Foto: eine Girlande mit Weihnachtskugeln am Eingang zur Gesundheitsstation in Nea Kavala

Griechenland: Weihnachten in Kilkis

Am 05.01.2017 von Dr. Martin Steinert

Foto: Weihnachtskugeln an der Basisgesundheitsstation des DRK und des Finnischen Roten Kreuzes in Nea Kavala.

22. Dezember 2016: Ich bin vorgestern gut angekommen in Kilkis im Norden von Griechenland. Gestern war Einführung im Büro im Hotel, mit Blick auf dicke Aktenordner, sechs Laptops und dutzende Telefone. Heute war ich dann mit dem Teamchef Petti und der jungen finnischen Ärztin Lotta in den Lagern Kordelio und Nea Kavala, um erste Eindrücke zu sammeln.

Viele nette Kollegen im Dienst der Gesundheit von Flüchtlingen

Foto: Weihanchtsbaum im DRK-Zelt
Von Flüchtlingen errichtet: der Weihnachtsbaum in Nea Kavala.

Dabei habe ich in viele nette Gesichter gesehen: Es sind Hebammen, Pflegekräfte, Freiwillige, Wassertechniker, Psychologen, Kinderärzte und Sozialarbeiter aus vielen Ländern angereist.

Aktuell sind ein Krankenpfleger, ein Übersetzer und ich als Allgemeinarzt aus Deutschland für das deutsch-finnische Team tätig. Am Mittwoch war meine erste Teambesprechung. Die Impfprogramme in den Camps waren erfolgreich, so konnte der Ausbruch einer Gelbsuchtepidemie (Hepatitis A) durch rechtzeitiges Impfen verhindert werden. Von griechischer Seite gibt es mehrere Krankenschwestern, eine Verwaltungskraft, eine Kinderärztin und einen Allgemeinmediziner im Team. Einer davon wird mich morgen in die medizinische Dokumentation einführen.

Container statt Zelte – die Lager werden winterfest gemacht

Das Lager in Cherso wurde mittlerweile geschlossen. Die Gesundheitsstationen in Nea Kavala und auch Kordelio haben letzte Woche alle Container bekommen, und die internationalen Teams sind gerade dabei, die winterfesten dichten Container mit Strom und Heizung zu versorgen. Alle Gesundheitsstationen haben also jetzt beheizbare Patientenräume – teils mit 3 bis 5 neuen kleinen Behausungen bestückt.

Foto: Eine geflüchtete Frau mit ihren Kindern in Gespräch mit einer Rotkreuzherlferin
Die Behandlungsräume der Gesundheitsstation des DRK und des Finnischen Roten Kreuzes sind in Container umgezogen.

Viele Zelte gibt es in den Flüchtlingslagern auch nicht mehr. Sie wurden seit dem Herbst gegen feste Container ausgetauscht. Dort wohnen dann etwa sechs Personen auf acht Quadratmetern. Eine dort lebende Familie aus Kurdistan haben wir heute besucht. Die Mutter hatte eine schwere Bronchitis und eine Depression sowie Magenbeschwerden. Wir haben den Fall mit unserer neuen griechischen Kinderärztin Kiki besprochen. Alle schlafen auf dem Fußboden – aber eine Heizmöglichkeit mit Strom ist nun vorhanden. Das ist auch sehr nötig, denn draußen wird es sehr kalt, teilweise um 2 Grad minus nach Sonnenuntergang – tags etwa bei 8 bis 10 Grad – falls die Sonne wie heute scheint.

Waschen geht nur in speziellen Badecontainern. Blaue Plumpsklos und Stacheldraht zieren die Umzäunung. Die Wäsche hängt über dem Stacheldrahtzaun.

Alltag und Vorbereitungen auf Weihnachten

Foto: eine Girlande mit Kugeln als Dekoration zu Weihnachten im Flüchtlingscamp
Weihnachtsdekoration im Camp

Was gab es vor Weihnachten besonderes? Die finnischen Kollegen sind dabei, ein finnisches Weihnachtsessen vorzubereiten. Töpfe und Apfelsinen stapeln sich zwischen den Dienstcomputern.

Das Lager in Kordelio macht auf mich immer noch einen sehr traurigen Eindruck mit seinen Zelten in einer grauen Fabrikhalle. Ich bin mit unserem Übersetzer hinein gegangen und war erstaunt, dass es hier kleine Läden gab. Am letzten Stand hat ein kleiner kurdischer Junge Brot für uns gebacken, mit Kichererbsen und Kartoffeln, für 2.50 Euro sehr schmackhaft und mein heutiges Mittagessen.

Die Hilfe geht ohne Unterbrechung über die Feiertage weiter

Um die durchgehende Versorgung sicher zu stellen, bin ich gerade jetzt für das DRK hier. Akute Fälle wie der des sechsjährigen Kindes mit schlimmer Rhinitis und trockenem Husten, das gerade in der Klinik von unserem griechischen Allgemeinarzt mit Antibiotika und Fiebermitteln versorgt wurde, hätten ansonsten keine medizinische Versorgung.

Foto: Finnische Rotkreuzhelferin behandelt das Bein eines Flüchtlingskindes.n in der Gesundheitsstation des Roten Kreuzes in Nea Kavala.
Eine finnische Kollegin behandelt den Fuß eines Jungen.

Der Teamleiter aus Finnland hat unsere Schichten über die Feiertage gerade für alle Mitarbeiter eingeteilt. Einzelne freie Tage sind zu unserer Freude trotz allem für jeden geplant. Wir versuchen das beste aus der freien Zeit hier zu machen, wenngleich man in der kleinen Neubaustadt Kilkis nicht so viel unternehmen kann. Das Wichtigste für uns ist aber, dass die Flüchtlinge ohne Unterbrechung auch über die Feiertage versorgt sind.

Herzliche Grüße aus Kilkis!

» Erfahren Sie mehr über die Flüchtlingshilfe des DRK in Griechenland!

» Lesen Sie auch den nächsten Blogbeitrag aus Kilkis: Griechenland: Neujahr, Sturm und Schnee im Flüchtlingscamp

Fotos: Dr. Martin Steinert/ DRK, Rose Ansorge/ DRK, Socrates Baltagiannis/ IFRC, DRK

Geschrieben von:

Dr. Martin Steinert

Dr. Martin Steinert ist DRK-Mitarbeiter in Kilkis, Griechenland. Als Allgemeinarzt arbeitet er normalerweise als Landarzt in Köden bei Wittenberg. Zu Weihnachten jedoch hilft er als DRK-Mitarbeiter im Flüchtlingscamp des Hellenischen Roten Kreuzes.

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