Einsatz auf den Philippinen: DRK-Delegierter der ersten Stunde

Am 20.11.2013

Von Jörg Fischer, Delegierter des DRK auf den Philippinen

Bereits vier Tage nachdem Taifun „Haiyan“ auf den Philippinen gewütet hatte, landete ich mit einem Militärflugzeug der philippinischen Airforce in Tacloban. Ich bin in erster Linie hier, um den Kollegen des philippinischen Roten Kreuz in dieser Ausnahmesituation logistisch unter die Arme zu greifen.

Bei meiner Ankunft zusammen mit einem Kollegen vom Spanischen und einer Kollegin vom Philippinischen Roten Kreuz fühlte ich mich angesichts der umfangreichen Medienberichterstattungen gut informiert. Was ich dann jedoch in Tacloban sah, übertraf meine schlimmsten Erwartungen. Die derart flächendeckende Verwüstung einer ganzen Stadt habe ich bisher noch nicht gesehen, und ist ganz sicher nichts, das ich erneut erleben möchte.

Mein erster Eindruck war schockierend

In dem Moment, in dem ich den Boden dieser Stadt unter meinen Füßen spürte, war mir bewusst, dass es mit dem Aufbau der Logistik nicht so einfach wird. Überall zerstörte Häuser, umgekippte Bäume, unbefahrbare Straßen, aufgebrochene Wasserleitungen, verstörte Menschen, umherirrende Kinder. Es ist nur schwer in Worte zu fassen. Und dazu der Geruch der Verwesung, der an den Straßenseiten liegenden, teilweise unverhüllten, Leichen. Nicht nur an das Bild musste ich mich gewöhnen, sondern auch den Gedanken festhalten, dass wir hier wirklich helfen können.

Erste Hilfsgüter bringen Hoffnung

Drei Tage sind vergangen, teilweise schleppend und zäh, in Anbetracht dessen, dass wir kaum Hilfsgüter vor Ort haben und die Infrastruktur kaum vorhanden ist. Dennoch konnten wir uns ein genaueres Bild von der Lage machen und erste Unterstützung bieten. Meine Kollegen und ich helfen vor allem den philippinischen Kollegen hier vor Ort. Sie fahren die Gebiete ab, machen sozusagen eine Bestandsaufnahme, und informieren uns dann darüber, wo welche konkrete Hilfe benötigt wird. Wir übernehmen dann die Logistik, indem wir koordinieren, dass die eintreffenden Hilfsgüter ankommen, wo sie am Dringensten benötigt werden.

Bei den Erkundungsfahrten hat sich deutlich abgezeichnet, woran es den Menschen am Nötigsten fehlt: vor allem Trinkwasser, medizinische Versorgung, Notunterkünfte. Viele Menschen schlafen unter freiem Himmel und das bei Regen und Wind. Momentan ist die Gefahr groß, dass hier Seuchen ausbrechen. Daher sind auch Hygienepakete extrem wichtig.
Auch wenn wir im Moment vor allem um das nackte Überleben der Betroffenen kämpfen, sehe ich in den vielen Gesichtern, dass psychologische Hilfe zur Verarbeitung dieses traumatischen Erlebnisses noch viel dringender benötigt wird.

Wir haben einen Plan

Mein nächstes Ziel ist Cebu. Im nördlichen Teil von Cebu bauen wir in den kommenden Tagen ein Koordinationszentrum für internationale Hilfen auf. Der Vorteil dort ist, dass die Infrastruktur vorhanden ist: die Straßen sind befahrbar, es gibt Trinkwasser, die Stromversorgung ist gesichert. Schwieriger ist es für mich überhaupt dorthin zu gelangen. Ich muss erst nach Manila fliegen, und kann dann weiter nach Cebu. Die Straßen in den anderen vom Taifun betroffenen Gebieten sind nach wie vor kaum befahrbar. Kleinere LKWs können dort zwar fahren, größere mit Hilfsgütern jedoch kaum.

Ich hoffe sehr, dass wir in den kommenden Wochen den Menschen hier ihr Leben erleichtern können, vor allem wünsche ich mir, dass wir dabei schneller und effizienter werden.

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