Foto: Umarmung einer Rotkreuzlerin und einer Betroffenen des Buschfeuers in Australien

Australien: „Die Menschlichkeit zeigt sich in diesen Situationen“

Am 14.01.2020 von Susan Cullinan

Foto: Umarmung einer Rotkreuzlerin und einer Betroffenen des Buschfeuers in AustralienSeit Beginn der Buschbrände in verschiedenen Teilen Australiens sind die Mitarbeitenden und Freiwilligen des Australischen Roten Kreuzes damit beschäftigt, den Betroffenen beizustehen. Einige ihrer Eindrücke lesen Sie hier.

Aufbruch von Mallacoota

Anfang Januar 2020, als die Buschfeuer außer Kontrolle gerieten, waren im Südosten Australiens Tausende Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Der einzige noch offene Ausweg war die Massenevakuierung per Schiff durch die australische Marine und eine zwanzigstündige Fahrt über das Meer zum rund 500 km entfernten Hafen von Somerville. Das Australische Rote Kreuz (ARK) war an Bord dabei und half.

Foto: Rotkreuzhelferin und Marinesoldat auf einem Marineschiff
Rotkreuz-Helferin Lisa Carr an Bord der HMAS Choules

Sechs speziell in psychosozialer Unterstützung ausgebildete Kolleginnen und Kollegen des ARK waren auf der HMAS Choules, einem Schiff der australischen Marine (Royal Australian Navy), als Begleitung dabei, saßen mit den Menschen zusammen und spendeten Trost. Die Evakuierten konnten ihnen ihre Sorgen und Erlebnisse anvertrauen.

Lisa Carr ist eine von sechs Mitarbeitern des Australischen Roten Kreuzes, die gemeinsam mit den Marinesoldaten 1.200 Evakuierte auf der HMAS Choules unterstützten: „Die Kollegen von der Armee waren fantastisch – in einer auch für sie nicht ganz so leichten Zeit, in der Informationen wirklich knapp waren. Sie machten die Evakuierung für Jung und Alt zu einer positiven Erfahrung, das war wirklich herzerwärmend.“

Lisa war auch beeindruckt von dem Mitgefühl, das die Evakuierten einander entgegenbrachten. „Immer wieder hieß es: ‚Mir geht’s gut, andere hat es viel schwerer getroffen als mich. Die Menschlichkeit war immer offensichtlich, sie kommt in diesen wirklich schwierigen Situationen einfach an die Oberfläche“.

Foto: Evakuierte Menschen in Australien vor einem Bus
Nach einer langen Reise auf See kommen die Evakuierten aus Mallacoota mit dem Bus in Somerville an.

Ankunft in Somerville

Rotkreuz-Freiwillige empfingen die Evakuierten an den Bussen, die sie zum Hilfszentrum in Somerville brachten, und bereiteten sie auf die bevorstehende Registrierung vor. Das Somerville Indoor Sports Stadium war inzwischen zu einem Hilfszentrum umgebaut worden und Freiwillige des Australischen Roten Kreuzes warteten dort bereits auf ihre Ankunft.

Die große Erleichterung war deutlich spürbar. Als die Menschen, die auf dem Seeweg aus Mallacoota evakuiert wurden, schließlich im rund 500 km entfernten Somerville wieder mit ihren Lieben vereint sein konnten, war es sehr emotional.

Eine Busladung nach der anderen traf ein und es war schwer zu sagen, wer sich am meisten freute, endlich in Sicherheit zu sein – einige der 114 Hunde  oder ihre zweibeinigen Familienmitglieder. Im Zentrum flossen Tränen, als die Menschen sich in der Menge wiederfanden. Familien fielen sich in die Arme, Kinder wurden hoch in die Luft gehoben, Hunde gestreichelt. Überall war Freude und Erleichterung.

Foto: In einer Turnhalle hält ein älteres Pärchen Lufballons in der Hand. Daneben eine Rotkreuzhelferin
Ein Paar wartet gespannt auf seine Enkelkinder.

Große Hilfsbereitschaft angesichts der verheerenden Buschbrände in Australien

Mitgefühl und Freundlichkeit sind seit Beginn der Feuerkatastrophe das, was den Menschen überall entgegenströmt. Der Nothilfe- und Wiederaufbaufonds, der es den Rotkreuz-Teams ermöglicht, Menschen in Notsituationen – einschließlich der aktuellen Buschbrände und noch kommender Katastrophen – unbürokratisch zu unterstützen, hat seit dem 31. Dezember 2019 mehr als 19 Millionen Australische Dollar aufgebracht, und die Zahl steigt ständig.

„Wir sind hier alle zusammen und passen aufeinander auf“

Die Rotkreuzler boten aber vor allem psychosoziale Unterstützung an, die dringend nötig war. Cheryl Colautti vom Australischen Roten Kreuz berichtet von Menschen, die in Bairnsdale ihr Zuhause verloren haben: „Da war eine Frau, die weinte. Ich ging auf sie zu, setzte mich neben sie und legte meinen Arm um sie. Sie sagte: ‚Es tut mir leid. Ich bin bisher so stark gewesen, weil Papa wirklich krank ist.‘ Ich sagte: ‚Es ist okay, zu weinen. Wenn Sie es nicht herauslassen, wird es Sie belasten. Bitte fühlen Sie sich nicht schuldig.‘ Damit kamen die Tränen und das hat wahrscheinlich wirklich geholfen.”

Die Freiwillige Peta Gapper war am Lakes Entrance, wo in der betriebsamsten Nacht mehr als 500 Menschen schliefen. „Ich habe eine Menge Hunde für ältere Menschen ausgeführt. Ich habe meine Zeit mit Menschen verbracht, saß mit ihnen zusammen, um sie zu beruhigen“, erzählt sie. „Ein junges Mädchen weinte und sagte, dass sie schreckliche Angst habe. Ich sagte, ‚Du musst keine Angst haben. Wir sind hier alle zusammen und passen aufeinander auf.‘ Am Ende der Schicht kam sie zu mir und bedankte sich. Man muss einfach nur da sein, mit den Menschen reden.“

Foto: Gruppenfoto von vielen Helfern in einer Turnhalle
Die Rotkreuz-Freiwilligen waren Teil eines organisationsübergreifenden Teams, das die Mallacoota-Evakuierten unterstützte.

Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes helfen auch weiterhin denjenigen, die in Mallacoota geblieben sind. Zwanzig geschulte Freiwillige, die in den nächsten zwei Wochen in Schichten eingeteilt sind, leisten psychosoziale Betreuung sowie Registrierungsdienste und kümmern sich um die Lebensmittel- und Wasserversorgung in allen Nothilfezentren.
Weitere 600 bis 800 Lebensmittelkörbe, Wasserpaletten, Hygieneartikel und Haustierbedarf werden ebenfalls vom Roten Kreuz organisiert, damit sie per Lastwagen schnell an die bedürftigen Gemeinden verteilt werden können.

» Ihre Spende für Menschen in Not hilft.

Fotos: Matt Lynn and Susan Cullinan vom Australischen Roten Kreuz

Geschrieben von:

Susan Cullinan
Susan Cullinan ist beim Australischen Roten Kreuz dafür zuständig, die Medien und die Öffentlichkeit über Notlagen zu informieren. Dazu besucht sie Katastrophengebiete und Projekte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*