Kinderwünsche im Südsudan

Am 29.01.2013

Von Michael Breunig, DRK-Delegierter

Dieses Mal war alles anders. Keine Bilder in den Nachrichten. Keine Informationen im Live Ticker. Dieser Einsatz bringt mich nach Afrika in den Südsudan. Wir, das heißt sechs Kollegen des dänischen Roten Kreuzes und ich, sollen für das Flüchtlingslager Yusuf Batil im Auftrag des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes ein Basislager errichten. Von dort aus sollen die Flüchtlinge mit den notwendigsten Dingen versorgt werden. Dazu zählen neben Wasser auch Hygieneartikel, Moskitonetze und verschiedene andere Dinge des täglichen Bedarfs.

Schlechte Straßenverhältnisse, starker Regen und andere logistische Herausforderungen erschwerten die Anfangsphase unserer Arbeit. Aber nach zwei Wochen waren die anfänglichen Probleme überwunden und das Basislager wurde voll in Betrieb genommen.

Starke Regenfälle beeinträchtigen die sandigen Straßen
Starke Regenfälle beeinträchtigen die sandigen Straßen

Am Tag darauf konnte ich mit Chris, einem Kollegen vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (ICRC), unser Lager verlassen. Unsere Aufgabe war es, geeignete Wasserverteilungsplätze zu finden und sie mit den Flüchtlingen abzusprechen.

Auf Grund von Sicherheitsbestimmungen konnten wir erst um acht Uhr morgens aufbrechen. Nach einer ca. zwei Kilometer langen Fahrt bogen wir in das zehn km² große Flüchtlingslager ab. Je tiefer wir ins Zentrum des Lagers vordrangen, desto schlechter wurden die Straßenverhältnisse. Wir hatten bereits vier Verteilungspunkte ausgesucht und waren zu unserem letzten Punkt am Rande des Flüchtlingslagers Yusuf Batil unterwegs. Die letzten 100 Meter mussten wir zu Fuß gehen, da keine Möglichkeit bestand, mit unserem Land Cruiser an die von uns gewollte Stelle zu kommen. Schnell waren wir umzingelt von Kindern, die große Augen machten, was zwei “weiße” Leute denn bei Ihnen wollten. Sie winkten, lachten und tuschelten hinter vorgehaltenen Händen aber sie hielten dabei immer einen respektvollen Abstand zu uns.

Zwei staunende Jungen
Zwei staunende Jungen

Wir wurden vom Dorfältesten begrüßt, der uns die sehr schlechte Versorgungslage mit Trinkwasser mitteilte. Sie haben sich für das Sammeln von Regenwasser entschieden, da der nächste funktionierende Verteilungspunkt ca. drei Kilometer weit entfernt ist und sie dort bis zu zwei Stunden warten müssten, bis sie an die Reihe kommen. Wir erläuterten dem Dorfältersten was wir vorhatten und besprachen den ungefähren Zeitplan. Unser erstes Ziel war es, innerhalb der nächsten drei Wochen Wassertanks aufzubauen und mit dem Verteilungspunkt zu verbinden. Im weiteren Verlauf sollte ein neuer Brunnen angelegt werden, der dann die Wassertanks ablösen wird. Dies würde allerdings längere Zeit in Anspruch nehmen.

Als wir mit unserer Besprechung fertig waren und wir alle Fragen zum neuen Verteilungspunkt mit dem Dorfältesten abgeklärt hatten, bemerkte ich, dass alle Kinder noch immer da waren. Sie hatten die Scheu abgelegt und waren näher an uns herangerückt. Wir merkten, dass sie etwas wollten aber wir wussten nicht genau was es war. Darum fragten wir den Dorfältesten. Er meinte nur: Sie wollen alle nur einmal einen “weißen” Mann berühren. Chris und ich lächelten und winkten die Kinder zu uns heran. Zögerlich kamen die ersten Kinder zu uns und als die anderen dies sahen, waren wir auf einmal inmitten einer großen Kinderschar, die alle nur ein Ziel hatten, Chris und mich kurz zu berühren. Alle hatten Spaß. Auch die Mütter lächelten, als sie sahen, dass ihre Kinder zumindest für einen kurzen Moment die Alltagssorgen hinter sich lassen konnten.

Es war bereits halb drei am Nachmittag, als wir zurück zu unserem Lager kamen. Nach einem kurzen Mittagessen ging ich an meine Arbeit im Lager. Ich hatte immer wieder dieselben Bilder im Kopf und den Gedanken, wie einfach es ist, Kinder für einen kleinen Moment glücklich zu machen.

Eine Gruppe Kinder schaut interessiert und neugierig in die Kamera
Eine Gruppe Kinder schaut interessiert und neugierig in die Kamera

2 Kommentare zu “Kinderwünsche im Südsudan

  1. Lieber Michi,
    wir haben Deinen Beitrag gelesen. Er ist sehr gut geschrieben und gibt einen interessanten Einblick in Deine so wichtige Arbeit.
    Herzliche Grüße aus dem sehr winterlichen Benediktbeuern (50cm Schnee und unter 10 Grad minus.
    Pauline und Martin mit Johannes.

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