Foto: ein nepalesischer Rotkreuzmitarbeiter prüft die Ausrichtung einer Wand.

Erdbebenhilfe in Nepal: Der Wiederaufbau kommt voran

Am 16.01.2017 von Betisa Egea Zabalza

Erdbebenhilfe: Ein nepalesischer Rotkreuzmitarbeiter prüft die Ausrichtung einer Wand.

Als Nepal im Jahr 2015 von zwei schweren Erdbeben erschüttert wurde, verloren mehr als 8.000 Menschen ihr Leben. Als DRK haben wir uns in der Nothilfe engagiert, um die Überlebenden zu unterstützen – mit einer Basisgesundheitsstation zur medizinischen Versorgung, mit Hilfsgütern und Bargeldhilfen für die Errichtung von Notunterkünften.

Foto: Trümmer nach den Erdbeben in Nepal
Die Folgen der Erdbeben in Nepal waren verheerend.

Im Anschluss an die Nothilfe begannen wir gemeinsam mit dem Belgischen und dem Niederländischen Roten Kreuz ein Wiederaufbauprogramm, das die wichtigen Bereiche Unterkünfte und Hausinstandsetzung, Wasser und Sanitär sowie Gesundheit und die Wiederherstellung der Lebensgrundlagen beinhaltet.

Die schwierige politische Situation – auch die Blockierung der Grenze zu Indien für mehrere Monate mit großen Auswirkungen auf die Benzin-, Gas- und Warenversorgung – war eine ernsthafte Herausforderung für das Vorankommen des Erdbebenhilfe-Programms.

Projektgebiet: Ländliche Gemeinden im Zentrum Nepals

Wir arbeiten in Gemeinden, die sehr ländlich sind. Gorkha liegt im nördlichen Zentrum Nepals und grenzt im Norden an Tibet. Die Hauptstadt des Bezirks, Gorkha Bazaar, befindet sich rund dreieinhalb Autostunden westlich von Kathmandu, der Hauptstadt Nepals.

Erdbebenhilfe vom DRK: In den Bergen Nepals tragen Menschen Wellblech.
Das Rote Kreuz hilft in abgelegensten Gebieten: Nach den Erdbeben in Nepal transportieren Betroffene Wellblechplatten, um sich temporäre Unterkünfte zu bauen.

Die Menschen in den ländlichen Gebieten sind sehr stark und belastbar. Sie leben unter rauen Bedingungen in den Bergen, müssen täglich lange Strecken laufen, um Wasser zu holen. Sie gehen in andere Dörfer, um Waren zu tauschen oder die Gesundheitszentren aufzusuchen, wenn sie sich krank fühlen. Die Gemeinden leben vor allem von der Landwirtschaft – hauptsächlich von der Reisproduktion. Auf der Suche nach Beschäftigungsmöglichkeiten verlassen viele junge Menschen ihre Heimat und gehen ins Ausland. Dort arbeiten sie im Bau- oder Dienstleistungssektor und überweisen Einkünfte an ihre zurückgelassenen Familien.

Gemeinsame Erdbebenhilfe: Die Betroffenen wirken mit

Mit diesen Gemeinden zu arbeiten, ist für mich sehr bereichernd. Unsere erste Zusammenarbeit war die Umsetzung der PASSA-Schulungen. PASSA ist die Abkürzung für „Participatory Approach for Safe Shelter Awareness” und bedeutet Bewusstsein zu schaffen für die Sicherheit von Unterkünften. Der Ansatz wurde von der Rotkreuzbewegung entwickelt und zielt darauf ab, die Gemeinschaften zu stärken, sodass sie Schwachstellen bezüglich der Erdbebensicherheit von Unterkünften und Siedlungen analysieren können. Dann können sie einen Plan entwickeln, um die Häuser und Dörfer entsprechend zu bauen oder zu verbessern.

Foto: Eine nepalesische Rotkreuzmitarbeiterin hält lachend eine Schale Mörtel hoch.
Hoch motiviert und mit einem Lächeln: Beim Wiederaufbau packen alle mit an.

Freiwillige des Nepalesischen Roten Kreuzes, die zuvor als PASSA-Moderatoren ausgebildet wurden, führen die Schulungen durch. Sie werden in drei Sitzungen umgesetzt. Dabei analysieren die Teilnehmer Gefahren in ihrer Gemeinde, besprechen sichere und unsichere Bautechniken und erstellen einen Aktionsplan zur Verbesserung von Unterkünften und Siedlungen.

Trotz schwerer Umstände lächeln die Menschen

Jedes Mal, wenn wir die Menschen in den Gemeinden besuchen, um die Projektaktivitäten unserer Erdbebenhilfe zu überwachen, begrüßen sie uns sehr herzlich. Die Nepalesinnen und Nepalesen sind gastfreundlich und großzügig. Geduldig haben sie lange gewartet, bis sie eine finanzielle Unterstützung von der Regierung erhalten haben, um ihre Häuser wieder aufzubauen. In all dieser Zeit haben sie in einfachen temporären Unterkünften aus Holz, Bambus und Wellblech gelebt, einen kalten Winter und regnerische Monsunzeiten überstanden. Doch sogar in so einer bitteren Situation verlieren sie ihr Lächeln nicht.

Lokale Handwerker erlernen sichere Bautechniken

Erdbebenhilfe: Auf einer Baustelle sägt ein nepalesischer Bauarbeiter Holz mit einer elektrischen Säge.
In den neuen Hauskonstruktionen werden lokale Materialien wie Holz und Stein verwendet.

Für den Wiederaufbau in Nepal braucht es viele qualifizierte Maurer und Schreiner. Deshalb unterstützt das DRK die offiziellen „Build Back Safer“-Trainings, die den von der nepalesischen Regierung entwickelten Plänen folgen. Maurer und Schreiner können in diesen Schulungen erdbebensichere Bautechniken erlernen – sowohl durch theoretische als auch durch praktische Lektionen. Das Ergebnis der Schulungen sind Demonstrationswände in den Gemeinden, die stehen bleiben und den Menschen vor Ort als Beispiel dienen. Nach dem 7-tägigen Intensivtraining erhalten die Teilnehmer offizielle Zertifikate, die es ihnen erlauben mit den Techniken zu arbeiten und Einkommen zu generieren.

Foto: Ein Stein wird mit dem Meißel bearbeitet.
Wichtig für stabile Wände: gekonnte Steinbearbeitung.

Die Ausbildung fördert die Verwendung traditioneller Bautechniken und lokaler Materialien – etwa Stein, Holz und Schlamm-Mörtel. Hauptziel ist es, Schlüsseltechniken einzuführen, um die Stabilität der Gebäude zu erhöhen. Die Maurer erlernen zum Beispiel, wie sie die richtigen Steine auswählen und wie sie sie in eine regelmäßige Form bringen, damit die Steine sich perfekt mit den angrenzenden Steinen in den Wänden verbinden können. Das Holz wird in den Wänden verwendet, um die Außenwände aneinander zu befestigen. Es bildet jeden Höhenmeter fortlaufende Bänder, um sicherzustellen, dass das Gebäude während der Erdbebenschwingungen eine Einheit bleibt und die Wände nicht auseinanderfallen.

Dankbarkeit und Freude über das neue wertvolle Wissen

Während unserer Kontrollbesuche sehen wir gute Trainingsergebnisse. Die Maurer sagen uns, wie zufrieden sie mit ihrem Wissenszuwachs sind. Sie sind glücklich im Rahmen der Erdbebenhilfe zu lernen, wie sie ihre Konstruktionen verbessern können. Bisher habe ich ausschließlich positives und begeistertes Feedback von unseren Schulungsteilnehmern erhalten. Ich erinnere mich an einen Maurer, der mir sagte, dass er während seiner mehr als 20-jährigen Erfahrung noch nie von diesen sicheren Bautechniken gehört hatte und dass er sie von nun an anwenden würde. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass die Maurer ihr neues Wissen in ihren Gemeinden verbreiten.

Der nächste Schritt wird es sein, Modellhäuser für gemeinschaftliche Zwecke zu bauen, um die Kenntnisse in wahren Maßstab umzusetzen und den Gemeinden ein echtes Beispiel für erdbebensichere traditionelle Häuser zu geben! Es geht also weiter…

» Erfahren Sie mehr über die Arbeit des DRK in Nepal

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» 19.04.2016: Wertvolle Hilfe nach dem Erdbeben
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» 31.07.2015: Harte Realität: Weite Fußmärsche zur DRK-Gesundheitsstation
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» 13.05.2015: Das Ende eines Traums
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Fotos: IFRC, L. Keating/ IFRC, S. Noel/ IFRC

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Foto: Portrait einer DRK-Mitarbeiterin Betisa Egea Zabalza

Betisa Egea Zabalza begann ihre Arbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz in Nepal Mitte Juli 2015. Zunächst koordinierte sie technische Arbeitsgruppen im Bereich Unterkünfte, deren Aufgabe es war, Richtlinien, Strategien und Handwerkszeug zu entwickeln, um die Nothilfe effektiver zu gestalten. Die Teilnehmer der Arbeitsgruppen gehörten verschiedenen humanitären Organisationen an. Jetzt engagiert sie sich auch beim Wiederaufbau für Unterkünfte – sie sollen erdbebensicher werden.

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