Immer mehr Syrer flüchten in die Nachbarländer

Am 19.02.2013

Maike Krüger, Delegierte des DRK, war in einem türkischen Auffanglager für syrische Flüchtlinge und hat sich ein Bild von der Lage gemacht. Ihre Eindrücke fasst sie in beeindruckenden und erschreckenden Zahlen zusammen, hinter denen sich das Schicksal vieler Menschen verbirgt.

Mittlerweile fast zwei Jahre nach dem sozialpolitischen Phänomen „Arabischer Frühling“ ist die Situation in Syrien unverändert stark eskaliert und eine humanitäre Katastrophe die Folge. Mehr als 60.000 Menschen wurden seit Beginn des Konflikts durch Waffengewalt getötet, Zehntausende weitere verwundet. 4 Millionen Menschen innerhalb von Syrien sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen, einschließlich 400.000 palästinensischen Flüchtlingen. Über 750.000 Syrier sind mittlerweile in den Nachbarländern als Flüchtlinge registriert – zum größten Teil in der Türkei, Jordanien und im Libanon aber zunehmend auch in Ägypten, dem Irak und Nordafrika. Alleine in den vergangenen acht Wochen flüchteten über 250.000 Menschen über die Grenzen.

Flüchtlingslager in der Türkei

Schätzungen gehen davon aus, dass bis Mitte des Jahres etwa 1,1 Millionen Syrier in den Nachbarländern auf humanitäre Hilfe angewiesen sein werden – das würde bedeuten, dass 5% der Gesamtbevölkerung dann zum Teil schon seit bis zu zwei Jahren außerhalb der eigenen Landesgrenzen in Flüchtlingscamps oder Gastfamilien leben.

In den vergangenen drei Monaten meines Einsatzes in der Region durfte ich Teil eines höchst engagierten DRK-Teams sein, das mit Standorten im Libanon, der Türkei und in Damaskus alles daran setzt, der notleidenden Bevölkerung Hilfe aus Deutschland zukommen zu lassen. In enger Zusammenarbeit mit allen betroffenen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz konnten wir so ein komplettes Flugzeug mit medizinischen Hilfsgütern direkt nach Damaskus bringen, Ambulanzen und medizinisches Equipment für die Versorgung syrischer Flüchtlinge im Libanon bereitstellen und Hilfsgüter in die Camps im Südosten der Türkei liefern.

Decken für syrische Flüchtlinge in der Türkei
Decken für syrische Flüchtlinge in der Türkei

Insbesondere in der Türkei ist die Situation besonders angespannt. Mittlerweile sind dort mehr als 160.000 Menschen in den 15 Camps registriert. Etwa 70.000 weitere leben in Gastfamilien. Bis zu 40.000 Syrier warten an der Grenze auf Registrierung und Aufnahme in eines der 14 Camps. Die Kapazitäten der Camps sind längst erschöpft. Drei weitere stehen kurz vor der Eröffnung, zwei zusätzliche sind in Planung.

Es ist kaum möglich, dem stetigen Zustrom von Hilfe suchenden Menschen gerecht zu werden. Die Versorgung dieser großen Anzahl an Flüchtlingen stellt alle Beteiligten vor eine große logistische, administrative und vor allem finanzielle Herausforderung. Fast die Hälfte der Campbewohner ist unter 18 Jahre alt und die harschen Witterungsverhältnisse mit Temperaturen von bis zu -10 Grad verschlimmern die Situation zusätzlich.

Mit unserer Schwester-Gesellschaft vor Ort, dem Türkischen Roten Halbmond, hat das DRK alleine in den Monaten November bis Januar Hilfsgüter in die Camps geliefert, mit dem etwa 17.500 Personen mit je zwei Decken zum Schutz gegen die Kälte ausgestattet werden können. 2.500 Familien haben Kochgeschirr erhalten. Die ausgegebenen Hygiene-Kits enthalten Sanitärprodukte, die den Bedarf von 55.000 Menschen für einen Monat decken. Dank der gelieferten Heizgeräte können auch die Zelte benutzt werden, die als Schule, Krankenstation oder Gemeinschaftsraum dienen.

Trotz dieser großzügigen Spenden aus Deutschland fühlt es sich aber immer noch an wie ein Tropfen auf dem heißen Stein – angesichts des nicht abreißenden Zustroms von Flüchtlingen. Je länger der Konflikt andauert, desto schwieriger wird es für die betroffenen Personen, insbesondere die Kinder, diesen Zustand zu ertragen. Niemand wird freiwillig ein Flüchtling und diese Menschen haben alles zurückgelassen, was sie besitzen. Das seelische und körperliche Leid ist groß und sie sind auf unsere Unterstützung und unser Mitgefühl angewiesen.

Ihre Spende für die Flüchtlinge in und außerhalb Syriens

Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei allen Menschen in Deutschland bedanken, die durch Ihre persönliche, finanzielle oder moralische Unterstützung dazu beitragen, dass meine Kollegen und ich vor Ort den Menschen in die Augen blicken können in dem Bewusstsein, wenigstens ein wenig zur Verbesserung der Lage beitragen zu können.

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