Haiti: Vom Erdbebenopfer zur Lehrerin für Katastrophenvorbereitung

Am 31.05.2012

Von Catalina Jaime, DRK-Delegierte in Haiti

Yvonne ist 26 Jahre alt und Feldassistentin im DRK-Katastrophenvorsorge-Projekt hier in Haiti. Mir ist noch nie jemand wie sie begegnet. Sie ist ein einzigartiges Beispiel für Belastbarkeit, Engagement und Leidenschaft. In den vergangenen zwei Jahren habe ich so viele Leute in Haiti getroffen, aber sie überrascht mich jeden Tag aufs Neue mit ihrer aktiven und optimistischen Haltung. Sie ist eine unermüdliche Kämpferin.

Yvonne ist ohne beide Elternteile aufgewachsen, alleinerziehende Mutter, besitzt nur eine Grundbildung, hat keinerlei Berufserfahrung – nach unserem Verständnis ist sie eine sehr verletzbare Person. Während des Erdbebens war sie drei Tage lang in ihrem Haus gefangen, körperlich verletzt. Doch das hielt sie nicht auf, ihren Nachbarn zu helfen, Obdach, Nahrung und Wasser zu finden. „Jeder kennt sie in Leogane seitdem“. Yvonnes 8-jährige Tochter musste während des Erdbebens ansehen, wie Teile des einstürzenden Schuldachs ihre Freundin zerquetschten.

„Mein Leben hat sich nach diesem schrecklichen Erlebnis vollkommen gewandelt“, sagt Yvonne. Denn trotz allem, was sie erleiden musste, trotz ihres zerstörten Hauses, ihrer traumatisierten Tochter und ihren eigenen Verletzungen, war sie stark genug, darüber hinwegzukommen. Sie begann, sich ehrenamtlich bei einigen religiösen Organisationen zu engagieren und machte so einen tollen Job, dass man sie dem DRK als freiwillige Helferin für ein Projekt vorschlug.

Als ich mit ihr im Katastrophenvorsorge-Projekt zu arbeiten begann, war sie schüchtern. Aber sie fragte immer nach, sie wollte lernen. Nach ihrer ersten Ausbildung in Erster Hilfe und Katastrophenvorsorge zeigte sich ihre unglaubliche Fähigkeit, ihr Wissen zu vermitteln. Bei Aktionen zur Sensibilisierung der Bevölkerung ist sie diejenige, die das Mikrofon nimmt und die Kernbotschaften über sicheres Verhalten im Notfall erklärt. Sie besitzt die Fähigkeit, so ein Katastrophenvorsorge-Training besonders wirksam zu leiten. Sie war so gut, dass sie in wenigen Monaten zu einer hauptamtlichen Assistentin des Projektes befördert wurde.

Heute ist sie eine der verantwortlichen Mitarbeiterinnen und erläutert Schülern, was Katastrophenvorsorge ist. Immer wenn ich sie im Projekt besuche, sehe ich welchen Einfluss ihre Arbeit hat. Sie ist einfach großartig darin, ihr Wissen und ihre persönlichen Erfahrungen an die Schüler weiterzugeben. Sie hat einen Weg gefunden, jedem Kind klar zu machen, wie wichtig es ist, auf alle möglichen Gefahren vorbereitet zu sein, um sich ihnen stellen zu können.

Mit einem Spiel des Haitianischen Roten Kreuzes und ihrer intelligenten Art, auf die Schulkinder einzuwirken, können wir sicherstellen, dass jede Familie ausreichend Wissen darüber erhält, wie sie sich im Fall der Gefahr verhalten kann, und was zu tun ist, um die Gefahr abzuwenden.

3 Kommentare zu “Haiti: Vom Erdbebenopfer zur Lehrerin für Katastrophenvorbereitung

  1. Mein Mann und ich haben eine Organisation für benachteiligte Kinder und Jugendliche in Haiti gegründet. Zurzeit arbeiten wir mit jungen Frauen in Port-au-Prince. In unserem Trainingscenter bieten wir verschiedene Kurse und Trainingseinheiten an. Ein Kurs in Katastrophenvorsorge und erster Hilfe fehlt uns noch. Kann das DRK in Haiti uns da weiterhelfen?
    LG Edith Gerlach-Cesaire

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