Foto: sudanesische Frau vor einer provisorischen Behausung

Sudan: Gibt es Hoffnung im Darfur?

Am 25.05.2015 von Dietrich Fischer

Foto: sudanesische Frau vor einer provisorischen Behausung

Die vier Landcruiser mit der Flagge des Sudanesischen Roten Halbmondes (SRCS) schlingerten über die Sandpisten im Norden des Darfur. Wir DRK-ler aus dem Generalsekretariat in Berlin und der Landesvertretung in Khartoum befanden uns auf dem Weg von El Fasher, der Hauptstadt des Nord-Darfur, nach Mellit, unserem Projektgebiet am Rande der Wüste. Die Luft flirrte bei den 42°C, die hier herrschten, und nur der Fahrtwind brachte etwas Kühlung, denn die Klimaanlage der Fahrzeuge funktionierte schon lange nicht mehr.

Foto: Eine Gruppe von Rotkreuz- und Rothalbmondmitarbeitern
Aufbruch von El Fasher nach Mellit mit den Flaggen des Halbmondes als Kennzeichen.

Barakat, der umsichtige Leiter des SRCS im Nord-Darfur, erklärte uns, dass solche Schrottlauben Bestandteil des Sicherheitssystems sind, da die Banditen in der Region es nur auf neue Fahrzeuge abgesehen hätten.

Wasser, Ernährung, Gesundheit: DRK-Hilfe im Konfliktgebiet

Unser Ziel Mellit ist eine alte Karawanenstadt, der Ausgangspunkt der sogenannten „30-Tage-Route“, solange dauert es, um mit einer Kamelkarawane nach Ägypten zu reisen. Gegenwärtig aber liegt die Stadt mitten im Konfliktgebiet des Darfur, wo sich unterschiedliche militärische Gruppierungen bekämpfen. Hinzu kommen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Stämmen, die um die kargen Ressourcen konkurrieren, die dieser Landstrich hergibt. Die Leidtragenden sind die ansässige Bevölkerung, die versucht, ihren Lebensunterhalt zu bewältigen.

DRK und Roter Halbmond im Gespräch mit dem Dorfkomitee
DRK und Roter Halbmond im Gespräch mit dem Dorfkomitee. Foto: DRK

Seit mehr als fünf Jahren arbeitet das Deutsche Rote Kreuz gemeinsam mit dem Sudanesischen Roten Halbmond in 12 Dörfern rund um Mellit. Nach eingehenden Gesprächen mit unserer Schwestergesellschaft und den Dorfkomitees war beschlossen worden, das Basisgesundheitswesen, die Ernährungssituation und die Wasserversorgung in den Dörfern zu verbessern. Jetzt wollten wir uns ein weiteres Mal überzeugen, wie der Entwicklungsstand der Projekte ist und welchen Bedarf es auch in Zukunft gibt.

Wasserspeicher und neue Latrinen für die Schule in Hilat Hamed

Unser erster Haltepunkt ist Hilat Hamed, ein Dorf mit 5.000 Einwohnern. Hier wurde eine Schule mit neuen Latrinen ausgerüstet und ein Wasserreservoir gebaut. Die Dorfbewohner haben bei den Bauarbeiten mitgeholfen, indem sie die Schachtarbeiten für die Fundamente ausgeführt und einfache Baumaterialien wie Sand und Kies herangeschafft haben.

Foto: Schultoiletten in Hilat Hamed
Schultoiletten in Hilat Hamed.

500 Freiwillige informieren über Hygiene und Wassernutzung

Sowohl für Schüler als auch für Lehrer wurden Hygienetrainings angeboten. In den Dörfern wurden insgesamt etwa 500 Freiwillige des SRCS gewonnen, die in den Haushalten regelmäßige Sensibilisierungskampagnen in den Bereichen Wassernutzung und Hygiene durchführen.

Im Gespräch mit Schülern und Lehrern
Im Gespräch mit Schülern und Lehrern.

Azizza, die Rothalbmond-Hygienetrainerin, erzählt mir, wie schwierig es am Anfang war, die Jugendlichen zu hygienischem Verhalten zu erziehen. Insbesondere die Jungen hatten Probleme, sich an die Toilettenbenutzung zu gewöhnen, da sie lieber ihr „Geschäft“ im Stehen erledigten. Dieser Luxus zeigte aber doch Wirkung, denn jetzt überzeugen sogar die Schulkinder ihre Eltern, in jedem Haushalt eine Toilette zu bauen.

Im Gespräch mit Azizza, der Hygienetrainerin des Sudanesischen Roten Halbmondes
Daina Hues vom Generalsekretariat im Gespräch mit Azizza, der Hygienetrainerin des Sudanesischen Roten Halbmondes.

Weniger Kranke durch die Gesundheitsstation in Kindro

Beim nächsten Halt im Dorf Kindro trafen wir als erstes das Gesundheits-Dorfkomitee, das uns stolz ihre Basisgesundheitsstation zeigte. In den fünf Jahren, seit die Station arbeitet, hat sich der Krankenstand erheblich reduziert. Dies ist insbesondere auf die medizinischen Konsultationen und Vorsorgeuntersuchungen in den Gesundheitsstationen und die Versorgung von Schwangeren und Müttern mit Kindern zurückzuführen. Die verbesserte Wasser- und Sanitärversorgung im Projektgebiet hatte ebenfalls schon positive Auswirkungen auf die Gesundheitssituation der Bevölkerung.

Unter dem Blätterdach der Schirmakazie sitzen viele Frauen mit Kleinkindern, die entweder auf einen Termin in der Gesundheitsstation warten oder die gekommen sind, um für ihre unterernährten Kinder „plumpy nut“, ein Hochprotein-Produkt aus Erdnussbutter, Milchpulver, Öl und Zucker abzuholen, um diese wieder aufzupäppeln. Dabei werden sie von der Ernährungsspezialistin beraten, die auch den Ernährungsstatus der Kinder in einer Akte festhält, um beim nächsten Besuch zu überprüfen, wie sich das Kind entwickelt hat.

Die Schulung der Freiwilligen stärkt den Roten Halbmond vor Ort

Die Ausbildung von Freiwilligen des Roten Halbmonds und das regelmäßige Training der Dorfbewohner sind Grundsteine der Projekte, die zwar vor allem die Lebensbedingungen der vom Konflikt betroffenen Bevölkerung verbessern, aber möglichst auch nachhaltige Wirkung erzielen sollen.

Stolzer Brunnenbau-Experte
Mohamed zeigt seine Urkunde Dr_ Fischer, dem DRK-Büroleiter in Khartoum, als Befähigungsnachweis zur Reparatur von Brunnen.

Stolz zeigen uns einige Dorfbewohner ihre Urkunden, die sie nach ihrem Training zur Wartung und Reparatur der Brunnen berechtigen. Das verschafft ihnen hohes Ansehen in der Dorfgemeinschaft, denn sauberes Wasser ist ein überlebenswichtiges Gut in dieser Region. Insgesamt 40 Freiwillige wurden so für die 12 Dörfer ausgebildet und haben bereits Weiterbildungskurse absolviert, um ihre Kenntnisse aufzufrischen und neue Techniken zu erwerben.

Die Fortschritte motivieren die Menschen

Die Mitglieder der Dorfkomitees sind äußerst motiviert und denken schon darüber nach, welche weiteren Schritte sie zukünftig gehen wollen. Sie sehen die Fortschritte und wollen selber aktiv sein. Selbstverständlich können ihre Lebensbedingungen aber nur dann dauerhaft verbessert werden, wenn endlich Frieden im Darfur herrscht.

Als wir zurück in El Fasher waren und in das UN-Flugzeug des Welternährungsprogramms einstiegen, waren wir überzeugt, dass die Mittel der Europäischen Union, der Bundesregierung und des DRK sinnvoll und effizient eingesetzt sind. Es lohnt sich, weiterhin in diesen Projekten im Darfur zu arbeiten, um der von Armut und Konflikt betroffenen Bevölkerung ein lebenswertes Dasein zu ermöglichen. Sie sind der Garant dafür, dass eine friedliche Entwicklung möglich ist.

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Liebe Leserinnen und Leser, die Arbeit des DRK im Sudan geht weiter: Hier finden Sie die aktuellen Projekte:

Sudan: Trinkwasser und Hygiene im Nord-Darfur
Sudan: Gesundheitsversorgung und Ernährungssicherung

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Fotos: Fredrik Barkenhammar/ DRK, DRK

Geschrieben von:

Dietrich Fischer

Dietrich Fischer ist ehemaliger DRK-Delegationsleiter im Sudan.

1 Kommentar zu “Sudan: Gibt es Hoffnung im Darfur?

  1. Lieber Dietrich,
    toll, dass du dich noch immer so für den Sudan und speziell Darfur einsetzt. Denke noch oft an unsere Reise 2006 und die beeindruckenden Menschen, die wir in den Nuba-Mountains getroffen haben.

    Viele Grüße
    Iris

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