Flüchtlinge erhalten Unterstützung

Irak: Bargeld für Vertriebene im kurdischen Autonomiegebiet

Am 20.04.2015 von Jörg Mühlbach

Foto: eine Muttrer mit Kind bei einer Bargeldverteilung

Die meisten meiner Freunde oder Bekannten, denen ich erzähle, dass das DRK als Nothilfemaßnahme im Nordirak Bargeld verteilt, schauen mich erst einmal stirnrunzelnd an und fragen dann: Was machen die Leute denn mit dem Geld? Muss man so etwas nicht sehr gut kontrollieren? Kann das Geld denn nicht in falsche Hände geraten oder für die falschen Dinge ausgegeben werden?

Foto: Mädchen im irakischen Flüchtlingslager
Ein Mädchen in einem Flüchtlingslager in der Autonomen Region Kurdistan.

Es stimmt, es gibt einige Dinge zu beachten, wenn man Geldverteilungen durchführt. Vor allem muss ein funktionierender Markt vorhanden sein, auf dem die Menschen mit dem verteilten Geld einkaufen können. Die Produkte, die gebraucht werden, müssen dort verfügbar sein. Sicherheitsaspekte beim Transport und der Verteilung müssen bedacht werden. Es ist auch wichtig, gut zu planen, nach welchen Kriterien das Geld verteilt wird, zum Beispiel an Familien mit sehr vielen Kindern oder an alleinerziehende Mütter.

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, ist die Verteilung von Geld eine wirklich gute Möglichkeit zu helfen. Vor allem auch deshalb, weil sie den Menschen die Möglichkeit gibt, selbst zu entscheiden, was am dringendsten nötig ist. Vor allem gibt man ihnen mit dieser eigenen Entscheidung auch ein Stück Würde.

Moderne Nothilfe im Sinne der Menschen

Es ist schwer vorzustellen, wie es ist, Hals über Kopf flüchten zu müssen und noch nicht einmal das Nötigste zusammenpacken zu können, weil man Angst um sein Leben und das Leben seiner Familie hat. Sehr viele Geschichten, die wir hier hören, sind aber genau so abgelaufen und die Menschen mussten vergangenen Herbst teilweise mitten in der Nacht schnell einfach nur weg, um der Gewalt zu entgehen. Über 800.000 Menschen sind seitdem in die autonome Region Kurdistan im Norden des Irak geflohen. Wer Glück hatte, konnte bei Verwandten unterkommen oder konnte es sich leisten, eine Unterkunft zu mieten. Viele Menschen mussten jedoch in Rohbauten ohne Fenster und Türen bleiben oder in einem Flüchtlingslager mit der ganzen Familie ein Zelt beziehen.

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Viele haben alles verloren.

Als der Winter kam und es hier eisig kalt wurde, hat das DRK mit Decken, Isoliermatten, Heizgeräten und Heizmaterial geholfen und dazu beigetragen, dass gerade diejenigen Vertriebenen mit den wenigsten Mitteln durch den Winter kamen. Es gibt aber dringend nötige Bedürfnisse, die am zielgenauesten und effizientesten gedeckt werden können, indem man direkt Geld verteilt und die Menschen selbst einkaufen, was sie am dringendsten brauchen.

Investitionen in Nahrung, Kleidung und Schulmaterial

Wir haben Ende März in einem der Flüchtlingslager 250 US-Dollar pro Familie an insgesamt 2.300 Familien verteilt. Wie auch bei der Verteilung von herkömmlichen Hilfsgütern, haben wir zwei Wochen danach eine Umfrage durchgeführt. Das Geld wurde für verschiedenste Dinge ausgegeben: für Kleidung, für Nahrung, medizinische Versorgung, Küchenutensilien, Schreibmaterialien für die Schule, um auf der Flucht verlorengegangene Ausweise neu ausstellen zu lassen oder um Schulden bei einem Bekannten zurück zu zahlen, der in einer kritischen Situation ausgeholfen hatte. Auch bei einer noch so gründlichen Projektplanung wäre es nicht gelungen, auf so viele individuell dringend notwendige Bedürfnisse einzugehen.

Es schreibt sich so leicht, dass man einem Menschen ein Stück Würde geben kann. Was das genau heißt, weiß ich eigentlich selbst nicht recht. Aber der Gesichtsausdruck, den die Leute hatten, als sie nach der Verteilung mit dem Geld nach Hause gegangen sind, hat mir zumindest einen ungefähren Eindruck davon gegeben.

» Erfahren Sie mehr über die DRK-Hilfe im Nord-Irak.

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Fotos: Jörg Mühlbach/ DRK, Raefah Makki/ IFRK

Geschrieben von:

Jörg Mühlbach

Jörg Mühlbach ist DRK-Mitarbeiter in Kurdistan, Nordirak.

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