Ein Tagesmarsch zu Fuß, um einen Fluss zu erreichen und Trinkwasser zu holen – das ist für die Bewohner in der Gemeinde Guija nun Vergangenheit. Zwei neue Brunnen, die sie mit intensiver Unterstützung lokaler Rotkreuzhelfer gebaut haben, stehen ihnen jetzt zur Verfügung. Eine enorme Entlastung im Alltag. Meine Kollegin Julia Lampert, Länderreferentin für Mosambik, und ich konnten die Einweihung während unseres Besuches im Dorf miterleben: In bunten Kleidern, mit Gesang und Tanz haben die Frauen, Männer und Kinder die beiden Brunnen feierlich in Betrieb genommen.
Julia Lampert fand bei der Einweihung treffende Worte: „Die dramatischen Berichte über die Dürre hier sind auch für uns erschreckend. Wenn man dann aber sieht, wie trocken es ist, hier aber trotzdem Menschen leben, bringt das immer wieder eine neue Perspektive in die tägliche Arbeit. Für uns ist es selbstverständlich, dass per Knopfdruck Wasser aus dem Hahn kommt, während man hier dafür einen Tagesmarsch auf sich nehmen muss. So unwirklich das für uns klingt, so großartig ist es zu sehen, wie glücklich die Menschen hier über die Eröffnung der beiden Brunnen sind.“

Guija ist Teil eines Katastrophenvorsorge-Projekts des DRK
Die Gemeinde Guija nimmt teil an einem DRK-Projekt, das bereits seit sechs Jahren erfolgreich läuft. Dank der langfristigen Finanzierung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördern wir in enger Kooperation mit dem Mosambikanischen Roten Kreuz die Katastrophenvorsorge vor Ort. Das ist dringend nötig, denn Mosambik – eines der ärmsten Länder der Welt – wird durch Überschwemmungen, Zyklone sowie andere Naturkatastrophen immer wieder schwer mitgenommen und leidet deutlich unter den Folgen des Klimawandels. Dabei sind die Veränderungen der Niederschlags- und Trockenperioden besonders für die ländliche Bevölkerung schwierig.

Derzeit verschärft eine lang anhaltende Dürre die Situation der Menschen. Das Trinkwasser ist extrem knapp, viele Ernten sind ausgefallen und Nutztiere sind gestorben. Mehr als zwei Millionen Menschen sind von Nahrungsmittelunsicherheit betroffen, davon weit über 750.000 Kinder.
In jedem Dorf soll es ein Katastrophenvorsorgekomitee geben
Wie die meisten Gemeinden in Mosambik hatte Guija bis vor kurzem kein Katastrophenvorsorgekomitee, obwohl die nationale Gesetzgebung in jeder Gemeinde eines vorsieht. Dieses Team aus geschulten Gemeindemitgliedern erklärt den Menschen unter anderem regelmäßig, wie das nationale Frühwarnsystem funktioniert – dass sie etwa an einem Signal wie einer blauen Fahne eine erste Sturmwarnstufe erkennen, wie sich die Bewohner im Ernstfall verhalten sollten und wo sie hingehen können, um sich vor Hochwasser oder einem schweren Sturm zu schützen.

Gerade in den ärmsten und am häufigsten von Naturkatastrophen betroffenen Regionen kann es dramatische Auswirkungen haben, wenn es kein Katastrophenvorsorgeteam gibt. Deshalb setzt unser Projekt dort an. In besonders verwundbaren Gemeinden bilden wir diese Teams aus, die sich zunächst intensiv mit den Naturgefahren vor Ort auseinandersetzen, um dann Maßnahmen zu entwickeln, die die Gefahren und deren Auswirkungen abmildern können.

Ergänzend zum festgeschriebenen Katastrophenvorsorgekomitee stellen wir in unseren Projektgemeinden zwei zusätzliche Untergruppen zusammen. Die erste Gruppe schulen wir rund um das Thema Hygiene, sodass das Team den Gemeindemitgliedern vermitteln kann, wie Krankheiten durch kleinste Hygienemaßnahmen verhindert werden können. Die zweite Gruppe widmet sich der Ernährungssicherheit, also der Verbesserung von landwirtschaftlichen Anbaumethoden und der Erprobung von dürreresistenten Samen und Pflanzen. Erst nach einer genauen Analyse der jeweiligen Situation in den Gemeinden, planen die Teams genaue Maßnahmen, immer im direkten Austausch mit den Gemeindemitgliedern.

Eine Feldschule gegen die Folgen von Wetterextremen
In der Gemeinde Chibuto beispielsweise – eine der ersten am Projekt teilnehmenden Gemeinden – hat sich das Komitee mit der Untergruppe für Ernährungssicherheit dafür entschieden, eine Feldschule einzurichten. Dort können die Bauern verbesserte Anbaumethoden erlernen, um in der Landwirtschaft besser für Wetterextreme gewappnet zu sein. Die Komitee-Mitglieder, die seit Beginn des Projektes betreut wurden, sind inzwischen so erfahren, dass sie nur noch gelegentliche Besuche von Rotkreuzhelfern erhalten. In der ersten intensiven Betreuungsphase durch das DRK hat das Komitee dürreresistente Samen und eine Wasserpumpe erworben. In Kombination mit den verbesserten Anbaumethoden haben die Bauern ihre Ernten inzwischen so weit gesteigert, dass sie von den Erträgen sowohl neue Samen für die nächste Aussaat, als auch eine deutlich höhere Auslese für Eigenbedarf und Verkauf erzielen. Die Gewinne kommen den Bauern und besonders bedürftigen Gemeindemitgliedern zugute.

Grundstein für eine bessere Zukunft in Guija
Bis solche Erfolge in Guija gefeiert werden können, steht noch einiges an Arbeit bevor. Doch obwohl das DRK die Gemeinde erst seit kurzem unterstützt, konnten wir schon einiges bewirken: Nachdem dank der intensiven Unterstützung durch Rotkreuz-Mitarbeiter ein Katastrophenvorsorgekomitee gegründet wurde, das durch intensive Analyse die Wasserversorgung als größten Bedarf ermittelt hat, ist mit den zwei neuen Brunnen der Grundstein dafür gelegt. Jetzt geht es in der Gemeinde darum, die Instandhaltung der Brunnen selbst zu bewerkstelligen und gemeinsam mit dem DRK Strategien zu erarbeiten, wie neue Impulse in der Landwirtschaft die Entwicklung der Gemeinde unterstützen.

Erfahren Sie mehr über die verschiedenen DRK-Projekte in Mosambik:
» Frühwarnung kann über Leben und Tod entscheiden
Fotos: Mosambikanisches Rotes Kreuz; DRK