Katastrophen-Serie in Indonesien: Unermüdlich im Einsatz

Am 25.01.2019 von DRK-Team

Das zweite Halbjahr des vergangenen Jahres war für die Menschen in Indonesien geprägt von einer Serie schwerer Katastrophen. Seither sind hunderte Helfer des Indonesischen Roten Kreuzes unermüdlich im Einsatz – mit Unterstützung der Internationalen Rotkreuz- und Halbmond-Bewegung, zu der auch das DRK gehört. Ein Fotobericht.

Rückblick: Erdbeben, Tsunamis und Überschwemmungen

Vier Erdbeben erschütterten am 29. Juli sowie 5., 9. und 18. August die Insel Lombok. Dabei kamen mehr als 510 Menschen ums Leben, mindestens 7.100 weitere wurden verletzt und mehr als 431.000 Menschen vertrieben.

Am 28. September erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,4 das indonesische Zentrum Sulawesi und löste unter anderem einen Tsunami sowie Schlammlawinen aus. Mehr als 2.000 Menschen starben. Tausende wurden obdachlos, als über 68.000 Häuser beschädigt oder gar zerstört wurden. Das DRK entsendete drei Hilfsflüge in das Katastrophengebiet mit insgesamt 42 Tonnen Hilfsgütern. An Bord der drei „Antonovs“ befanden sich unter anderem zwei Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen, 414 Zelte für obdachlose Familien sowie sechs große Spezialzelte, die etwa für den Aufbau von mobilen Krankenhäusern verwendet werden können.

Ein weiterer mächtiger Tsunami traf am 22. Dezember die Küsten Sumatras und Javas an der Sunda-Meerenge und tötete 437 Menschen, während auf dem Höhepunkt der Katastrophe 46.000 Menschen vertrieben wurden.

Wie das Rote Kreuz hilft

Foto: Drei indenoesische Schwestern vor Zelten
Petobo, Sulawesi: Nach dem Erdbeben am 28. September 2018 wurden mehr als 1.200 Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer mobilisiert, um diverse Aktivitäten zu unterstützen. Dazu gehört auch der Betrieb mehrerer Camps für vertriebene Familien. Auch in Petobo leben einige Familien, wie diese drei Schwestern Nur-Ain, Nurmin und Nuri (v. l. n. r.), in Lagern. Viele Familien bleiben vorerst im Lager Petobos. Nuri etwa hat an dem schicksalhaften Tag alles bis auf ihre Kleidung verloren.

Foto: Kinder spielen in einem indonesischem Camp
Petobo, Sulawesi: Auch der vierjährige Azam (links) lebt mit seiner Familie noch im Camp von Petobo. Ihr Zuhause: ein Familienzelt. Hier spielt er mit dem zweijährigen Dewi. Gemeinsam fangen sie wieder an zu lachen und fröhlich zu sein.

Foto: indonesische Rotkreuzhelferin spricht vor Kindern
Petobo, Sulawesi: Freiwillige Helfer des Roten Kreuzes wie Putri besuchen verschiedene Gemeinschaften, um dort mit Kindern zu spielen und sie vom harten Leben in den Lagern abzulenken. Putri ist in psychosozialer Hilfe ausgebildet.

Foto: Indonesische Rotkreuzhelferin im Gespräch mit einer Familie
Petobo, Sulawesi: Auch Mala ist ausgebildet, um psychosoziale Hilfe zu leisten. Sie besucht die Menschen, die durch die Katastrophe Verluste erlitten haben, spricht mit ihnen über ihre Sorgen und Nöte und spendet Trost. Diese Familie gehört zu den mehr als 8.600 Menschen auf Sulawesi, die das Rote Kreuz mit der psychosozialen Hilfe allein bis 5. Dezember erreicht hat.

Foto: Indonesische Rotkreuzhelfer mit Wasserbehehältern
Bangga village, Zentral-Sulawesi, Dezember 2018: Die Hilfe reicht von der Hilfsgüterverteilung bis hin zur Bereitstellung medizinischer Versorgung und sauberen Wassers. Um während der Regenzeit von November bis März den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern, stellen Helfer Hygieneartikel zur Verfügung. Allein bis 5. Dezember 2018 wurden mehr als 1.600 Hygiene-Kits verteilt.

Foto: Hygieneartikel, die in Indonesien verteilt werden
Bangga village, Zentral-Sulawesi: Zur Verteilung der Hygieneartikel gehört es, in den Camps zu erklären, um welche Artikel es sich handelt und wie man sie benutzt. Die Sets enthalten Artikel wie Wasserkanister, Handtücher, Seife, Wäscheseife, Sicherheits-Pfeifen, Taschenlampen, Eimer und Wasserreinigungstabletten sowie wiederverwendbare Monatshygieneartikel.

Foto: Helfer in Indenesien erklären die Nutzung eines Moskitonetzes
Tompe, Zentral- Sulawesi: Die Helfer des Indonesischen Roten Kreuzes fördern im Rahmen der Nothilfe die Gesundheitsfürsorge. Um während der Regenzeit von November bis März den Ausbruch von durch Insekten übertragenen Krankheiten zu verhindern, verteilen sie Moskitonetze. Denn in der Region Tompe in Donggala tritt Malaria auf. Vor der Verteilung – jede Familie erhält zwei Netze – zeigen die Freiwilligen den Familien, wie sie die Netze richtig aufhängen und benutzen.

Foto: Ein Camp in Indonesien
Palu, Zentral-Sulawesi: Das Hauptcamp für vertriebene Familien ist in Palu. Es beherbergt etwa 1.500 Menschen, die in Balaroa lebten – eine Gemeinde, die es durch die Katastrophe nicht mehr gibt. Die Gemeinde gehört inzwischen zur roten Zone und Familien dürfen ihre Häuser auf diesem instabilen Land nicht wieder aufbauen. Im Lager sorgt das Philippinische Rote Kreuz nicht nur für Unterkünfte, sondern unter anderem auch für Latrinen, sauberes Wasser und kinderfreundliche Orte.

Foto: Zwei indonesische Jungen spielen auf dem Boden
Allein bis 5. Dezember waren in Sulawesi 1.275 Helfer im Einsatz. Sie haben mehr als 33.800 Planen für Unterkünfte verteilt und dafür Sorge getragen, dass mehr als 6,4 Millionen Liter Wasser bereit gestellt wurden. Durch sie haben über 8.200 Menschen Gesundheitsdienstleistungen erhalten und es wurden fast 5.000 Notunterkünfte errichtet.

Foto: Eine Frau gibt zwei Mädchem Konderbücher
Nord-Lombok: Am 29. Juli 2018 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,4 Lombok – das erste einer Serie von Erdbeben und Nachbeben, die die Insel in den folgenden drei Wochen traf. Das Indonesische Rote Kreuz mobilisierte unmittelbar rund 1.000 Helfer – unter anderem für die Verteilung von Hilfsgütern, Gesundheitsfürsorge und psychosoziale Hilfe. Für Kinder umfasst die psychosoziale Hilfe Aktivitäten wie Spielen, Malen, Singen und Lesen.

Foto: Eine Frau in Indonesien trägt einen Wassereimer auf ihrem Kopf nach hause.
Gangga village, Nord-Lombok: Die Wasseraufbereitung und -verteilung ist ein Teil der Nothilfe. In Nord-Lombok erreicht das Indonesische Rote Kreuz damit 31 Dörfer, rund 1.000 Menschen. Martini (Foto) lebt mit ihrer Familie in einem der Dörfer, in Gangga. Sie ist sehr dankbar für das Wasser, denn es hilft ihr, gesund zu bleiben. Schließlich wurden durch das Erdbeben viele Wasserquellen beschädigt. Martinis 5-jährige Tochter Shinta Febriana wurde bei dem Erdbeben verschüttet, konnte aber aus den Trümmern herauskriechen. Zwei Wochen verbrachte die Familie in einem Zeltlager und rettete aus ihrem Zuhause, was sie konnte.

Foto: Indonesisches Mädchen in ihrer Notbehausung
Boyotan village, North-Lombok : Die 14-jährige Nissa Purnasari ist das jüngste von 10 Kindern in ihrer Familie. Ihr Haus wurde durch das Erdbeben zerstört. Ihr Vater – ein Bauer – hat Steine ihres Hauses gerettet, doch er weiß nicht, wann er finanziell in der Lage sein wird, das Haus wiederaufzubauen. Nun lebt die Familie in einer Notunterkunft und Nissa teilt sich ein Bett mit ihren Eltern. Auch Nissas Schule brach durch das Beben zusammen. Mehr als einen Monat nach der Katastrophe konnte der Unterricht in einer provisorischen Schule in Teilzeit wieder beginnen und sie hat wieder ihr Lieblingsfach Mathematik. Infolge des Erdbebens hat Nissa eine enge Freundin verloren, ihre seelischen Wunden bleiben sichtbar. Rotkreuzhelfer leisten psychosoziale Unterstützung, um ihr zu helfen, dass diese Wunden heilen. Nissa ist eine vom mehr als 17.200 Menschen auf Lombok, die diese Hilfe erhalten haben (Stand: Ende November 2018).

Foto: Indonesische Frau an ihrem Gemüsestand
Selengen village, Nord-Lombok: Ida Rahmayani betreibt einen Obststand, nur wenige Schritte von ihrem Haus entfernt, das bei den Erdbeben beschädigt wurde. Sie hat vom Roten Kreuz Planen, Decken, Lebensmittel, Spielzeug und Malbücher ebenso wie psychosoziale Unterstützung für sich und ihre zweijährige Tochter Shakila Fatin erhalten. Unmittelbar nach den Erdbeben, sagt Ida, habe ihre Tochter viel geweint und konnte sich nicht von ihren Eltern trennen. Wann immer sie laute Geräusche hörten, hatten sie Angst, die Erde würde wieder beben. Dank der Hilfe beginnen sie, sich wieder sicherer zu fühlen und emotional zu heilen. Ihre Tochter sei glücklicher und freundlicher und habe keine Angst mehr vor Fremden. Die Mutter sorgt sich jedoch aufgrund der Regenzeit: Ohne Moskitonetze oder eine feste Unterkunft steigt das Risiko für Malaria und Denguefieber.

Foto: Junger Mann in Indondesien vor offenem Holzgebäude
Im Dorf Sentul, Nord-Lombok, gibt es einen Jugendclub, dessen Ziel es ist, junge Menschen zusammenzubringen, um Ideen und Meinungen auszutauschen und ihnen berufliche Fähigkeiten zu vermitteln. Der Club zählt aktuell 76 Mitglieder im Alter zwischen 5 bis 30 Jahren. Nach dem Erdbeben, als viele Mitglieder unter seelischen Schmerzen litten, half das Indonesische Rote Kreuz ihnen, das Erlebte zu verarbeiten und zu überwinden. Die Helfer stellten rechtzeitig vor der Regenzeit Saatgut für Küchengärten bereit, gründeten einen Buchclub, halfen den Fischbestand in Fischteichen aufzustocken und unterstützten mit technischem Know-how. Fery Husein (28), Koordinator des Jugendclubs sagt, dass die Vereinsmitglieder so lernen, sich gut in die Gesellschaft einzufügen und gleichzeitig ihren Schmerz verarbeiten.

Foto: Modellhaus für den Wiederaufbau in Indonesien
Nord-Lombok: Auch beim Wiederaufbau ist das Rote Kreuz aktiv. So hilft es zum Beispiel mit Bargeldzahlungen bei der Reparatur und dem Neubau ihrer Häuser. Im Dorf Santong im Norden der Insel gibt es Modellhäuser für den Wiederaufbau.

Foto: Indonesische junge Frau mit ihrer Tochter
Im Rahmen der Nothilfe auf Lombok haben die Rotkreuz-Helfer allein bis Ende November 2018 dafür gesorgt, dass die Betroffenen mehr als 18,2 Millionen Liter Wasser erhalten, über 10.500 Planen verteilt wurden, rund 11.400 Personen Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen konnten und mehr als 7.600 Notunterkünfte gebaut wurden. Darüber hinaus wurden mehr als 2.700 Hygiene-Kits verteilt und rund 100 Toiletten errichtet.

Java: Nachdem eine Reihe von Tsunami-Wellen mit Höhen von 2 bis 5 Metern am 22. Dezember 2018 die Sunda-Meerenge, die das Java-Meer mit dem Indischen Ozean an der Südspitze von Sumatra verbindet, traf, war das Indonesische Rote Kreuz (PMI) sofort im Einsatz – mit Such- und Bergungsmaßnahmen sowie Nothilfe.

Foto: Helfer auf Java bei einer Hilfsgüterverteilung
Java: Die Provinz Banten ist eines der am schlimmsten betroffenen Gebiete. Der Tsunami traf den größten Teil der Westküste, einschließlich der beliebten Küstenregion von Pandeglang während der Hochsaison. Beschädigte Straßen, Trümmer und lokale Überschwemmungen durch anhaltende Regenfälle erschwerten den Zugang zu den Gemeinden. In den betroffenen Regionen verteilen die Helfer des Indonesischen Roten Kreuzes Hilfsgüter an bedürftige Menschen.

Foto: Sanitäter des Indonesischen Roten Kreuzes
Provinz Banten, Java: Menschen, die vom Tsunami am 22. Dezember 2018 oder den anschließenden Überschwemmungen betroffen sind, suchen in dieser Schule Schutz. Nano Sukma, Rettungssanitäter des Indonesische Roten Kreuzes, hilft.

Foto: Zwei Männer in Indenesien übergeben sich Hilfsgüter
Schon in den ersten Tagen nach der Katastrophe (bis 27. Dezember 2018) waren mehr als 570 Helfer des Indonesischen Roten Kreuzes in den betroffenen Regionen rund um die Sunda-Meerenge im Einsatz. Sie versorgten mehr als 4.250 Menschen mithilfe einer Feldküche und stellten 34.000 Liter Wasser bereit. Zudem verteilten sie in dieser Zeit fast 400 Decken, über 150 Zeltplanen sowie 140 Schaufeln und Hacken.

» Erhalten Sie hier weitere Informationen zur DRK-Hilfe auf Sulawesi.
» Weitere Informationen über das Erdbeben auf Lombok erhalten Sie hier.
» Infomieren Sie sich hier über den Tsunami an der Sunda-Meerenge.

Fotos: IFRC/Palang Merah, Kathleen Prior/IFRC, IFRC

Geschrieben von:

DRK-Team
Als DRK-Team stellen unter anderem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Online-Redaktion des Deutschen Roten Kreuzes Persönlichkeiten oder Schicksale vor und führen Interviews.

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