Die Flut ist noch nicht vorbei

Am 29.09.2010
Langsam fließt das Wasser von den Feldern ab, aber es wird noch lange dauern, bis die Bauern hier wieder ernten können. Foto: Mario Lennartz.
Langsam fließt das Wasser von den Feldern ab, aber es wird noch lange dauern, bis die Bauern hier wieder ernten können. Foto: Mario Lennartz.

Von Valérie Batselaere, IFRC

Verheerende Überflutungen halten Pakistan weiter fest im Griff. Eine neue Flutwelle überschwemmte in der südlichen Provinz Sindh zwei Städte und mehr als 70 Dörfer entlang des Manchar-Sees südlich von Dadu. Die steigenden Wassermassen durchbrachen den Damm am See, sodass zehntausende Menschen in die nächsten höher gelegenen Städte evakuiert werden mussten.

Fast zwei Monate nach Beginn des starken Monsunregens hat die Flutkatastrophe nichts von ihrem Schrecken verloren. Immer noch sind Millionen Menschen obdachlos, hungrig und haben keinen Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Versorgung. In vielen Gebieten geht die Überschwemmung zwar langsam zurück; für zahlreiche Flutflüchtlinge, die nicht in ihre Häuser zurückkehren können, bleiben die Aussichten aber äußerst düster.

Die 7.000 Bewohner des Zeltlagers „Jail City“ in Thatta im Süden der Provinz Sindh erhalten Katastrophenhilfe vom Roten Kreuz und Rotem Halbmond. Das Deutsche Rote Kreuz hat hier eine mobile Wasseraufbereitungsanlage installiert und liefert damit täglich 33.000 Liter Trinkwasser. Jeder Person stehen damit fünf Liter sauberes Wasser zur Verfügung. Bis alle Lagerbewohner dieses Angebot nutzen, ist allerdings noch Überzeugungsarbeit zu leisten, wie Claus Muchow, Leiter des DRK-Wasseraufbereitungsteams, erzählt: „Bevor wir die Wassertanks aufgestellt hatten, konnten die Menschen nur verdrecktes Wasser trinken. Jetzt, wo es Zugang zu sauberem Wasser gibt, müssen wir Werbung für den gesundheitlichen Wert des chemisch aufbereiteten Wassers machen, denn viele mögen den Chlorgeschmack nicht und trinken weiterhin das verschmutzte Wasser.“ Deshalb organisiert der Pakistanische Rote Halbmond nun Aufklärungsveranstaltungen für Frauen und Kinder in dem Zeltlager.

Drei kleine Mädchen holen frisch aufbereitetes Trinkwasser. Im Hintergrund eine Zapfstelle in Thatta. Foto: Mario Lennartz.
Drei kleine Mädchen holen frisch aufbereitetes Trinkwasser. Im Hintergrund eine Zapfstelle in Thatta. Foto: Mario Lennartz.

Ein weiteres Problem ist die Verrichtung der Notdurft unter freiem Himmel, denn es gibt für die 7.000 Menschen in „Jail City“ bislang nur vier Toiletten. Um diese großen gesundheitlichen Risiken zu beseitigen, errichtet das Deutsche Rote Kreuz weitere Latrinen.

Der Iranische Rote Halbmond betreibt in der Zeltstadt eine mobile Klinik. Hier können bis zu 200 Menschen täglich behandelt werden. Die Patienten kommen nicht nur aus „Jail City“, sondern auch aus den benachbarten Ortschaften, wo die Flutkatastrophe Zehntausende von jeder medizinischen Hilfe abgeschnitten hat. Die meisten Krankheiten, die hier behandelt werden, sind auf die schlechten sanitären Bedingungen im Lager zurückzuführen. Die Flutflüchtlinge leben auf engstem Raum miteinander. Und wer seine Tiere (vor allem Rinder) vor den Wassermassen retten konnte, brachte sie in dieses Behelfsquartier mit – was die Hygienesituation nicht verbessert hat.

In der ganzen Region um Thatta hat der Iranische Rote Halbmond ein paar Tausend Zelte verteilt und versorgt zudem regelmäßig etwa 10.000 Menschen mit Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern.

DRK-Projektmanagerin Karina Lehmann im Gespräch mit Kindern im Flüchtlingslager 'Jail City'. Foto: Mario Lennartz.
DRK-Projektmanagerin Karina Lehmann im Gespräch mit Kindern im Flüchtlingslager \’Jail City\‘. Foto: Mario Lennartz.

Auf den Straßen und Dämmen der ländlichen Gebiete Pakistans irren immer noch Zehntausende auf der Suche nach Essen, Trinken und Unterschlupf umher. Damit diese Menschen schneller mit Hilfsleistungen versorgt werden können, organisieren Rotes Kreuz und Roter Halbmond die Verteilung gemeinsam mit den Dorfältesten und Stammesführern der betroffenen Regionen. Seit die Flutkatastrophe begann, erreichten die Hilfsgüter mehr als 650.000 Menschen.

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