Jugendprojekt in Somaliland: Produktive Legehühner dank Chilischoten

Am 23.07.2013

von Karin Uckrow

Ein Jugendprojekt in Somaliland (nord-westlicher Teil von Somalia) ist nun offiziell zu Ende: In den letzten vier Jahren wurde der Somalische Rote Halbmond darin unterstützt, seine Kapazitäten zu stärken, um junge Menschen in Somaliland besser in die Jugendarbeit des Roten Halbmondes einzubinden und die Zivilgesellschaft zu stärken. Dabei wurden den Jugendlichen viele neue Bildungsprogramme und Freizeitmöglichkeiten angeboten.

Eines der größten Probleme in Somaliland ist das niedrige Bildungsniveau und die hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere unter jungen Menschen. Das Jugendprojekt umfasste verschiedene, meist niedrigschwellige Angebote, um den Jugendlichen einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Die Jugendlichen wurden dort abgeholt, wo sie standen. Damit ist gemeint, einige Jugendliche erhielten erst Kurse, um Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen zu erwerben bzw. zu erweitern.

Nach erfolgreicher Teilnahme konnten sie einen mehrwöchigen Kurs oder eine achtmonatige Ausbildung absolvieren. Jugendliche wurden zum Beispiel in Landwirtschaft, Geflügelzucht, Kosmetik, Handel, Friseurhandwerk, Schneiderhandwerk oder Gastronomie ausgebildet. Individuell – und damit auf die Bedürfnisse der Jugendlichen zugeschnitten – erhielten so über 5.000 Jugendliche praktische Ausbildungen und oder Schulungen.

Beratung und Ausbildung für Jugendliche in Somalia
Beratung und Ausbildung für Jugendliche in Somalia

Es ist sehr schwierig, ohne akademische Ausbildung einen Arbeitsplatz in Somaliland zu finden. Daher wollten wir durch die Schulungen und einem kleinen Startkapital die Jugendlichen auch ermutigen, eigene kleine Projekte zu initiieren, mit denen sie ihr Einkommen selbst sichern können. In den Trainings wurden die Grundbegriffe der Selbständigkeit erläutert: eigenes Risiko tragen, Marketing, Kundenservice und auch Grundlagen der Buchführung. Für die meisten Teilnehmer war es das erste Mal, dass sie diese Begriffe hörten. Jedoch war die Motivation, Neues zu lernen und Gelerntes anzuwenden sehr hoch. Es gab viele Geschäftsideen: eine Mobile Cafeteria, Schreibwaren und Kopierdienst im ländlichen Raum, Landwirtschaftliche Projekte, eine Schneiderei, ein Kosmetiksalon, der Bau einer öffentlichen Toilette, Bäckereien, Tischlereien und vieles mehr. Am Ende des Trainings arbeiteten die Jugendlichen einen einfachen Business Plan aus und erläuterten, was sie an Investitionen benötigen würden. Insgesamt konnten 55 Kleinprojekte durch uns gefördert werden.

Jugendliche im Workshop arbeiten am Geschäftsplan

Einer der Teilnehmer an den Workshops war Niman, 18 Jahre. Er hat mit einem Freund zusammen vor ca. sechs Monaten angefangen, Legehühner zu züchten. Sein Startkapital war ein ungenutztes Grundstück von einem Familienangehörigen und 20 Küken. Als wir von der Selbständigkeit hörten, wollten wir die beiden Jugendlichen gerne unterstützen, insbesondere da es nur sehr wenige landwirtschaftliche Betriebe in Somaliland gibt. Die Eier werden fast ausschließlich aus arabischen Ländern importiert. Als ich den Business Plan für die Erweiterung des Hühnerprojektes anschaute, staunte ich etwas über die erforderlichen Investitionen.

Erfolgreiches Modell: Hühnerzucht
Erfolgreiches Modell: Hühnerzucht

Neben Material für die Fertigung von Käfigen, Wasservorrichtungen und die Anschaffung von zusätzlichen Küken, benötigten sie einige Kilo an getrockneten Chilischoten. Ich fragte meinen Kollegen, was es damit auf sich habe. Er erklärte mir, dass Hühner mehr und bessere Eier legen würden, wenn sie Chili essen – es wird täglich ihrem Futter beigemischt! Ich schaute sehr verwundert und mein Kollege versicherte mir, Hühner mögen Chilis! Dann fragte er, nun war wiederum er etwas verwundert, ob wir in Deutschland unsere Hühner nicht mit Chili füttern würden? Nein, tun wir nicht, so viel ich weiß… antwortete ich.

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