Libanon: DRK-Mitarbeiterin hilft nach Bombenexplosion in Beirut

Am 21.11.2013 von René Schulthoff

Von René Schulthoff , kommunikations-Delegierter des DRK im Libanon

Als kurz hintereinander zwei schwere Explosionen den südlichen Teil Beiruts erschüttern, ist es 9:55 Uhr am Dienstagmorgen. Zu dieser Zeit sitzt die 24-jährige DRK-Mitarbeiterin Ola Badran an ihrem Schreibtisch im Beiruter Stadtteil Hazmieh. Sie ist zuständig für administrative Aufgaben im Regionalbüro des Deutschen Roten Kreuzes in Beirut. Von hier aus werden die DRK-Projekte im gesamten Nahen Osten koordiniert, speziell auch die Nothilfe im Rahmen der Syrienkrise.

Über SMS erreicht das DRK-Büro die ersten Informationen zu zwei Explosionen in Beirut. Es ist noch unklar, was genau passiert ist und ob es sich um einen Anschlag handelt. Es geht das erste Gerücht um, dass die Iranische Botschaft das Ziel einer Attacke geworden sein könnte.

Foto: Libanesisches Rotes Kreuz

Ola ist eine junge moderne Libanesin, spricht ein paar Worte Deutsch und fließend Englisch. Sie trägt Kopftuch; jeden Tag ein anderes, in einer anderen Farbe. An diesem Dienstagmorgen plant sie die Reise von drei Kollegen in die Türkei. Das DRK hat auch dort Projekte um den syrischen Flüchtlingen zu helfen. Es ist 10:03 Uhr als ihr Telefon klingelt – 8 Minuten nach den schweren Explosionen etwa zehn Kilometer vom DRK-Büro entfernt.

Wenige Sekunden später steht Ola in dem Raum, in dem sich vier weitere DRK-Mitarbeiter ein Büro teilen. „Ich muss los. Das lokale Rote Kreuz hat mich angefordert.“ Ola ist seit mehreren Jahren als freiwillige Helferin beim Libanesischen Roten Kreuz tätig. Ihre Station liegt im südlichen Teil von Beirut – genau dort haben sich vor weniger als 10 Minuten die zwei schweren Explosionen ereignet. „Pass auf dich auf“ ist das letzte, was wir ihr noch sagen, da ist Ola auch schon unterwegs Richtung Notfallstation des Libanesischen Roten Kreuz.

Vom DRK-Büro aus erreicht Ola in 15 Minuten ihre Rettungsstation in Mreijes in Beirut, hat sich schnell ihre rote Schutzkleidung angezogen und sitzt wenige Minuten später mit drei weiteren freiwilligen Helfern in einem Ambulanzfahrzeug des Libanesischen Roten Kreuzes. Mit heulender Sirene geht es zum Unglücksort. Ola bietet sich ein Bild der Verwüstung. Brennende Autos, schreiende Menschen. Ein Durcheinander von Trümmern, Rauch, Wasser – rohe Zerstörung.

„Wir haben Verletzte auf Tragen gehoben, zum Krankenwagen gebracht und in Krankenhäuser gefahren. Es waren sehr schwere Verletzungen“ sagt sie mir später. Zwei Stunden lang ist sie unermüdlich im Einsatz. Pendelt zwischen Krankenhäusern und Explosionsort – zwischen Leben und Tod, zwischen retten, hoffen und verzweifeln. Mindestens 20 Menschen werden bei den Explosionen getötet, mehr als 140 zum Teil schwer verletzt.

Um 13:00 Uhr sitzt Ola wieder an ihrem Schreibtisch, im Büro des Deutschen Roten Kreuzes in Beirut. Sie humpelt. „Was ist passiert?“ frage ich sie. „Bist Du in Ordnung?“ Sie lächelt und sagt „Jaja, ein kleines Missgeschick. Es war überall Wasser und Öl, die Blätter der Bäume waren von den Explosionen von den Bäumen gerissen und lagen auf der Straße. In dem Chaos bin ich ausgerutscht. Aber das ist nichts Schlimmes.“ Sie lächelt wieder und bucht die benötigten Flüge für die DRK Kollegen in die Türkei.

Um 16:00 Uhr endet ihr Dienst, denke ich. Aber es geht weiter für Ola. Es ist zufälligerweise genau der Tag in der Woche, an dem sie als freiwillige Mitarbeiterin des Libanesischen Roten Kreuzes ihre Nachtschicht auf ihrer Notfallstation hat. „Wir haben viele der Verletzten in den Nachtstunden von einem Krankenhaus in ein anderes verlegt. Die waren sehr schwer verletzt. Ich befürchte, dass die Zahl der Toten nach diesem Anschlag noch steigen wird.“ Während sie das sagt, sitzt sie am nächsten Morgen schon wieder an ihrem Schreibtisch beim Deutschen Roten Kreuz. Das ist unsere Kollegin Ola, DRK-Mitarbeiterin im Libanon und Freiwillige Helferin des Libanesischen Roten Kreuzes in Beirut.

Geschrieben von:

Foto: DRK-Miartbeiter im Portrait. René Schulthoff
Um aus den Projekten zu berichten, war René Schulthoff für das Deutsche Rote Kreuz bereits in Syrien, Griechenland, Jordanien und Nepal, aber auch im Nordirak und Jemen.

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2 Kommentare zu “Libanon: DRK-Mitarbeiterin hilft nach Bombenexplosion in Beirut

  1. Guten Tag,
    gibt es noch das Büro vom DRK in Beirut? Ich mache gerade Urlaub im Libanon, bin aber auch auf der Suche nach einem Praktikum für mein Studium im Projekt. Gibt es da eventuell eine Möglichkeit?

    Vielen Dank

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