Die Zeltstadt im Fußballstadion – Das Feldhospital des DRK 3/3

Am 09.04.2010

Ulrike Koltermann ist dpa-Korrespondentin in Paris und berichtet über das DRK-Feldhospital in Port-au-Prince wenige Wochen nach dem verheerenden Erdbeben. Dieser Beitrag ist der dritte und letzte Teil ihrer Reportage vom 10. Februar 2010.

von Ulrike Koltermann

Die Versorgungslage ist dramatisch

Die Feldklinik ist eine Oase der Sauberkeit und Effizienz im vor Dreck strotzenden, chaotischen Port-au-Prince nach dem Erdbeben. Die Zelte stehen in Reih und Glied, vor Betreten des Küchenzeltes muss sich jeder die Hände waschen. Vor dem Tor drängen sich Menschen, die hoffen, bei den Ärzten einen Job zu finden. Jemand hat ein Pappschild aufgehängt: „Krankenhaus – Keine Arbeit zu vergeben“.

Anne-Christine Schulz macht eine Zigarettenpause im Schatten. Die Arbeit ist aufreibend, aber sie macht ihr Spaß. Die 30 Jahre alte Krankenschwester aus Nürnberg kümmert sich um die Finanzen der Feldklinik. „Beim Erdbeben in China war es einfacher, da funktionierte die Infrastruktur, und es gab für alle genug zu essen“, erinnert sie sich. In Haiti sei die Versorgungslage dramatisch, die Preise seien innerhalb kurzer Zeit um das 17-fache gestiegen. „Ich habe zeitweise für eine Kiste Obst 100 Dollar bezahlt.“

Viele Kinder haben ihre Eltern verloren

Mädchen campiert unter freiem Himmel in Carrefour
Viele Kinder sind während des Erdbebens von ihren Eltern getrennt worden © Stefan Trappe, DRK

Schulz hat schon mehrere Kriseneinsätze mitgemacht und viel Elend gesehen. Aber einzelne Schicksale rühren sie immer wieder an. „Da war ein zwei Jahre altes Kind, das ganz allein auf einem Feld gefunden wurde“, erzählt sie. „Man hat es zu uns gebracht, und wir haben es hier versorgt.“ Später hätten sich Verwandte gemeldet und das Kind bei sich aufgenommen. Hilfsorganisationen schätzen, dass derzeit eine Million Kinder in Haiti verwaist oder von ihren Eltern getrennt sind.

Das Rote Kreuz hilft

Unterdessen tragen Helfer in roten T-Shirts eine bewusstlose alte Frau mit offenen Beinwunden auf einer Trage herein. Eine haitianische Krankenschwester nimmt den Puls, ein Arzt vom Roten Kreuz in Hongkong schaut sich die Wunden an. „Sie war schon vor dem Erdbeben krank, aber jetzt ist es ganz schlimm geworden“, berichtet ihr Sohn mit sorgenvollem Gesicht. „Machen Sie sich keine Sorgen, wir kümmern uns um sie“, sagt der Arzt. Er spricht Englisch, doch der Mann versteht nur Kreol. Aber die Botschaft kommt an: er lächelt erleichtert.

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