Kaum Schutz vor Kälte, Regen und Schnee: Syrische Flüchtlinge fürchten den Winter

Am 28.10.2014

Von Tommaso Della Longa (IFRC) / Übersetzung von René Schulthoff (DRK)

Eine ganze Familie in einem einzigen Raum. Zwischen fünf und acht Menschen in einer einfachen Behausung aus Brettern und Plastik. Sie sind untergebracht irgendwo inmitten von landwirtschaftlichen Gebieten oder, noch schlimmer, irgendwo oben in den Bergen. So sieht die Situation für tausende syrischer Flüchtlinge im Libanon aus, die vor der Gewalt in ihrem eigenen Land geflohen sind.

Zelt syrischer Flüchtlinge
Einfachste Unterkunft in den Bergen für syrische Flüchtlinge. Foto: Tommaso Della Longa (IFRC)

Während die Nächte im Libanon kälter und die Tage kürzer werden, und der Winter auch hier langsam Einzug hält, sind die Flüchtlinge verzweifelt bemüht, ihre traurigen Geschichten der Welt zu erzählen, damit wir ihre Notlage verstehen. „Das ist der dritte Winter für mich im Libanon“, sagt Khalil. Er lebt mit seiner Familie in Ketermaya im Chouf-Gebirge. „Manchmal finde ich kleine Jobs, aber die meiste Zeit des Jahres bin ich arbeitslos. Ich laufe so herum und denke über mein Leben nach und über das, was meiner Familie passiert ist. Ich suche eine Lösung, wie ich das Wasser stoppen kann, dass jeden Tag in unsere Baracke tröpfelt.“

Er sagt, dass der Winter starken Regen und starken Wind bringen wird, und dass Schlamm und Wasser in seine kleine einfache Bretterhütte mit Plastikplane eindringen werden. „Ich wohne hier mit meiner Frau und unseren sechs Kindern. Wenn der Regen für die Bauern nicht so wichtig wäre, würde ich beten, dass es dieses Jahr keinen Regen und keinen Schnee gibt. Ich muss mir etwas einfallen lassen, wie ich die Kinder vor der Kälte schützen kann“, sagt er.

Kleiner Junge im Matsch
Im Winter gibt es in den Camps nur Matsch und keinen Platz für die Kinder zum Spielen. Foto: René Schulthoff (DRK)

Mehr als 50 Familien leben in Ketermaya, und nicht nur Khalil hat im Winter solche Erfahrungen gemacht. Rana, die mit ihren vier Kindern zusammenwohnt, sagt, es sei quasi unmöglich, sich vernünftig auf den Winter vorzubereiten. „Wir haben keine Decken, keine Winterkleidung, keine Öfen. Wir haben nicht einmal Holz, um ein Feuer zu machen. In ein paar Wochen wird das hier ein Albtraum“, sagt sie.

Während für all die Familien in diesem improvisierten Camp eine geschützte Unterkunft derzeit oberste Priorität hat, haben das kalte Wetter und der Regen im Winter auch Einfluss auf viele andere Dinge. Warda ist 9 Jahre alt. Sie sagt, dass sie im Winter gern spielen und lernen möchte. „Wenn der Winter aber da ist, dann ist hier alles dreckig. Wasser und Schlamm sind überall und ich kann nirgendwo spielen. Mein Traum ist es, wieder nach Syrien zurückzukehren. Ich möchte meine Freunde sehen und zurück zur Schule gehen, ohne all die Verwundeten und toten Menschen überall“, sagt sie. „Und ich würde gern ein paar Wintersachen haben, damit es nicht so kalt ist.“

Improvised shelters of Syrian refugees
In den improvisierten Ansiedlungen syrischer Flüchtlinge stellen sich die Bewohner auf einen dritten kalten Winter ein. Foto: René Schulthoff, DRK-Delegierter

In Ketermaya genauso wie in vielen anderen Gebieten, in denen syrische Flüchtlinge unter einfachsten Bedingungen leben müssen, wird der kommende Winter wieder neue Probleme, Herausforderungen und Leid bringen. Das Deutsche Rote Kreuz unterstützt die syrischen Flüchtlinge im Libanon in Zusammenarbeit mit dem Libanesischen Roten Kreuz mit Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln sowie mit medizinischer Hilfe. Die Aktivitäten des DRK werden durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Es werden dringend Spenden für die Versorgung der 1,2 Millionen syrischen Flüchtlinge im Libanon benötigt.

Hören Sie zur aktuellen Lage der syrischen Flüchtlinge auch ein Interview mit dem DRK-Deligierten René Schulthoff auf sr-online: http://sr-mediathek.sr-online.de/index.php?seite=7&id=28482

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