Foto: DRK-mitarbeiterin lacht mit syrischen Flüchtlingskindern in die Kamera

Libanon – Das Leben ist hart, aber zumindest sicher

Am 16.11.2017 von Oana Bara

Foto: DRK-mitarbeiterin lacht mit syrischen Flüchtlingskindern in die Kamera

Vor sechs Jahren ist Kaltoum Hammadi Hilal aus Aleppo, Syrien, in den Libanon geflüchtet. Mit der ganzen Familie – sie hat sieben Kinder und ein Enkelkind. Heute leben sie alle zusammen, mit etwa 50 weiteren Familien, in einem informellen Flüchtlingslager in Zahle, im Libanesischen Bekaa-Tal unweit der syrischen Grenze.

Foto: Portrait einer geflüchteten Frau aus Syrien
Kaltoum Hammadi Hilal sorgt sich um ihre Kinder.

Das Leben in Syrien vor dem Krieg war wunderschön, erzählt Kaltoum. Es war sicher und sie hatten Arbeit. Ihre Kinder konnten zur Schule gehen, sie und ihr Mann besaßen einen Laden für Haushaltswaren. Das alles mussten sie 2011 hinter sich lassen. Als sie die Sicherheit ihrer Kinder nicht mehr gewährleisten können, treffen sie und ihr Mann die Entscheidung, in den Libanon zu fliehen. Ihr Mann kennt das Land, denn er war schon viele Male dort. Ihre Kinder allerdings haben Syrien zu dem Zeitpunkt noch nie vorher verlassen. Besonders schwierig ist es für Kaltoum, ihre Kinder in einem fremden Land ohne Schulbildung aufwachsen zu sehen. Vor allem ihre Jüngsten sind noch nie zur Schule gegangen. Dazu kommen die existentiellen Ängste, die die Mutter nachts manchmal nicht schlafen lassen:

„Das Leben im Libanon ist sicher, aber hart und wird immer schwieriger. Wir haben kein Einkommen und es fehlt an allem. Bald kommt der Winter, dieser stellt uns vor noch größere Herausforderungen.“

Foto: syrische Frau mit Kind vor Zeltwand
Viele syrische Flüchtlingsfamilien leben in einfachen Zelten, eine Herausforderung im Winter.

Die harschen Winterbedingungen im Libanon stellen ein großes Problem für die mehrheitlich in Zelten lebenden Flüchtlinge dar. Die Temperaturen können monatelang auf knapp über 0 Grad Celsius fallen und oft fehlt das dringend nötige Heizmaterial. Zudem versiegen in dieser Zeit die wenigen Möglichkeiten, landwirtschaftliche Arbeiten übernehmen zu können und somit auch die einzige Einnahmequelle der Geflüchteten.

Angewiesen auf die Hilfe des Roten Kreuzes

Foto: Rotkreuzmitarbeiter verteilen aus einem LKW heraus Hilfsgüter an Flüchtlinge
Das Libanesische Rote Keuz verteilt Hilfegüter – auch mit Untersützung des DRK.

Kaltoum jedoch ist hoffnungsvoll und dankbar. Dankbar für die Unterstützung, die sie erhält, denn ohne die Hilfeleistung des Libanesischen Roten Kreuzes mit Unterstützung des DRK, könnten sie den Winter nicht so einfach überstehen. „Wir sind auf die Verteilung von Hygienepaketen angewiesen, das Rote Kreuz ist mittlerweile die einzige Organisation, die uns hier überhaupt hilft.“ Zusätzlich zu den Hygieneartikeln verteilt das DRK gemeinsam mit seiner libanesischen Schwestergesellschaft Bargeldzahlungen an besonders bedürftige syrische Flüchtlinge in einigen Teilen des Landes. Diese ermöglichen die Beschaffung von Heizöl und anderen notwendigen Gütern, die den Winter erträglich machen.

Für über eine Million Syrer ist der Libanon der erste Zufluchtsort vor dem anhaltenden bewaffneten Konflikt in ihrem Heimatland. Seit Beginn der Syrienkrise 2011 und der seither andauernden Flüchtlingswelle ist die Bevölkerungszahl um ca. 30 Prozent gestiegen. Das heißt, dass somit jede vierte Person im Libanon zum heutigen Zeitpunkt ein Flüchtling ist.

Foto: Straßenszene im Libanon - Frauen tragen Kartons mit Hilfsgütern
„Wir sind auf die Verteilung von Hygienepaketen angewiesen“, sagt Kaltoum Hammadi Hilal.

Heizöl und Bargeld in kalten Wintermonaten

Foto: Rotkreuzhelfer und eine Schwangere bei der Abwicklung einer Hilfsverteilung
Ob Verteilung von Hilfsgütern oder Bargeld: Die Rotkreuzhelfer arbeiten Hand in Hand, um die Menschen zu unterstützen.

Seit 2012 ist das Deutsche Rote Kreuz im Libanon tätig und arbeitet dort in enger Kooperation mit seiner Schwestergesellschaft, dem Libanesischen Roten Kreuz (LRC). Seit Juni 2014 wurde aufgrund der andauernden Notlage – mit maßgeblicher Unterstützung des DRK – im LRC die Abteilung für Katastrophenmanagement aufgebaut. Diese übernimmt Hilfsmaßnahmen sowohl für syrische Flüchtlinge als auch für bedürftige Libanesen in verschiedenen Bereichen. Einen Schwerpunkt bildet die Verteilung von Hygienepaketen und Unterstützung mit Bargeld. Diese Hilfsleistungen, finanziert durch das Auswärtige Amt, sind ganzjährig notwendig, besonders dringend sind sie jedoch im Winter. Da die harschen Winterbedingungen im Norden des Landes sowie im Bekaa-Tal besonders jene Flüchtlinge hart treffen, die dort in informellen Flüchtlingslagern leben, werden an sie in dieser Zeit zusätzliche Hilfspakete und Gutscheine für Heizöl oder Bargeld verteilt.

» Erfahren Sie mehr über die DRK-Hilfe im Libanon!

Fotos: Oana Bara/DRK

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Foto: Portrait einer DRK-Delegierten Oana Bara
Oana Bara ist Kommunikations-Delegierte des Deutschen Roten Kreuzes im Libanon. Sie koordiniert Presseanfragen rund um die Projektregion Nahost und berichtet in Text und Bild von der Arbeit des DRK in den verschiedenen Bereichen. Regelmäßig besucht sie vom Libanon aus Projekte und Hilfsempfänger des Roten Kreuzes in den Nachbarländern.

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