Junge Ehrenamtliche in Laos

Leben retten in Laos – mit Blutspenden

Am 13.06.2016 von Tim Bray

Blut gehört auch in Laos zum Wertvollsten, das Menschen zu geben in der Lage sind. Der Bedarf an Blutspenden vor Ort ist sehr hoch. Seit 2006 unterstützt das Deutsche Rote Kreuz den Blutspendedienst des Laotischen Roten Kreuzes. Regionale Blutbanken und mobile Blutspendeaktionen sollen vor allem auf dem Land die Versorgungslücke schließen. Denn Blutspender sind Lebensretter.

Der Mangel an Blutkonserven kann tragische Folgen haben

Bei der Geburt ihres Kindes hatte die junge Laotin Phongsavanh plötzlich starke Blutungen. Sie benötigte dringend eine Blutransfusion, doch es gab keine Blutvorräte im nahe gelegenen Krankenhaus und aus dem benachbarten Thailand war kein Spenderblut erhältlich. So verlor sie aufgrund dieser tragischen Umstände ihr Kind noch bei der Geburt.
In Deutschland greifen wir in solch lebensbedrohlichen Situationen wie diesen auf eine gut funktionierende Blutversorgung zurück. In Laos hingegen kann einem Großteil derjenigen, die durch Operationen oder schwere Geburten viel Blut verlieren, nicht geholfen werden. Täglich sterben durchschnittlich zwei Mütter in Laos an den Folgen einer Geburt, weil es kein Blut gibt.

Wichtiges Engagement: Jugendliche Helfer planen eine Blutspendeaktion. Foto: DRK
Wichtiges Engagement: Jugendliche helfen bei Blutspendeaktionen. Foto: DRK

Blutspenden retten Leben

Wir stehen vor einer leeren Krankenstube in einem Provinzkrankenhaus. Es ist ein einfacher Raum mit vier alten Betten, sonst nichts, kein weiteres Mobiliar, keine medizinische Ausstattung. Vor meinem geistigen Auge sehe ich ganz deutlich, wie dieser stille Ort sich in eine hektische Arena verwandeln kann, wo um das Leben verwundeter Patienten oder junger Mütter nach einer schweren Geburt mit starken Blutungen gekämpft wird.

Als Mitarbeiter des DRK helfe ich meinen Kollegen vom Laotischen Roten Kreuz bei der Einrichtung eines Blutspendesystems zur landesweiten Sicherung der Blutversorgung in mehreren Provinzen.

Infrastruktur für Blutspenden schaffen

Mit Unterstützung des DRK stellt die Nationale Blutspendezentrale in Vientiane und vier Provinzen die nötige Ausrüstung für mobile Blutspendetermine sowie Mittel für die Errichtung eines Gebäudes für den Blutspendedienst zur Verfügung. Das DRK fördert auch die Schulung von MitarbeiterInnen des örtlichen Roten Kreuzes und Sensibilisierungsaktionen für Spender.
Nach dem Besuch im Provinzkrankenhaus begleiten wir das mobile Blutspendeteam. Die ganze Ausrüstung ist sorgfältig im Kleintransporter verstaut, und die ehrenamtlichen Helfer folgen uns auf Mopeds zum Blutspendetermin im Dorf Nongsaa. Die Fahrt ist holprig und staubig.

Für einen funktionierenden Blutspendedienst sind breitangelegte Blutspendekampagnen, eine gute Ausrüstung und qualifizierte Mitarbeiter nötig. Foto: DRK
Für einen funktionierenden Blutspendedienst sind breitangelegte Blutspendekampagnen, eine gute Ausrüstung und qualifizierte Mitarbeiter nötig. Foto: DRK

Spende im Tempel

Das Dorfoberhaupt von Nongsaa erwartet das Rotkreuzteam bereits im Tempel. Tatsächlich ist das der Ort, wo die Dorfbewohner regelmäßig Blut spenden. Ein vier Meter hoher goldener Buddha strahlt Frieden aus, während die nötigen Tische und tragbaren Liegen vor ihm aufgestellt werden. Nacheinander kommen die Dorfbewohner zum Tempel. Ohne Hast wird jeder Blutspender sorgfältig untersucht, befragt und zur Blutentnahme auf die Liege gebeten.
Ein junger Mann mit einem Rotkreuz-T-Shirt fällt mir besonders auf. „Wer ist das?“ frage ich Dr. Souli, den Leiter des Rotkreuz-Provinzverbandes. „Das ist Herr Somchai“, lautet die Antwort. „Er ist ein aktiver Rotkreuzhelfer, der bisher schon viermal Blut gespendet hat. Viele Dorfbewohner spenden regelmäßig Blut. Wenn das Krankenhaus bei einem Notfall dringend Blut braucht, können wir diese Menschen darum bitten, ohne jemals abgewiesen zu werden.“

Zwei Stunden später sind genug Blutspenden zusammengekommen und das mobile Rotkreuz-Team ist abfahrbereit. Während wir die gastfreundlichen Dorfbewohner von Nongsaa verlassen, denke ich an andere Provinzen, wo es keine Blutspende-Einrichtungen gibt oder wo mobile Blutsspendeteams schlecht ausgerüstet sind. Heute können wir jedoch sehen, dass Blutspenden an Orten, wo das Laotische Rote Kreuz aktiv ist und von Schwestergesellschaften gut unterstützt wird, ebenso natürlich ist wie der Gang zum Tempel.

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» Erfahren Sie mehr über die DRK-Hilfe in Laos.

Geschrieben von:

Tim Bray

Tim Bray ist DRK-Mitarbeiter in Laos und hilft, das Blutspendesystem vor Ort zu stärken.

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1 Kommentar zu “Leben retten in Laos – mit Blutspenden

  1. Interessanter Artikel – zugleich aber auch sehr bedenklich, wenn man sieht, dass es selbst in Deutschland ein immer größer werdendes Problem mit der Bereitsstellung von Fremdblut gibt. Der Einkaufspreis für einen Liter Blutkonserve liegt laut Focus derzeit bei ca. 270€. Krankenhäuser rutschen hierdurch inzwischen vermehrt in die roten Zahlen.

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