Binnenflüchtlinge: Zu fünft in einem Zimmer – bald zu sechst

Am 03.05.2016 von Haris Aljevic

Foto: Aufkleber mit der Aufschrift Humanitarian Aid vom DRK

Valeria Vasilevna Didenko, 21, aus Alechevsk, einer kleinen Stadt in der Region Lugansk ist eine alleinerziehende Mutter und schwanger. Ihre Tochter Alina wurde am 7. Juni 2014 geboren. Als ihr Freund erfuhr, dass sie wieder schwanger ist, hat er sie verlassen. Vielleicht ist er nach Russland, um dort eine Arbeit zu finden. Valeria wird bald ihr zweites Kind bekommen, ein Kind, das im Flüchtlingsheim das Licht der Welt erblicken wird. Valeria wird dann mit 21 zweifache Mutter sein und sich auch noch um ihre Mutter sowie um zwei Geschwister kümmern müssen.

Leben in einem Camp für 6.000 Binnenflüchtlinge in der Ukraine

Nachdem die Kämpfe in ihrer Heimatstadt immer heftiger wurden und sie keine Lebensgrundlage mehr für sich sahen, flohen Valeria und ihre Familie am 18. März 2015, zunächst nach Zaporozhie, dann wieder näher an ihre Heimatstadt, in der Hoffnung, bald zurückkehren zu können. Am 27. August 2015 fanden sie in Charkov, im Flüchtlingscamp Romaschka (Kamillenblüte), eine vorübergehende Bleibe für Binnenflüchtlinge.

Valerias Familie in ihrem Zimmer
Familienfoto: Drei Generationen von Valerias Familie leben im Flüchtlingscamp auf wenigen Quadratmetern zusammen.

Valerias fünfköpfige Familie lebt in ärmlichen Verhältnissen, alles findet in einem Zimmer statt: schlafen, essen, lernen. Ihre Mutter hat eine chronische Herzerkrankung und gilt als schwerbehindert. Vor ein paar Jahren hat sie sich von ihrem Mann scheiden lassen, erhält von ihm aber keine Alimente für die Kinder. Bürokratie verhindert, dass sie die Unterstützung, die ihr als Schwerbehinderte in Lugansk zustand, auch in Charkov erhält. Also lebt die Familie von der Sozialhilfe, die gerade einmal reicht, um ihren Anteil an den Nebenkosten des Camps zu tragen, hauptsächlich für Heizung.

Valerias Schwester Anastasia ist zwölf, ihr Bruder Vladislav 14. Sie besuchen die 6. und 9. Klasse. Sie haben keine Vorstellung von ihrer Zukunft. Wenn sie könnten, würden sie sofort in ihren Heimatort zurückkehren.

Foto: DRK-Mitabeiter mit einer ukrainischen Mutter und ihrer Tochter
Valeria ist sehr glücklich über die Hilfe vom DRK. Mit den Einkaufgutscheinen kauft sie zum Beispiel Windeln für ihre kleine Tochter.

Das Camp Romaschka war früher ein Sommerlager, das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sich selbst überlassen wurde und verwahrloste. Ein Privatunternehmer kaufte es auf, stellt es jedoch jetzt den Binnenflüchtlingen zur Verfügung. Im Moment leben rund 30 Familien hier in Romaschka, alle aus der Region Lugansk.

Das Deutsche Rote Kreuz hilft mit Geldern des Auswärtigen Amtes und eigenen Mitteln Binnenflüchtlingen, auch in diesem Camp. Insgesamt werden in der Region 6.000 Menschen über 11 Monate durch das Deutsche Rote Kreuz unterstützt. Die Binnenflüchtlinge erhalten Einkaufsgutscheine für einen Supermarkt, so dass sie wichtige Dinge des täglichen Bedarfs selbstbestimmt auswählen und kaufen können.

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Fotos: Photothek/ DRK, Haris Aljevic/DRK

Geschrieben von:

Haris Aljevic

Haris Aljevic ist DRK-Deligierter in Charkov, Ukraine und koordiniert die humanitäre Hilfes des Deutschen Roten Kreuzes vor Ort.

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