Foto: Jemenitischer Junge an Wasserausgabestelle

Jemen: Hilfe inmitten der größten humanitären Krise der Welt

Am 07.06.2018 von Oana Bara

Foto: Jeminitischer Junge an Wasserausgabestelle

Mit über 22 Millionen Menschen, die auf humanitäre Unterstützung angewiesen sind, herrscht im Jemen derzeit die grösste humanitäre Katastrophe der Welt. Anhaltende Kampfhandlungen, eine Wirtschaftskrise und ein fast vollständig zusammengebrochenes Gesundheitssystem stellen die Bevölkerung vor unglaubliche Herausforderungen.

Foto: Jemenitische Jugendliche lesen Aufklärungsbroschüren
Taiz: Um Cholera vorzubeugen, führen Freiwillige Aufklärungskampagnen rund um die gefährliche Infektionskrankheit durch.

Der Ausbruch von vermeidbaren Krankheiten, wie beispielsweise Cholera, ist nur eine der Auswirkungen der anhaltenden Kampfhandlungen der letzten drei Jahre. Auch die weiterhin vorherrschende Hungerkrise und die akute Mangelernährung belasten weite Teile der jemenitischen Bevölkerung. Zudem begünstigen schlechte hygienische Bedingungen die Ansteckung mit normalerweise leicht behandelbaren Krankheiten wie Durchfall. Allgemein ist der Gesundheitssektor nicht in der Lage, auf die vielseitig steigende Nachfrage zu reagieren, da nur noch knapp 45 Prozent der Gesundheitseinrichtungen funktionsfähig sind. Aus Mangel an Personal, Diesel für die Strom- und Wasserversorgung, Medikamenten und anderen medizinischen Verbrauchsgegenständen ist der Betrieb stark eingeschränkt.

Um dem Jemenitischen Roten Halbmond (JRH) in verschiedenen Bereichen Hilfestellung für die betroffene Bevölkerung bieten zu können, unterstützt das Deutsche Rote Kreuz seit zehn Jahren seine Schwestergesellschaft im Jemen. Dabei helfen wir dem JRH in der Aufrechterhaltung und dem Betrieb von Gesundheitseinrichtungen unter anderem durch Beschaffung von Medikamenten, medizinischen Verbrauchsgütern und Geräten. Außerdem wird die Trinkwasserversorgung sowie die Verteilung von anderen Hilfsgütern unterstützt. Auch helfen wir mangelernährten Kindern sowie werdenden Müttern und fördern Aufklärungskampagnen zu Hygiene und Krankheitsprävention.

Verteilung von Hilfsgütern

Foto: Jemenitischer Junge lehnt sich auf eine Kiste mit Hilfsgütern

Die Verteilung von Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern ist dringend notwendig für die jemenitische Bevölkerung, die kaum mehr andere Möglichkeiten hat, selber für das Nötigste aufzukommen. Ein Nahrungsmittelpaket, welches einer sechsköpfigen Familie für drei Monate ausreicht, enthält unter anderem Öl, Linsen, Zucker, Reis, Tee, Weizen und Salz.

Foto: Platz mit aufgereihten Hilfsgütern und Menschen danebenBereits vor Beginn des Konflikts war der Jemen teilweise auf den Import von Nahrungsmitteln und medizinischen Gütern angewiesen. Mit der akuten Wirtschaftskrise und den andauernden Kampfhandlungen ist es umso dringender geworden, die Bevölkerung mit dem Nötigsten zu versorgen.

Unterstützung von Gesundheitseinrichtungen

Foto: Ärztliche Untersuchung einer Jemenitin
In der Hajjah-Klinik des Jemenitischen Roten Halbmonds fördert das DRK mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes (seit Dezember 2015) und des Britischen Roten Kreuzes vor allem Frauengesundheit.

Nur noch knapp 45 Prozent der Gesundheitseinrichtungen im ganzen Land sind funktionsfähig. Das DRK unterstützt den Jemenitischen Roten Halbmond deshalb bei der Stärkung der öffentlichen und eigenen Gesundheitsdienste. Einige Maßnahmen sind speziell auf Frauen und Kinder oder junge Mütter ausgerichtet – wie beispielsweise die Notfallgynäkologie und Geburtshilfe in Taiz und Hajjah.

Foto: Ärztliche Untersuchung eines jemenitischen Senioren
Eine Arztpraxis auf Rädern: die mobile Gesundheitsstaion in Maqbana, in der Region Taiz.

Seit Ende 2017 fährt die mobile Gesundheitsstation in Gebiete, wo sonst keine Gesundheitsversorgung existiert bzw. nicht zugänglich ist. Da sich viele Gemeinden in der Nähe von aktiven Frontlinien befinden, ist hier kein geregelter Betrieb einer permanenten Gesundheitseinrichtung möglich. Dies liegt an der erschwerten Zugangs- und Sicherheitssituation sowie der zerstörten Infrastruktur. Die mobile Gesundheitsstation besucht dabei die betroffenen Gemeinden abwechselnd und ermöglicht so eine Basisversorgung für die betroffene Bevölkerung. Monatlich werden rund 2.500 Menschen behandelt.

Dringend benötigte Medikamente

Foto: gestapelte Hilfsgüter im Jemen
Lebensnotwendige Lieferung: Cholera-Kits und Medikamente in Sanaa.

Die Zahl der Cholera-Fälle steigt weiterhin, dies aber wesentlich langsamer als noch im letzten Jahr. Die Epidemie bleibt somit eine der gravierendsten Gesundheitskrisen mit einer heutzutage und unter gesicherten Bedingungen eigentlich leicht vermeidbaren Krankheit. Seit April 2017 wurden insgesamt 1.055.788 Cholera-Fälle registriert. Auch wenn die Anzahl der Neuansteckungen leicht zurückgeht, bietet die bevorstehende Regenzeit Grund zur Sorge. Dazu sind eine momentan fehlende Abfallentsorgung sowie die mangelnde Versorgung mit sauberem Trinkwasser Faktoren, die einen erneuten Ausbruch stark begünstigen können.

Cholera-Aufklärung

Foto: Jeminitischer Familienvater neben seiner Familie liest Aufklärungsbroschüre
Unabdingbare Vorsorge: Cholera-Aufklärung, hier in Taiz.

Freiwillige des JRH führen im ganzen Land Cholera-Aufklärungskampagnen durch, die präventiv der weiteren Ansteckung mit Cholera entgegenwirken sollen. Die Sensibilierungskampagnen werden an verschiedenen Orten und auf verschiedene Arten und Weisen durchgeführt. Sie reichen von großen Veranstaltungen auf Marktplätzen oder Gemeinderäumen, in denen entsprechende Informationen teils über Megaphone an eine große Menge an Menschen übertragen werden, bis hin zu Tür-zu-Tür-Kampagnen, in denen Familien individuell in ihrem Zuhause informiert werden.

Chronische Krankheiten

Foto: Eine Jemenitiin bei der Dialyse mit Besuchergruppe
Besuch einer Dialysepatientin im Dhamar-Krankenhaus.

Menschen mit chronischen Krankheiten sind besonders betroffen von der fragilen Gesundheitssituation im Jemen. Das Gesundheitssystem kann dem Behandlungsbedarf nicht mehr gerecht werden. Tausende Menschen, die beispielsweise von regelmäßiger Dialyse abhängig sind, befinden sich in akuter Lebensgefahr, da es keine ausreichende Versorgung für Nierenerkrankte gibt.

Wasserversorgung

Foto: Jemeniten und ihre Wasserkanister an einer VersorgungsstelleDie staatliche Versorgung mit sauberem Wasser ist in fast allen Teilen des Landes zusammengebrochen, viele Wasseraufbereitungsanlagen und Leitungen wurden zerstört. In der Hauptstadt Sana’a, die rund 2,5 Millionen Einwohner fasst und in der mehrere hunderttausend Flüchtlinge leben, funktioniert die Trinkwasserversorgung nicht mehr. Der JRH sorgt mit Unterstützung des DRK dafür, dass Tanklaster mit Trinkwasser die Gemeinden und betroffenen Familien sowie intern Vertriebene versorgen.

Erfahren Sie mehr über die Hilfe des DRK im Jemen

» Nothilfe im Jemen

Fotos: Maria Korkunc/Norwegian Red Cross; DRK/YRCS

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Foto: Portrait einer DRK-Delegierten Oana Bara
Oana Bara ist Kommunikations-Delegierte des Deutschen Roten Kreuzes im Libanon. Sie koordiniert Presseanfragen rund um die Projektregion Nahost und berichtet in Text und Bild von der Arbeit des DRK in den verschiedenen Bereichen. Regelmäßig besucht sie vom Libanon aus Projekte und Hilfsempfänger des Roten Kreuzes in den Nachbarländern.

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