Foto: Portrait eines Mädchens in Azraq, Jordanien.

„Ich will Dir Arabisch beibringen“ – Laticia lebt im Flüchtlingslager Azraq

Am 26.05.2015 von René Schulthoff

Foto: BLick auf die Hütten des Flüchtlingslagers Azraq in Jordanien.

Es ist brütend heiß in der jordanischen Wüste, an diesem Tag über 45 Grad – Azraq liegt 70 Kilometer östlich der jordanischen Hauptstadt Amman. Hier steht das zweitgrößte Flüchtlingslager der Welt. Gebaut für Menschen aus Syrien, die vor der Gewalt in ihrem Land geflohen sind. In Jordanien halten sich fast 700.000 syrische Flüchtlinge auf.

Foto: Portrait des syrischen Flüchtlingsmädchens Laticia in Azraq.
Laticia aus Syrien ist neun Jahre alt.

Ich bin mit zwei Fotografen aus Deutschland zu Fuß im Flüchtlingslager unterwegs. Überall laufen Kinder herum. Etwa die Hälfte der Lagerbewohner sind Kinder. Wir sprechen mit vielen Familien und hören uns ihre Geschichten an. Wie es war, als sie aus Syrien fliehen mussten. Wie sie nun hier zurechtkommen. Die Flüchtlinge leben in Metallhütten. Es gibt keinen Strom, und Wasser bekommt man nur an zentralen Orten im Lager.

Ein Treffen mit Mousa und Laticia in ihrer Hütte in Azraq

Mousa ist 46 Jahre. Er lädt uns in seine Hütte auf einen Kaffee ein. In Syrien hat er eine Schule geleitet. Hier im Flüchtlingslager arbeitet er nun für eine Hilfsorganisation und gibt syrischen Kindern Unterricht. Eine aufgehängte Decke ist eine Art Eingangstür zu seiner Wellblechhütte. Mousa hat vier Töchter. Die neunjährige Laticia spricht ein bisschen Englisch und fragt mich beim Eintreten nach meinem Namen. Ich frage sie, wie alt sie ist: neun Jahre. Meine Tochter ist zehn.

Foto: zwei syrische Kinder mit Hilfsgütern vom DRK
In Jordanien hat das DRK syrischen Flüchtlingen u.a. Hilfsgüter zur Verfüfung gestellt und ein Krankenhaus im Flüchtlingslager Azraq aufgebaut.

Laticia hat viele Freunde in den umliegenden Hütten im Flüchtlingslager. Und wie so viele andere hier wünscht sie sich, wieder nach Syrien zurückkehren zu können, wieder regelmäßig in die Schule gehen zu können, dort mit Freunden zu spielen und sich sicher zu fühlen.

Laticia aus Syrien mit DRK-Mitarbeiter René Koch. Foto: Silas Koch
Laticia aus Syrien mit DRK-Mitarbeiter René Schulthoff.

„Darf ich dir ein Lied singen?“

„Ich will Dir Arabisch beibringen,“ sagt Laticia voller Überzeugung zu mir, als wir nach einer viertel Stunde wieder gehen. Und dann fragt sie noch, ob sie mir ein Lied singen darf. Das habe sie in der Schule gelernt. Natürlich. Alle sind gerührt und klatschen Beifall. Sie bleibt mir in Erinnerung, die kleine Laticia aus dem Flüchtlingslager in Azraq.

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Fotos: Benoit Matsha-Carpentier/ IFRC, Silas Koch/ DRK, Ibrahim Malla/ IFRC

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Foto: DRK-Miartbeiter im Portrait. René Schulthoff
Um aus den Projekten zu berichten, war René Schulthoff für das Deutsche Rote Kreuz bereits in Syrien, Griechenland, Jordanien und Nepal, aber auch im Nordirak und Jemen.

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