Nepal: Neustart nach dem Erdbeben mit Hilfe des DRK

Am 23.04.2018 von Betisa Egea Zabalza
Nepalesische Familie
Ein Schutzdach mit Bambusstangen verbessert z.B. die Tomatenernte für die Familie von Pema Gurung aus Bakrang, finanziert dank unserer Bargeldhilfe. Foto: DRK

Der 25. April markiert in Nepal einen wichtigen Tag, denn vor drei Jahren wurde das Land von einem schweren Erdbeben der Stärke 7.8 getroffen, dem am 12. Mai ein weiterer Erdstoß der Stärke 7.3 folgte. 9000 Tote und massive Zerstörungen und Erdrutsche waren die Folge.

Den durch die Katastrophe um ihre Lebensgrundlagen gebrachten Menschen nachhaltig zu helfen, dafür hat das Deutsche Rote Kreuz sich gemeinsam mit dem Belgischen und dem Nepalesischen Roten Kreuz eingesetzt und in der Region Gorkha schon Vieles bewegt.

Nepalesische Familie vor ihrem Haus
Foto: Jemima Diki Sherpa/American Red Cross

Im Dorf Kaule z.B. half das Amerikanische Rote Kreuz: Subitri Biswokarma und ihr Mann Tilak lebten in einer Übergangsunterkunft, doch dank der Rotkreuzhilfe konnten sie ihr Haus im vergangenen Jahr fertigstellen und mit ihrem Baby Samir einziehen.

Kind mit Ziege in Nepal
Foto: Jemima Diki Sherpa/American Red Cross

Samir ist neugierig und will die Welt erkunden. Seine Eltern wünschten sich deshalb dringend einen Zaun, um den Kleinen besser zu schützen. Auch wichtig: Mit Hilfe des Roten Kreuzes konnten sie eine Toilette bauen.

Nach der anfänglichen Nothilfe (z.B. wurden insgesamt 105 Tonnen lebensnotwendige Güter wie Decken, Zelte und Wasserkanister eingeflogen, und eine mobile Gesundheitsstation in der Stadt Singati versorgte die Bevölkerung) geht es immer noch um den Wiederaufbau und die Gesundheitsversorgung. Nun sind wir kurz vor Abschluss dieser Wiederaufbauphase, und der positive Effekt auf den Alltag der Betroffenen ist überall sichtbar.

Besser vorbereitet auf kommende Erdbeben

Unsere Maßnahmen für die Menschen in Nepal konzentrieren sich auch auf den Wiederaufbau und die Verbesserung der Lebensbedingungen in den neun Dorfgemeinschaften Harmi, Manakamana, Mirkot- Jaubari, Bakrang, Shreenathkot, Gankhu, Thalajung und Barpak. Ein praktisches Beispiel: Mehr als 700 Maurer und Zimmerleute aus den betroffenen Gemeinden nahmen an Trainings zum erdbebengerechten Häuserbau teil und haben nun eine offizielle Berufsqualifikation, die ihnen ermöglicht, ihre entweder komplett oder teilweise zerstörten Häuser in ihren Dörfern wieder aufzubauen.

Mit Rotkreuzhilfe errichter Viehstall.
Traditionelles Baumaterial: Ziegelsteine können durchaus beim erbebengerechten Bauen, z.B. von Viehställen eingesetzt werden. Foto: DRK

PASSA, das steht für Participatory Approach for Safe Shelter Awareness (in etwa: Gemeinschaftlich Bewusstsein schaffen für sichere Unterkünfte). An diesen Schulungen nahmen rund 2600 Anwohner teil. Die von der Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung entwickelte, partizipative Methode wird über eine Reihe von Workshops vermittelt. Die Bewohner analysieren ihre Wohn- und Siedlungssituation und entwickeln gemeinsam sinnvolle und angepasste Strategien, die sie und ihre Dörfer widerstandsfähiger gegenüber Naturkatastrophen machen.

Erdbebengerechtes Modellhaus in Nepal
Modellhäuser verbinden traditionelle mit modernen Bautechniken, um erdbebengerechtere Konstruktionsmethoden zu veranschaulichen.

Sie errichteten mehrere Modellhäuser unter Verwendung von Techniken für verbessertes erdbebengerechtes Bauen nach traditionellen Vorbildern, die nun von lokalen Anwohnergruppen für ihre Treffen genutzt werden. Die Bauten dienen als praktische Ansichtsbeispiele für den Wiederaufbau der eigenen zerstörten Häuser. Auch konnten wir das Nepalesische Rote Kreuz, das nach dem Erdbeben eine enorme Leistung vollbrachte, beim Bau von neuen Lokalbüros unterstützen.

Neu errichtete Schutzmauern und Haus
Solche Schutzmauern, auch Gabione genannt, können z.B. bei starken Monsunfällen Häuser oder Felder schützen. Foto: DRK

Lebensgrundlagen schaffen, damit der Neustart gelingt

 

Mehr und mehr kleine Farmen, Gewächshäuser, Kaufläden und Schneidereien etc. entstehen auch dank der Auslandshilfe des DRK. 1500 Haushalte, die ihren Unterhalt gerne mit Landwirtschaft und Gewerbe verdienen möchten, stellten mit unserer Unterstützung ihre Geschäftspläne auf und erhielten ein praktisches Training für den erfolgreichen Neustart. Mit gezielten Bargeldhilfen für die am meisten betroffenen Familien war es möglich, z.B. benötigte Baumaterialien, Impfungen für Nutztiere oder Werkzeug zu finanzieren.

Ladenbesitzer in Ghorka, Nepal
Dieser Ladenbesitzer kann sich dank Bargeldhilfen vom Roten Kreuz eine bescheidene Existenz aufbauen.

 

Praktische Verbesserungen für die betroffenen Kommunen

Wasserkanal im Erdbebengebiet in Nepal
Die neuen Wasserkanäle erleichtern die Bewässerung der Felder.

Welche praktischen und leicht umsetzbaren Infrastruktur-Projekte wünschten sich die Bewohner? Neu gebaute Bewässerungskanäle werden dafür sorgen, dass die Feldfrüchte besser gedeihen. Neu gebaute und befestigte Fußpfade erleichtern Menschen und Tieren den Zugang in der bergigen Region. Stützmauern (sogenannte Gabione – https://de.wikipedia.org/wiki/Gabione) sichern an ausgewählten Stellen vor Erdrutschen, eine hier in den Bergen reelle Gefahr, wenn z.B. der nächste Monsun kommt.

 

In der Region Gorkha, wo wir als Rotes Kreuz stolz sind, dass wir so viel zur Wiederherstellung guter Lebensbedingungen beitragen konnten, fühlt man die Dankbarkeit der betroffenen Menschen. Nepals Bewohner sind sehr widerstandsfähig und engagiert, fleißig und optimistisch, dass sie die Folgen der zwei verheerenden Beben durch die Mitwirkung des DRK meistern werden.

» Erfahren Sie mehr über die Arbeit des DRK in Nepal

Weitere Blogbeiträge zur Erdbebenhilfe in Nepal:

 

» 25.04.2016: „Die Zerstörung war verheerend“
» 19.04.2016: Wertvolle Hilfe nach dem Erdbeben
» 11.09.2015: Neue Hoffnung für Singati – als Arzt im Erdbebengebiet
» 31.07.2015: Harte Realität: Weite Fußmärsche zur DRK-Gesundheitsstation
» 03.07.2015: Die Arbeit hat gerade erst begonnen
» 09.06.2015: Viele Herausforderungen und ein Nachbeben

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Foto: Portrait einer DRK-Mitarbeiterin Betisa Egea Zabalza
Betisa Egea Zabalza begann ihre Arbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz in Nepal Mitte Juli 2015. Zunächst koordinierte sie technische Arbeitsgruppen im Bereich Unterkünfte, deren Aufgabe es war, Richtlinien, Strategien und Handwerkszeug zu entwickeln, um die Nothilfe effektiver zu gestalten. Die Teilnehmer der Arbeitsgruppen gehörten verschiedenen humanitären Organisationen an. Jetzt engagiert sie sich auch beim Wiederaufbau für Unterkünfte – sie sollen erdbebengerechter werden.

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