Geräte und Instrumente konnten angeschafft werden.

Dahlia Kohl arbeitet seit mehr als 15 Jahren im Rothalbmond-Krankenhaus Alexandrias. Das neue Ultraschallgerät verbessert ihre Arbeit.

„Es ist jetzt ganz anders. Viel besser“, sagt Dahlia Kohl. „Zum Beispiel hatten wir vorher nur ein altes Ultraschallgerät, jetzt haben wir ein Gerät mit aktueller Technologie. Und es ist sehr wichtig, was es kann, zum Beispiel in Bezug auf Tumore und Infektionen“, erklärt sie. Sie lächelt: „Es ist magisch. Das hat unsere Situation sehr verändert.“

Auch Laborleiterin Naghla Malak ist begeistert. „Früher haben wir die meisten unserer Blutproben zur Analyse weggeschickt. Nun können wir sie selbst im Krankenhaus analysieren, wir schicken nichts mehr nach draußen. Es ist also viel besser.“

„MADAD hat für die Arbeit unseres Labors große Fortschritte erzielt“, sagt Naghla Malak. „Wir haben unter anderem neue Instrumente für die Blutanalyse und insgesamt mehr Instrumente als früher.“

„Wir brauchen Ihre weitere Unterstützung“

Auch bei Dr. Said Zahran öffnet sich die Tür zum Untersuchungsraum unablässig. Ständig kommen neue Patienten für den Kinderarzt im Rothalbmond-Krankenhaus. Vor seiner Tür warten Hunderte Menschen.

Doktor Said Zahran arbeitet seit sieben Jahren dort. Er sagt: „Die Arbeit hier ist sehr gut. Die Zuwendung des MADAD-Programms hat gut funktioniert und die neuen Instrumente helfen uns bei unserer Arbeit. Das ist sehr wichtig. Doch wir brauchen weitere Unterstützung“. Er versucht nicht, die Tatsache zu verbergen, dass es viele Patienten und nur wenige Ressourcen gibt.

„Das ist mein Leben. Seit ungefähr vierzig Jahren arbeite ich für die Kinder“, sagt Said Zahran.

Es ist offensichtlich, dass die Patienten, die hier Hilfe suchen, sie dringend brauchen: „In dieser Gegend ist die wirtschaftliche Situation sehr schlecht. Viele leiden unter Mangelernährung. Sie können einen kleinen Jungen sehen, der sehr dickleibig ist, aber in Wirklichkeit ist er unterernährt“, erklärt Said. Die Menschen in dieser Gegend nehmen aufgrund ihrer sozialen Lage häufig minderwertiges oder einseitiges Essen zu sich.

„Ich fühle mich großartig“

Trotz aller Schwierigkeiten und trotz des Arbeitsdrucks setzen sich Said Zahran, Naghla Malak, Dahlia Kohl und ihre Kollegen in Alexandrias Rothalbmond-Krankenhaus mit voller Tatkraft für Menschen ein, die Hilfe benötigen. „Das ist mein Leben. Seit ungefähr vierzig Jahren arbeite ich für die Kinder“, sagt Said Zahran. Der Fortschritt macht die Fachleute zufriedener: „Ich fühle mich großartig, dass ich jetzt mehr Menschen schneller und mit besserer Qualität betreuen kann. Auch die Patienten scheinen unserer Arbeit mehr zu vertrauen und sind beeindruckt von der Qualität des Krankenhauses“, resümiert Naghla Malak.

» Erhalten Sie hier weitere Informationen zum MADAD-Programm.
» Weitere Informationen über die Hilfe in Syrien und seinen Nachbarländern erhalten Sie hier.
» Erfahren Sie mehr über die DRK-Hilfe in Ägypten.

Fotos: Rikke Østergård/Dänisches Rotes Kreuz

Geschrieben von:

Grafik: Logo des Dänischen Roten Kreuzes Rikke Østergård
Rikke Østergård berichtet für das Dänische Rote Kreuz über die Hilfe im Rahmen des MADAD-Projekts, das – finanziert von der Europäischen Union – syrischen Flüchtlingen sowie Gastgemeinden in den Nachbarländern Syriens zugutekommt. Sie trifft Menschen vor Ort und berichtet über sie in Bild und Ton.

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