Desinfektion mit Chlor

Kongo: Mit Wissen gegen Ebola

Am 19.07.2018 von Isabel Diener

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Nachdem im Mai 2018 in der Demokratischen Republik Kongo erneut Ebola ausgebrochen ist, hat das Rote Kreuz eine umfassende Hilfsaktion gestartet, um die gefährliche Infektionskrankheit zeitig unter Kontrolle zu bekommen. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) unterstützte das Kongolesische Rote Kreuz auch mit internationalen Experten, darunter auch drei DRK-Helferinnen. Ihre Aufgabe war es, lokales Krankenhauspersonal im Umgang mit hochinfektiösen Patienten zu schulen, die Bevölkerung über Präventionsmaßnahmen aufzuklären und lokale Rotkreuz-Helfer auszubilden. Die 31-jährige Medizinstudentin und DRK-Rettungsassistentin Isabel Diener berichtet hier von ihrem Einsatz.

20. Juni: Der Kongo ruft…

DRK-Hauptquartier und ERU-Kiste
Die ERU-Kiste ist gepackt, ERU steht für Emergency Response Unit, ein einheitliches Set für den Hilfseinsatz.

Nach einem Einsatz in Sri Lanka für mein Praktisches Ausbildungsjahr und 48 schönen Stunden in Köln sitze ich im Zug nach Berlin – der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ruft erneut die großen Hilfsorganisationen auf den Plan. Ich gehe für die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) für vier Wochen in einen Einsatz der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC).

Nachdem ich in der Botschaft die Visa für unser Team abgeholt habe, geht es zum Briefing ins Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes. Zu unchristlichster Uhrzeit brechen wir mit zwei riesigen Boxen voller Schutzkleidung zum Flughafen auf und von dort aus über Istanbul (leider, leider keine Zeit für einen Kurzbesuch) nach Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Zwei Tage verbringen wir in dieser riesigen, spannenden Stadt mit Briefings im Generalsekretariat des hiesigen Roten Kreuzes und einem Besuch beim deutschen Botschafter. Dann geht es um vier Uhr morgens zum Cargo-Bereich des Flughafens, um nach Mbandaka, einer Millionenstadt im Norden des Kongo zu fliegen. Von dort wurden ebenfalls bereits erste Ebola-Verdachtsfälle gemeldet.

Dort werden wir vom lokalen Rotkreuzpräsidenten und dem regionalen Rotkreuz-Geschäftsführer empfangen und auf den aktuellsten Stand der Ebola-Epidemie gebracht. Unsere Unterkunft wird „Maison Bellevue“ genannt – denn sie liegt direkt am riesigen Fluss Congo und bietet dem hochgradig beschäftigten Team einen tollen Ausblick während der Arbeit.

23. Juni: Bauen mit Bambus

Eine unserer zahlreichen Aufgaben hier in Mbandaka ist der Aufbau von Isolations- und Triage-Einheiten. Ich habe diesen Job spontan und unerwartet „geerbt“ – mein Kollege fliegt morgen nach Bikoro für eine Lageeinschätzung, ein sogenanntes Assessment.

 

Also: Ärmel hoch und los – neues Material, neues Glück. Mit Maurice und Freddie, zwei erfahrenen Kollegen des Kongolesischen Roten Kreuzes, fahre ich ins Centre Santé Bakanja. Zusammen mit dem stellvertretenden Chef, Monsieur Henry, suchen wir einen Platz in der Nähe der Eingangs-Triage und fangen an. Fünf schweißtreibende und ameisenbissreiche Stunden später steht schließlich eine Isolationseinheit aus Bambus, Liane und Plastikplane – und ich kann jetzt sehr viel Baustellen-Französisch. Müde, schmutzig und zufrieden geht´s dann zurück nach Hause.

26. Juni: Mit Wissen und Training Ebola bekämpfen

Der letzte bestätigte Ebola-Fall in Mbandaka liegt mehr zwei Wochen zurück. Gerade jetzt ist es unglaublich wichtig, aufmerksam zu bleiben und die Überwachungs- und Schutzmaßnahmen aufrecht zu erhalten. Um dies zu gewährleisten, trainieren wir täglich zusammen in einem internationalen Team. Ärzte, Pflegepersonal, Hebammen sowie Hygienekräfte der Krankenhäuser und Gesundheitszentren üben Früherkennung, Schutzmaßnahmen und den Umgang mit infizierten Patienten.

Unsere beiden kongolesischen Ärztinnen, Dr. Doudou und Dr. Benjamin, sind nicht nur fachlich topfit, sondern sprechen auch Lingala, das viele Teilnehmende besser als Französisch verstehen. Nach den praktischen Übungen können die hochmotivierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Triage am Eingang betreiben, Verdachtsfälle erkennen, isolieren und sich optimal schützen. Das wird auch weiterhin wichtig bleiben, wenn Ebola besiegt ist.

Außerdem tauchen wir unangekündigt zu Supervisionen auf. So stellen wir fest, ob und wie das Erlernte umgesetzt wird, was gut und weniger gut klappt. Wir erhalten Einblicke in den Klinikalltag und können unsere Ausbildungsmodule so auf den Bedarf des jeweiligen Gesundheitszentrums abstimmen.

2. Juli: Chlor-Unterricht

Diese Woche haben wir die Tausender-Marke geknackt! 1.006 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenhäuser und Gesundheitszentren in unserer Zone haben eines oder mehrere Trainings bei uns absolviert. Sie sind nun besser in der Lage, sich selbst und ihre Patienten zu schützen.

Mitarbeiter mit Chlorbehältern

Besonderer Fokus für uns als sogenannte IPC-Delegierte (IPC steht für Infektionsvermeidung und –bekämpfung): die Reinigungskräfte und Arbeiter, denn mit ihrer Arbeit steht und fällt das ganze System. Da viele von ihnen kaum lesen und schreiben können und nur Lingala sprechen, haben wir eine symbolreiche, praxisnahe Ausbildung für sie konzipiert. Unsere Kollegin Dr. Doudou erklärt das Wesentliche in der Landessprache und bringt uns die wichtigsten Vokabeln nebenher bei. Chlor, Bestandteil aller meiner Einsätze, darf da natürlich nicht fehlen… denn Chlor tötet Krankheitserreger.

Teilnehmer zeigen stolz ihre Zertifikate vor dem Hospital in Mbandaka.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigen stolz ihre Zertifikate. Sie und die ihnen anvertrauten Personen sind jetzt sehr gut gewappnet gegen das gefährliche Ebolavirus.

Ein anderer und auch ganz wichtiger Teil unserer Trainings ist die Wertschätzung der Arbeit, die unsere Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern tagtäglich unter teils härtesten Bedingungen verrichten. Gerade den Reinigungskräften und Arbeitern tut das sichtlich gut und sie sind extra-stolz auf ihre Zertifikate.

» Hier erhalten Sie weitere Informationen über Ebola

» Isabel Dieners Blog: Izzabroad

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Fotos: Isabel Diener/ Deutsches Rotes Kreuz

Geschrieben von:

Isabel Diener Isabel Diener
Isabel Diener ist Medizinstudentin, Rettungsassistentin und Zugführerin im Katastrophenschutz beim DRK in Köln. Sie wollte schon als kleines Kind humanitäre Helferin werden und begann bereits als 13-Jährige im Schulsanitätsdienst. Für das Rote Kreuz war sie unter anderem in Sierra Leone im Ebola-Einsatz sowie in Uganda und Griechenland.

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