Foto: DRK-Delegierter vor einem DRK-Zelt in Nepal

Erdbeben in Nepal: „Die Zerstörung war verheerend“

Am 25.04.2016 von Karl-Philip Gawel

Foto: Ein nepalesisches Mädchen sitzt auf Trümmern.

Katastrophenhilfe in Nepal – ein Rückblick

Als ich in der Hauptstadt Kathmandu landete, herrschte Chaos: Überall zerstörte Häuser, Schutthaufen, Bilder von Vermissten. Sämtliche Freiflächen schienen von Menschen belagert, die aus Angst vor Nachbeben im Freien schliefen.

Karl-Philip Gawel
Der DRK-Delegierte Karl-Philip Gawel im Erdbebengebiet.

Die ersten Tage waren eine Herausforderung: Wir mussten LKWs organisieren, Ladehelfer, Fahrer. Zahlreiche Freiwillige des NRK waren selbst von dem Erdbeben betroffen, alle verfügbaren Helfer mussten also umso mehr anpacken. Hinzu kam, dass viele betroffene Gebiete nicht über Straßen erreichbar waren.

Trotzdem: Dank des unermüdlichen Engagements der nepalesischen Kollegen konnten wir die Hilfsgüter schnell zu den Bedürftigsten bringen. So haben wir zum Beispiel 200 Familienzelte aus Deutschland direkt in die Stadt Lukla weitergeleitet. Viele Dörfer in deren Umgebung hatten noch keine Hilfe erhalten.

Wenige Tage später reiste ich selber nach Lukla, um mir ein Bild von der Lage dort zu machen. Ich war bereits in zehn Ländern für das DRK im Einsatz, doch derart isolierte Dörfer wie in dieser Region um den Mount Everest hatte ich noch nie gesehen. Lukla selber liegt in 2.900 Meter Höhe und ist nur mit dem Flugzeug erreichbar. Von dort aus mussten wir mehrere Stunden auf steilen Pfaden laufen, um in die Dörfer zu gelangen. Sogar Motorräder kommen hier nicht lang.

Das Deutsche Rote Kreuz entsandte 60 Tonnen Hilfsgüter ins Erdbebengebiet. Foto: René Schulthoff/DRK
Das Deutsche Rote Kreuz entsandte 60 Tonnen Hilfsgüter ins Erdbebengebiet.

Die Helfer des NRK hatten junge Männer rekrutiert, um die fast 50 Kilogramm schweren Zelte zu den Menschen zu tragen. Und tatsächlich: Überall auf den umliegenden Hängen sah ich die weißen Zelte des DRK. Als wir das erste Dorf erreichten, war die Zerstörung verheerend – kaum ein Haus stand mehr. Direkt am Dorfeingang stand ein Zelt des DRK, eine Frau saß davor und wusch ihre Kochtöpfe. Aus dem Inneren hörte ich ihre Kinder spielen. Da wusste ich: Wir hatten den Menschen geholfen, inmitten der Katastrophe ein Stück Normalität wiederzufinden.

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Weitere Blogbeiträge zur Erdbebenhilfe in Nepal:

» 19.04.2016: Wertvolle Hilfe nach dem Erdbeben
» 11.09.2015: Neue Hoffnung für Singati – als Arzt im Erdbebengebiet
» 31.07.2015: Harte Realität: Weite Fußmärsche zur DRK-Gesundheitsstation
» 03.07.2015: Die Arbeit hat gerade erst begonnen
» 09.06.2015: Viele Herausforderungen und ein Nachbeben
» 13.05.2015: Das Ende eines Traums
» 08.05.2015: 2.200 Freiwillige Helfer des Nepalesischen Roten Kreuzes im Einsatz
» 04.05.2015: Nepals Freiwillige im Angesicht der Tragödie: „Wir müssen den Lebenden helfen“

Fotos: Finnisches Rotes Kreuz/ DRK, René Schulthoff/ DRK

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Foto: Portrait eines DRK-Delegierten Karl-Philip Gawel

Der DRK-Delegierte Karl-Philip Gawel flog zwei Tage nach dem ersten Erdbeben im April nach Nepal, um vor Ort zusammen mit dem Nepalesischen Roten Kreuz (NRK) die Verteilung der deutschen Hilfsgüter zu koordinieren.

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