Zwei Mädchen im Flüchtlingscamp Kutupalong

Bangladesch: Der große Traum der Flüchtlingskinder

Am 03.12.2018 von Dr. Dieter Schütz

Zwei Mädchen im Füchtlingscamp Kutupalong

Hütten, nichts als einfache Hütten aus Bambus und Planen so weit das Auge reicht. Mittendrin die beiden Freundinnen Alsama Bibi (7) und Noor Kayess (10). Die beiden Mädchen haben einiges gemeinsam. Beide leben im Kutupalong-Camp bei Cox’s Bazar in Bangladesch, dem größten Flüchtlingslager der Welt. 630.000 Menschen aus der Provinz Rakhine in Myanmar haben dort seit Sommer 2017 Zuflucht gefunden, weitere rund 300.000 leben in der näheren Umgebung von Cox’s Bazar.

Schwere Schicksale

Beide Mädchen haben keine Eltern mehr. Die siebenjährige Alsama musste mit ansehen, wie ihre Mutter vor ihren Augen erschossen wurde. Die 15jährige Schwester kümmert sich jetzt um sie. Bei Noor ist es die Großmutter, die sie und ihren Bruder seit dem Tod ihrer Eltern betreut.

Mädchen blickt auf die Hügellandschaft im Flüchtlingscamp
Die zehnjährige Noor blickt auf die unendliche Hügellandschaft des weltweit größten Flüchtlingscamps.

Es sind keine Einzelschicksale. Im Camp leben Tausende von Waisenkindern, die bei Vertreibung und Flucht meist schlimme Erfahrungen gemacht haben. 53 Prozent der Flüchtlinge – also mehr als die Hälfte – sind Kinder und Jugendliche. Sie prägen das Bild, wenn man auf den schmalen unbefestigten Pfaden durch das Lager mit seinen zahlreichen Hügeln läuft.

Grundlegende Hilfe

Das Deutsche Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen sorgen dafür, dass Hütten und Latrinen gebaut, Trinkwasserbrunnen gebohrt und das Allernötigste zum Leben bereitgestellt wird. Das DRK unterstützt auch ein Feldhospital des Finnischen Roten Kreuzes, in dem seit Oktober 2017 mehr als 45.000 Patienten behandelt wurden.

Wasserversogung des DRK in Bangladesch
Wasserversorgung ist grundlegend: Für 40 neue Brunnen hat das DRK jeweils 200 Meter tief gebohrt.

Ungewisse Zukunft

Doch das eigentlich Schlimme ist die Perspektivlosigkeit für die Flüchtlinge: Nach Myanmar können sie unter den derzeitigen Umständen nicht zurück, im mit 165 Millionen Menschen ohnehin schon überbevölkerten Bangladesch ist die Situation für sie schwierig. Alles trägt einen provisorischen Charakter.

Alsama Bibi und Johannes B. Kerner
Die siebenjährige Alsama Bibi malt ein Rotes Kreuz für Johannes B. Kerner, der für die Spendengala „Ein Herz für Kinder“ das Flüchtlingscamp besuchte.

So sind im Camp zum Beispiel feste Häuser nicht zugelassen, auch regulären Schulunterricht für die vielen Kinder und Jugendlichen gibt es nicht. Dabei haben Alsama und Noor doch einen großen Traum: Beide wollen eines Tages gerne Lehrerin werden. Ob dieser Wunsch jemals in Erfüllung gehen wird?


Fotos: DRK / Dieter Schütz

>>Mehr Informationen zur Flüchtlingshilfe des DRK in Bangladesch lesen Sie hier

>>Lesen Sie hier Dr. Schütz‘ Reisebericht aus Homs, Syrien

>>Lesen Sie hier Dr. Schütz‘ Blog zur Lage syrischer Flüchtlinge im Libanon

Geschrieben von:

Presseprecher Dr. Dieter Schütz Dr. Dieter Schütz
DRK-Pressesprecher Dr. Dieter Schütz schildert seine Eindrücke aus dem weltweit größten Flüchtlingscamp Kutupalong Ende des Jahres 2018. 2017 war er gemeinsam mit DRK-Generalsekretär Christian Reuter in Syrien zu Besuch beim Syrischen Arabischen Roten Halbmond und berichtete u.a. im Libanon von der Lage dort.

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