Foto: Madagsassische Frauen bei einem Rollenspiel

Madagaskar: Rollenspiele gegen Klimakatastrophen

Am 27.07.2017 von Nadine Küng

Foto: Madagsassische Frauen bei einem Rollenspiel

Von einem Seil in zwei Gruppen getrennt, stehen die Spielteilnehmer sich gegenüber, sie halten Schalen mit Bohnen in den Händen. Ein Regenschirm steht an einer Seite des Raumes, er soll den Schutz vor Überschwemmungen symbolisieren. Ein Eimer auf der anderen Seite, die Vorsorge gegen Dürren. „Entscheidet, was ihr auf euren Feldern tun wollt“ sagt der Spielleiter und schon werden Plätze getauscht, wird abgewägt und diskutiert. „Die Zeit ist um“ ruft der Leiter, niemand darf sich mehr bewegen. Ein Würfel fällt: „Regen. Viel Regen.“ Der Spieler am Regenschirm erhält eine weitere Bohne für seine Schale. Er hat sich richtig verhalten.

Rollenspiele simulieren Wetter und Klimaveränderung

Foto: Madagassen stehen sich beim Klimaspiel gegenüber.
Die Klimaspiele dauern von fünf Minuten bis hin zu drei Stunden.

Mit Spielen wie diesem lernen die Bewohner in 23 Gemeinden Madagaskars, in Unsicherheit Entscheidungen zu fällen und sich für den Klimawandel wappnen. Denn seit vielen Jahren kämpft Madagaskars Bevölkerung mit zunehmenden Extremwetterlagen. Verhindern können sie den Klimawandel nicht, aber wie sie sich im Fall einer Naturkatastrophe verhalten können, das vermittelt das vom DRK unterstützte Projekt Fagnavodrevo des Madagassischen Rotens Kreuzes anschaulich.

In so genannten Klimaspielen brechen extreme Wetterereignisse in Form von Frisbees, Bällen und Würfeln über die Gemeinschaft herein. Auf diese Weise erleben die Teilnehmer in einem sicheren Umfeld Klimaauswirkungen, lernen ein Bewusstsein dafür und eigene Lösungen im Umgang damit zu entwickeln. „Spiele sind ein gutes Mittel, um komplexe Botschaften zu vermitteln“, sagt Didier Heriniaina. Er ist verantwortlich für die Katastrophenvorsorge im Projekt.

„Zunächst war die Herausforderung, die Spiele so anzupassen, dass die unterschiedlichen Realitäten und Bedingungen jeder Gemeinde dargestellt werden können“, führt Didier Heriniaina weiter fort. „Aber nach drei Monaten hatten mindestens 1.300 Dorfbewohner an den Spielen teilgenommen. Und 80 Rotkreuzmitarbeiter sowie Freiwillige hatten dabei gelernt, die Spiele anzupassen und zu vereinfachen.“

Foto: Madagassen stehen sich beim Rollenspiel in Zwei Gruppen gegebüber
Bewohner in Madagasker spielen eine Variante des beschriebenen Rollenspiels „Dissolving Desasters“.

Organisierte Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe

Beim Spielen „finden die Gemeinden heraus, wie sie sich besser organisieren und lernen können, schwächere Mitglieder zu unterstützen, während sie sich auf Extremwetter vorbereiten oder auf Katastrophen reagieren, erklärt Didier Heriniaina.

Tovohery Randriamihamina ist Wasser-und Sanitär-Ingenieur beim MRK. Er beobachtet, dass die Spiele die Gemeinden ermutigen, für ertragreiche Ernten zusammenzuarbeiten und ihre Produktion sinnvoll zu variieren, um sich zeitgleich auf Überschwemmungen, Dürren und andere extreme Wetterereignisse vorzubereiten.

Foto: Madagassen bei einem Klimaspiel.
Je nach Spiel können bis zu 50 Menschen daran teilnehmen.

665.000 Menschen durch Klimawandel von Hunger bedroht

Die Weltbank erwartet, dass der Klimawandel dramatische Auswirkungen auf die Landwirtschaft, die Ernährungssicherheit und die Infrastruktur in Madagaskar haben wird. Der Süden des Landes kämpft das fünfte Jahr in Folge mit ausbleibenden Regenfällen, verschärft durch das Wetterphänomen El Niño 2015 und 2016.

Schätzungsweise 665.000 Menschen sind nach einer gemeinsamen Bewertung durch das Landwirtschaftsministerium, die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation und das Welternährungsprogramm von ernsthafter Ernährungsunsicherheit bedroht. Sie brauchen schnellste Unterstützung.

Foto: Kinder aus Madagaskar beim Spielen.
Einige der Klimaspiele sind auch für Kinder gut geeignet.

Das Projekt

Seit 2013 organisieren die Verantwortlichen des Fagnavodrevo-Projekts (Madagassisch für „die Verletzlichen retten“) Katastrophensimulationen und Feldschulen für Landwirte, verteilen Ausrüstungen wie Kanus oder Warnfahnen und schulen regelmäßig zu Gesundheitsfragen, Ernährung und Klimawandel.

Das Fagnavodrevo-Projekt im nordwestlichen Sofia-Gebiet Madagaskars wird vom Madagassischen Roten Kreuz umgesetzt und vom Deutschen Roten Kreuz unterstützt. Das Projekt soll die Resilienz- und Katastrophenkapazität von mehr als 30.000 Menschen stärken, die in einem von Überschwemmungen und Wirbelstürmen bedrohten Gebiet leben.

» Erfahren Sie mehr über die DRK-Hilfe in Madagaskar

Fotos: Madagassisches Rotes Kreuz

Geschrieben von:

Foto: Potrait von Nadine Küng Nadine Küng
Nadine Küng war für das Klimazentrum der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung vier Monate lang Praktikantin in Madagaskar. Sie unterstützte das Madagassische Rote Kreuz dabei, Spiele zur Risikominderung durchzuführen. Diese Aufgabe war ein Teil ihres Studiums für den Master-Abschluss im Fach Internationale Humanitäre Hilfe an der Universität Uppsala in Schweden.

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