Beirut, Damaskus und zurück mit DRK-Präsident Dr. Rudolf Seiters

Am 04.02.2014 von René Schulthoff

Von René Schulthoff, Communications Delegierter des DRK im Libanon

Dr. Rudolf Seiters ist nicht zum ersten mal im Libanon, aber sein letzter Besuch liegt fast 40 Jahre zurück. Dieses mal ist er als Repräsentant des Deutschen Roten Kreuzes unterwegs und will sich über die Arbeit des Roten Kreuzes im Rahmen der Syrienkrise informieren und offizielle Gespräche im Libanon und auch in Syrien führen. Zusammen mit dem DRK-Bereichsleiter Dr. Johannes Richert begleite ich die Delegation drei Tage lang zu Gesprächen mit Offiziellen, mit freiwilligen Helfern und mit syrischen Flüchtlingen.

Seiters ist sichtlich betroffen, als er am ersten Tag seiner Reise zusammen mit dem Libanesischen Roten Kreuz in die Stadt Zahle fährt und dort mit Flüchtlingen zusammentrifft. Die syrischen Familien leben am Rande der 250.000 Einwohnerstadt in der Bekaa-Ebene in Holzbeschlägen mit Plastikplanen. Es gibt kein fließendes Wasser und nur sehr schlechte hygienische Bedingungen. Der schlammige Boden ist aufgeweicht und an den Behausungen fließen kleine Rinnsale dreckiges Wasser entlang. Seiters wird in eines der provisorischen Zelte gebeten und hört sich die Geschichten der Flüchtlinge an. Seine Mine ist ernst. Später sagt er mir, wie schrecklich leid ihm doch besonders die kleinen Kinder tun. Die umringen ihn zum Abschied, lachen und springen und wollen von ihm fotografiert werden.

DRK-Präsident Dr. Seiters mit syrischen FlüchtlingskindernDRK-Präsident Dr. Seiters betrachtet Fotos mit syrischen Flüchtlingskindern.
Foto: Schulthoff/ DRK

Das DRK unterstützt das Libanesische Rote Kreuz mit verschiedenen Projekten um den syrischen Flüchtlingen zu helfen. Vor allem im Bereich medizinische Nothilfe für syrische Familien aber auch für die libanesische Bevölkerung engagiert sich das DRK. Ebenso hat das DRK Lebensmittel, Hygienepakete und Küchensets an viele der offiziell nun gemeldeten 880.000 syrischen Flüchtlinge im Libanon verteilt.

Am nächsten Tag sitze ich erneut mit Rudolf Seiters im weißen Geländewagen des Libanesischen Roten Kreuzes. Die Fahrt bis zur syrischen Grenze dauert knapp eineinhalb Stunden. Die Formalitäten an der Grenze sind schnell erledigt und nach einer weiteren Stunde erreichen wir Damaskus. Eine Stadt im Ausnahmezustand. Militärcheckpoints an jeder Straße, lange Staus und warten – das ist der erste Eindruck den unsere kleine Gruppe von der syrischen Hauptstadt bekommt.

Wir besuchen eine Verteilstation des Syrisch Arabischen Roten Halbmond (SARC) im Zentrum der Millionenstadt. Von hier aus werden unter anderem tausende Hilfspakete des DRK verteilt, insgesamt bereits 300.000 Lebensmittelpakete, Hygienesets für über 200.000 Familien und 160.000 Babykits. Damit erreicht die Hilfe des DRK über 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge und Binnenvertriebene. Rudolf Seiters trifft in der Verteilstation freiwillige Helfer des SARC und ist beeindruckt von ihrem Engagement.

DRK-Präsident Seiters verteilt Lebensmittel im LibanonDr. Rudolf Seiters trifft in der Verteilstation freiwillige Helfer des SARC.
Foto: Schulthoff/ DRK

Wieder geht es durch die verstopften Straßen von Damaskus, von Straßensperre zu Straßensperre. Einmal hören wir den Donner einer Kanone, die irgendwo in den Außenbezirken von Damaskus feuert. Ansonsten haben wir Glück und es gibt keinen Beschuss auf Damaskus.

Im neunten Stock eines Hochhauses im Zentrum befindet sich die Leitstelle des SARC. Rudolf Seiters informiert sich darüber, wie die Einsätze der Ambulanzfahrzeuge koordiniert werden. Es herrscht Hektik, denn gerade wird ein weiterer SARC-Konvoi aus 16 Ambulanzfahrzeugen und Bussen zusammengestellt. Sie brechen in den nächsten Minuten auf, um in ein umkämpftes Gebiet außerhalb von Damaskus zu fahren, um dort Zivilisten medizinisch zu versorgen. Rudolf Seiters zollt den Helfern des SARC höchsten Respekt. Er weiß, dass auch dieser heutige Einsatz, die ungewisse Fahrt von Ambulanzfahrzeugen mit Helfern in ein umkämpftes Gebiet, höchste Gefahr für Leib und Leben der humanitären Helfer bedeutet. 34 SARC-Freiwillige sind bereits während des nun 3 Jahre andauernden Konfliktes bei ihrer humanitären, neutralen und unparteilichen Arbeit für Menschen in Not getötet worden.

DRK-Präsident-Seiters informiert sich in der Leitstelle des SARCEin Blick in die Leitstelle des SARC. Foto: Schulthoff/ DRK

Insgesamt engagiert sich das DRK seit 2012 mit über 20 Millionen Euro im Rahmen der Syrienkrise und hilft den Menschen in Syrien selbst und den Flüchtlingen in den benachbarten Länder Libanon, Jordanien und Türkei. In Syrien unterstützt das DRK den Syrisch Arabischen Roten Halbmond auch mit logistischer Hilfe, mit Fahrzeugen, mit Lagerkapazitäten und bei der Aufbereitung von Wasser.

Die Rückreise im Auto nach Beirut von Damaskus aus verläuft weitgehend schweigend. Die Eindrücke, die DRK-Präsident Seiters aus Syrien und dem Libanon mitnehmen wird, sind ergreifend. Das Zusammentreffen mit Menschen auf der Flucht, Kindern in notdürftig zusammen gehauenen Baracken, die Gespräche mit Rotkreuz- und Rothalbmond Helfern in Syrien und Libanon werden nachhaltig bleiben. Wir sind alle nachdenklich und dennoch sicher, dass wir weiterhelfen müssen. Rudolf Seiters weiß, dass auch Kinder, Frauen und Männer in Syrien derzeit verhungern und sterben. Er wird sich weiter dafür einsetzen, dass die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung Zugang zu den Zivilisten bekommen muss, dass humanitäre Hilfe umgehend zu den Menschen gebracht werden muss und dass die Helfer geschützt werden müssen.

Geschrieben von:

Foto: DRK-Miartbeiter im Portrait. René Schulthoff
Um aus den Projekten zu berichten, war René Schulthoff für das Deutsche Rote Kreuz bereits in Syrien, Griechenland, Jordanien und Nepal, aber auch im Nordirak und Jemen.

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