Ein Schulkind wäscht sich die Hände mit sauberem Wasser aus der neu errichteten Händewaschstation. (Foto: Andrea Kehrwald/ DRK)

Brunnenbau in Togo: Nicht jede Bohrung führt zum Erfolg

Am 12.12.2014 von Andrea Kehrwald

Vor kurzem waren wir im Dorf Tokpó, in dem wir zwei alte nicht mehr funktionierende Brunnen sanieren und einen neuen Brunnen bohren.

Ein Schulkind wäscht sich die Hände mit sauberem Wasser aus der neu errichteten Händewaschstation. (Foto: Andrea Kehrwald/ DRK)
Ein Schulkind wäscht sich die Hände mit sauberem Wasser aus der neu errichteten Händewaschstation vor einer Schule. (Foto: Andrea Kehrwald/ DRK)

Die Dorfgemeinde hat ihren Beitrag bereits geleistet, indem sie ein Wasser-Kommittée aus Freiwilligen gegründet und in je eine Wasserkasse zur Instandhaltung der drei Brunnen eingezahlt haben. Und nun das: Bei der Instandsetzung der beiden alten Brunnenanlagen, die rehabilitiert werden sollten, hat man Proben genommen und festgestellt, dass sie mittlerweile so hoch nitratiert sind, dass das Wasser auf keinen Fall mehr getrunken werden darf. Die Werte sind fast so hoch wie bei Meerwasser und können für Kinder tödlich sein. Bei den Bohrungen für den neuen Brunnen wurde gar kein Wasser gefunden.

Nun hat uns der Dorf-Chef im Namen der Bevölkerung gebeten, doch noch einen weiteren Versuch zu unternehmen, denn nach wie vor müssen die Dorfbewohner ihr komplettes Wasser zum Trinken, Kochen, Wäschewaschen, Geschirrspülen, Duschen etc. von einem einige Kilometer entfernten Bach holen…

Derzeit holen die Dorfbewohner ihr Wasser aus einem nahe gelegenen Fluss. Es ist sehr verschmutzt. Dennoch wird es zum Trinken, Waschen, Wäschewaschen, Geschirrspülen etc. benutzt. Die Dorfbewohner können kaum erwarten, dass der neue Brunnen endlich fertiggestellt wird, damit sie endlich sauberes Wasser haben.
Derzeit holen die Dorfbewohner ihr Wasser aus einem nahe gelegenen Fluss. Es ist sehr verschmutzt. Dennoch wird es zum Trinken, Waschen, Wäschewaschen, Geschirrspülen etc. benutzt. Die Dorfbewohner können kaum erwarten, dass der neue Brunnen endlich fertiggestellt wird, damit sie endlich sauberes Wasser haben. (© Andrea Kehrwald)

Was tun? Jede Bohrung kostet eine Menge Geld!

Vier weitere Bohrungen sind insgesamt noch innerhalb des Budgets möglich. Und ich muss mitentscheiden, wo wir diese vornehmen. In Tokpó, damit die Menschen dort endlich sauberes Trinkwasser bekommen? Aber wie groß ist die Chance, beim vierten Versuch auf Wasser zu stoßen, das dann auch noch in Ordnung, also nicht nitratiert ist? Oder sollen wir lieber in einen anderen Brunnen in einem anderen Dorf investieren, in dem wir schon auf sauberes Wasser gestoßen sind?

Immerhin ist einer der Erfolgs-Indikatoren des Projektes, die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser zu erhöhen. Übrigens hatten wir auch schon Fälle, wo zwei Bohrungen im Abstand von 100 Metern völlig unterschiedliche Wasserqualitäten erbracht haben, einmal in Ordnung und einmal hoch nitratiert, abhängig von der Bodenstruktur und dem Wasserlauf.

Eine klare Prognose, ob eine vierte Bohrung positiv sein kann oder nicht, gibt es also nicht. Aber es ist nicht aussichtslos.

Geschrieben von:

Foto: DRK-Mitarbeiterin mit Basecap Andrea Kehrwald
DRK-Mitarbeiterin Andrea Kehrwald erlebt in ihrem Einsatz in Maritime in Togo so einiges. Ob in der Katastrophenvorsorge oder Ernährungssicherung – für das DRK arbeitet sie gemeinsam mit den Menschen in der Region für ein besseres Leben.

4 Kommentare zu “Brunnenbau in Togo: Nicht jede Bohrung führt zum Erfolg

  1. Ich möchte darauf hinweisen, daß hohe Nitratgehalte im Grundwasser getrennt von einem hohen Mineralstoffgehalt betrachtet werden müssen: Für den Gehalt von Nitraten im Trinkwasser hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Grenzwert von 50mg/l festgelegt. Dieser Wert gilt auch in Togo und Brunnen, welchen einen höheren Wert aufweisen, dürfen deshalb nicht genutzt werden. Diese geringen Mengen an Nitrat ändert nicht den Geschmack des Trinkwassers. Nitrate in höheren Konzentrationen sind vor allen Dingen für Säuglinge und Kleinkinder gesundheitsschädlich und aus diesem Grund wurde dieser Grenzwert eingeführt.
    Im Gegensatz dazu sind höhere Konzentrationen an Mineralstoffen (Natrium, Kalium, Magnesium in Lösung mit Hydrogencarbonaten, Chloriden und Sulfaten) nicht gesundheitsschädlich, denkt man z.B. an „Mineralwasser“. Nimmt die Konzentration an einzelnen Mineralien allerdings soweit zu, schmeckt das Wasser je nach der Zusammensetzung „salzig“ „bitter“ oder „fad“. Dieses Wasser von der Bevölkerung abgelehnt, konkrete internationale Grenzwerte bzgl. einer gesundheitlichen Beeinträchtigung existieren nicht.
    In dem beschriebenen Projekt in Togo haben wir es mit beiden Phänomenen zu tun: Hohe Mineralstoffgehalte und Nitratvorkommen im Grundwasser bei einer mittleren Tiefe der Brunnen von 60-70m. Hinzu kommt, dass im Schnitt zwei Bohrversuche unternommen werden müssen, um überhaupt Wasser zu finden, obwohl die Brunnenbauunternehmen zuvor hydrogeologische Untersuchungen vornehmen.

    1. Liebe Frau Baur,
      entschuldigen Sie die späte Rückmeldung. Die Kosten sind etwas unterschiedlich, je nachdem, wo und wie tief gebohrt werden muss. Falls Sie es genauer wissen möchten, erkundigen wir uns gerne bei den Mitarbeitern in Togo.

      Viele Grüße vom DRK-Webteam

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