„Kindergarden“ im Krankenhaus

Am 14.11.2014

von Mario Lennartz, DRK-Mitarbeiter in Sierra Leone

Tapfer schaut die sechsjährige Fatmata in die Welt. Auf ihrem Rücken trägt sie, wie es hier in Sierra Leone üblich ist, ihren fünf Monate alten kleinen Bruder Mosa in einem Wickeltuch. Beide haben ihre Mutter aufgrund von Ebola verloren. Fatmata hat nun die Mutterrolle für ihren kleinen Bruder übernommen. Zu ihren Aufgaben gehören auch das Füttern und Wickeln.

Wenn eine Familie aufgenommen wird, in der z.B. die Mutter bestätigt Ebola hat und die Kinder nicht, werden die Kinder erst mal von der Mutter getrennt und beobachtet, ob auch bei ihnen die Krankheit ausbricht. So haben wir hier im Krankenhaus eine ganze Reihe Kinder, deren Eltern verstorben sind oder die aus anderen Gründen die Inkubationszeit von 21 Tagen abwarten müssen bis sie sicher als ebolafrei entlassen werden können. Inzwischen sind es sieben kleine Kinder in unserem “Kindergarden” (Kindergarden ist das international übliche Wort für den Kindergarten), die mit Bauklötzen und anderen Spielzeugen die Zeit verbringen.

Ebola Kindergarden
(Foto: © Maija Tammi/ IFRC)

Unser Kindergarden ist aus der Not geboren, dass sich jemand um die Kinder kümmern muss, wenn die Eltern oder Verwandte es nicht mehr können. Im Kindergarden tun dies die Krankenschwestern oder Sozialarbeiter des SLRC (Sierra Leonisches Rotes Kreuz). So gibt es an diesem wenig erfreulichen Ort doch immer Singen und Lachen von spielenden Kindern. Auch Fatmata darf nun wieder Kind sein und muss nicht immer Mutterersatz sein.

Kinder im Kindergarden
(Foto: © DRK)

Die Mitarbeiter des SLRC leisten hier beeindruckende Arbeit, um den Patienten in unserem Ebola Krankenhaus immer noch eine menschliche Seite zu zeigen. Im Wesentlichen haben sie den Kontakt zu ihren Landsleuten hier im Krankenhaus. Sie sprechen ihre Sprache und haben den gleichen kulturellen Background. So ist es hier üblich, dass morgens zu Schichtbeginn alle Mitarbeiter, die gerade etwas freie Zeit haben, sich am Zaun versammeln, der den Patientenbereich von dem übrigen Bereich trennt, um dann gemeinsam mit den Patienten auf der anderen Seite zu singen und Gebete zu sprechen. Den Patienten Mut und Zuversicht zu geben, diese schreckliche Krankheit zu überstehen. Diese Leidenschaft und der Enthusiasmus übertragen sich auch auf die Internationalen Rotkreuzler und machen uns die Arbeit doch erheblich leichter.

Diese engagierten Menschen hier verdienen unsere Unterstützung: bekämpfen sie hier vor Ort Ebola erfolgreich, können auch wir in Deutschland wieder beruhigter durchatmen. Gehören Sie zu den gesuchten Berufsgruppen, die aktiv selbst als Helfer vor Ort in Westafrika unterstützen können? Melden Sie sich über unsere Homepage des DRK. Auch jeder andere kann die Menschen in den betroffenen Staaten Westafrikas in ihrem Kampf gegen Ebola unterstützen: bitte spenden Sie! Schenken Sie Kindern wie Fatama eine Zukunft.

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