Foto: DRK-Mitarbeiterin und Dorfbewwohner in Mosambik nehmen neuen Brunnen in Betrieb

Mosambik: Zwei Brunnen für Guija

Am 14.08.2017 von Stefan Scholz

Foto: DRK-Mitarbeiterin und Dorfbewwohner in Mosambik nehmen neuen Brunnen in Betrieb

Ein Tagesmarsch zu Fuß, um einen Fluss zu erreichen und Trinkwasser zu holen – das ist für die Bewohner in der Gemeinde Guija nun Vergangenheit. Zwei neue Brunnen, die sie mit intensiver Unterstützung lokaler Rotkreuzhelfer gebaut haben, stehen ihnen jetzt zur Verfügung. Eine enorme Entlastung im Alltag. Meine Kollegin Julia Lampert, Länderreferentin für Mosambik, und ich konnten die Einweihung während unseres Besuches im Dorf miterleben: In bunten Kleidern, mit Gesang und Tanz haben die Frauen, Männer und Kinder die beiden Brunnen feierlich in Betrieb genommen.

Julia Lampert fand bei der Einweihung treffende Worte: „Die dramatischen Berichte über die Dürre hier sind auch für uns erschreckend. Wenn man dann aber sieht, wie trocken es ist, hier aber trotzdem Menschen leben, bringt das immer wieder eine neue Perspektive in die tägliche Arbeit. Für uns ist es selbstverständlich, dass per Knopfdruck Wasser aus dem Hahn kommt, während man hier dafür einen Tagesmarsch auf sich nehmen muss. So unwirklich das für uns klingt, so großartig ist es zu sehen, wie glücklich die Menschen hier über die Eröffnung der beiden Brunnen sind.“

Foto: Eine gruppe Mosambikanerinnen tanzt und klatscht.
Große Freude: In bunten Kleidern, mit Gesang und Tanz feiern die Dorfbewohner ihre neuen Brunnen.

Guija ist Teil eines Katastrophenvorsorge-Projekts des DRK

Die Gemeinde Guija nimmt teil an einem DRK-Projekt, das bereits seit sechs Jahren erfolgreich läuft. Dank der langfristigen Finanzierung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördern wir in enger Kooperation mit dem Mosambikanischen Roten Kreuz die Katastrophenvorsorge vor Ort. Das ist dringend nötig, denn Mosambik – eines der ärmsten Länder der Welt – wird durch Überschwemmungen, Zyklone sowie andere Naturkatastrophen immer wieder schwer mitgenommen und leidet deutlich unter den Folgen des Klimawandels. Dabei sind die Veränderungen der Niederschlags- und Trockenperioden besonders für die ländliche Bevölkerung schwierig.

Foto: Mosambikanerin betätigt die Handpumpe eines Brunnens.
Wenig gegen einen taglangen Fußmarsch: Damit das Wasser fließt, müssen die Nutzer pumpen.

Derzeit verschärft eine lang anhaltende Dürre die Situation der Menschen. Das Trinkwasser ist extrem knapp, viele Ernten sind ausgefallen und Nutztiere sind gestorben. Mehr als zwei Millionen Menschen sind von Nahrungsmittelunsicherheit betroffen, davon weit über 750.000 Kinder.

In jedem Dorf soll es ein Katastrophenvorsorgekomitee geben

Wie die meisten Gemeinden in Mosambik hatte Guija bis vor kurzem kein Katastrophenvorsorgekomitee, obwohl die nationale Gesetzgebung in jeder Gemeinde eines vorsieht. Dieses Team aus geschulten Gemeindemitgliedern erklärt den Menschen unter anderem regelmäßig, wie das nationale Frühwarnsystem funktioniert – dass sie etwa an einem Signal wie einer blauen Fahne eine erste Sturmwarnstufe erkennen, wie sich die Bewohner im Ernstfall verhalten sollten und wo sie hingehen können, um sich vor Hochwasser oder einem schweren Sturm zu schützen.

Foto: eine mosambikanische Frau zeigt anderen Frauen in einer Runde verschiedene Fahnen.
Ein Katastrophenvorsorgekomitee in Aktion: Die blaue Flagge steht für die Warnung, dass innerhalb der nächsten 48 Stunden ein Sturm aufkommt und die gelbe Flagge dafür, dass innerhalb von 24 Stunden starker Sturm und Starkregen bevorsteht. Die rote Flagge, die einen Sturm innerhalb der nächsten 6 Stunden ankündigt, ist auf dem Bild nicht zu sehen.

Gerade in den ärmsten und am häufigsten von Naturkatastrophen betroffenen Regionen kann es dramatische Auswirkungen haben, wenn es kein Katastrophenvorsorgeteam gibt. Deshalb setzt unser Projekt dort an. In besonders verwundbaren Gemeinden bilden wir diese Teams aus, die sich zunächst intensiv mit den Naturgefahren vor Ort auseinandersetzen, um dann Maßnahmen zu entwickeln, die die Gefahren und deren Auswirkungen abmildern können.

Foto: Hand einer Mosambikamerin mit Saatgut
Robust: dürreresistentes Saatgut

Ergänzend zum festgeschriebenen Katastrophenvorsorgekomitee stellen wir in unseren Projektgemeinden zwei zusätzliche Untergruppen zusammen. Die erste Gruppe schulen wir rund um das Thema Hygiene, sodass das Team den Gemeindemitgliedern vermitteln kann, wie Krankheiten durch kleinste Hygienemaßnahmen verhindert werden können. Die zweite Gruppe widmet sich der Ernährungssicherheit, also der Verbesserung von landwirtschaftlichen Anbaumethoden und der Erprobung von dürreresistenten Samen und Pflanzen. Erst nach einer genauen Analyse der jeweiligen Situation in den Gemeinden, planen die Teams genaue Maßnahmen, immer im direkten Austausch mit den Gemeindemitgliedern.

Foto: Garten mit jungen Pflanzen in Mosambik
Verschiedene Gemüsesorten machen die Ernährung in der Projektgemeinde Chibuto nun abwechslungsreicher und gesünder.

Eine Feldschule gegen die Folgen von Wetterextremen

In der Gemeinde Chibuto beispielsweise – eine der ersten am Projekt teilnehmenden Gemeinden – hat sich das Komitee mit der Untergruppe für Ernährungssicherheit dafür entschieden, eine Feldschule einzurichten. Dort können die Bauern verbesserte Anbaumethoden erlernen, um in der Landwirtschaft besser für Wetterextreme gewappnet zu sein. Die Komitee-Mitglieder, die seit Beginn des Projektes betreut wurden, sind inzwischen so erfahren, dass sie nur noch gelegentliche Besuche von Rotkreuzhelfern erhalten. In der ersten intensiven Betreuungsphase durch das DRK hat das Komitee dürreresistente Samen und eine Wasserpumpe erworben. In Kombination mit den verbesserten Anbaumethoden haben die Bauern ihre Ernten inzwischen so weit gesteigert, dass sie von den Erträgen sowohl neue Samen für die nächste Aussaat, als auch eine deutlich höhere Auslese für Eigenbedarf und Verkauf erzielen. Die Gewinne kommen den Bauern und besonders bedürftigen Gemeindemitgliedern zugute.

Foto: Mosambikanische Rotkreuzmitarbeiterin mit großen grünen Bohnen in der Hand.
Ein Erfolg: Die Rotkreuzmitarbeiterin freut sich über die Qualität der Ernte in Chibuto.

Grundstein für eine bessere Zukunft in Guija

Bis solche Erfolge in Guija gefeiert werden können, steht noch einiges an Arbeit bevor. Doch obwohl das DRK die Gemeinde erst seit kurzem unterstützt, konnten wir schon einiges bewirken: Nachdem dank der intensiven Unterstützung durch Rotkreuz-Mitarbeiter ein Katastrophenvorsorgekomitee gegründet wurde, das durch intensive Analyse die Wasserversorgung als größten Bedarf ermittelt hat, ist mit den zwei neuen Brunnen der Grundstein dafür gelegt. Jetzt geht es in der Gemeinde darum, die Instandhaltung der Brunnen selbst zu bewerkstelligen und gemeinsam mit dem DRK Strategien zu erarbeiten, wie neue Impulse in der Landwirtschaft die Entwicklung der Gemeinde unterstützen.

Foto: Mosambikanerin zeigt zwei Wassergläser - eines mit trübem und eines mit sauberem Wasser.
Ein himmelweiter Unterschied: Trinkwasser aus dem Brunnen und Wasser aus dem Fluss.

Erfahren Sie mehr über die verschiedenen DRK-Projekte in Mosambik:

» Vorausschauende Hilfe

» Frühwarnung kann über Leben und Tod entscheiden

 

Fotos: Mosambikanisches Rotes Kreuz; DRK

Geschrieben von:

Foto eines DRK-Mitarbeiters Stefan Scholz
Stefan Scholz ist im Team für internationale Zusammenarbeit Fachberater für Katastrophenvorsorge. Er berät die Kolleginnen und Kollegen im Generalsekretariat und in den Projektregionen zu allen Bereichen der Katastrophenvorsorge. Gleichzeitig ist er auch Berater für das Auswärtige Amt im Bereich der humanitären Katastrophenvorsorge.

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