Eine pakistanische Frau mit Kalb und drei Ziegen.

Neue Existenzgrundlagen in Pakistan: Eine Erfolgsgeschichte trotz Klimawandels

Am 17.10.2016 von Hannelore Schnelzer

Pakistan rangiert auf Platz 16 der vom Klimawandel am stärksten betroffenen Länder. Hört man sich vor Ort um, ist es für die Menschen ein Leichtes, Beispiele zu benennen: Der steigende Meeresspiegel, häufiger auftretende Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürren, gefährden die Existenzgrundlagen vieler Familien und verursachen zusätzlich Probleme bei der Trinkwasserversorgung.

Das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierte Projekt wird durch den Pakistanischen Roten Halbmond (PRC) in Zusammenarbeit mit dem DRK implementiert. Im Rahmen des Projekts Integrated Rural Food Security (IRFS) wird die Ernährungssicherheit in 22 Dörfern der Distrikte Thatta und Badin verbessert. Das Projekt fördert den Aufbau neuer Existenzgrundlagen, die die Abhängigkeit bedürftiger Familien (u.a. Kleinbauern, Tagelöhner) von einer Einkommensquelle reduzieren.  Bislang haben im Distrikt Thatta 121 der 329 vom PRC ausgewählten Familien die Förderung erhalten. Durch den Kauf von Nutztieren oder durch Obst- und Gemüseanbau bessern sie ihr Einkommen auf.

Foto: Eine pakistanische Frau im Gespräch mit einer Rothalbmondmitarbeiterin.
Begma Khaskheli im Gespräch mit Rothalbmondmitarbeitern. Foto: Pakistanischer Roter Halbmond

Eine der geförderten Familien lebt im Dorf Hashim Sholani am Rande des Distrikts Thatta. Die 61-jährige Begma Khaskheli ist Witwe und das Oberhaupt ihrer zehnköpfigen Familie, der noch vier Töchter und fünf Söhne angehören. Die zwei ältesten Söhne verdingen sich als Gelegenheitsarbeiter in der Fischereiindustrie an der nahegelegenen Küste. Sie haben daher nur ein unregelmäßiges Einkommen und in ihren Betrieben kaum Aufstiegschancen. „Nach dem Tod meines Mannes war es für mich als Frau sehr schwierig, den Lebensunterhalt für eine zehnköpfige Familie zu erwirtschaften. Ich hatte nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten Geld zu verdienen und besaß nichts, mit dem ich zu unserem Lebensunterhalt hätte beitragen können“, sagt Begma Khashkeli.

Eine Familien sitzt auf einem Tuch vor einer Wand.
Begma Khaskheli und ihre Familie. Foto: Pakistanischer Roter Halbmond

So bewarb sich Begma Kashkheli um Hilfe durch das IFRS-Projekt, und nach einer Prüfung durch den lokalen Pakistanischen Roten Halbmond wurde sie in die Liste der zu begünstigenden Familien aufgenommen und erhielt 40.000 Pakistanische Rupien (ca. 340 Euro). Diese zweckgebundenen Mittel investierte sie anschließend eigenständig in den Anbau von Obst und Gemüse sowie Viehhaltung. Eine wichtige Voraussetzung dafür, die finanzielle Unterstützung zu erhalten, war Begmas Teilnahme an einer Weiterbildung durch Mitarbeiter der Landwirtschaftsuniversität Sindh, in der sie hilfreiches Wissen zum Feldanbau erwarb.

Foto: eine pakistanische Frau mit Kalb und drei Ziegen - ihrer Existenzgrundlagen.
Eine wertvolle Lebensgrundlage: Begma Khaskheli ist glücklich, ihre Tiere zu haben. Foto: Pakistanischer Roter Halbmond

Begma Kashkheli konnte sich durch die Förderung ein gesundes Kalb sowie ein trächtiges Schaf kaufen, das zwischenzeitlich drei Lämmer geboren hat. Von dem Erlös durch den Verkauf eines Lamms konnte sie Schulden ihrer Familie tilgen. Durch die Nutzung der Schafsmilch für ihre Familie kann sie zudem momentan jeden Monat etwa 1200 Rupien (ca. 10 Euro)  einsparen.

Foto: Eine pakistanische Frau vor ihrem Beet - eine ihrer Existenzgrundlagen.
Neue Existenzgrundlagen: Noch sind sie recht klein, aber dank ihrer Schulung werden Begma Khaskhelis Nutzpflanzen bald größer sein. Foto: Pakistanischer Roter Halbmond

Früher kaufte Begma Kashkheli ihr Gemüse auf dem Markt. Durch ihre Fortbildung im Landbau und die Aussaat qualitativ besseren Samens steht hinter ihrer Hütte nun ein blühendes Beet.  Durch dessen Erträge spart ihre Familie weitere 70 Pakistanische Rupien täglich für Kräuter und Gemüse (ca. 18 Euro/Monat). In der Schulung hat sie auch den Umgang mit Pestiziden und Dünger erlernt, sodass sie sicher bald auch mit ihren Obstkulturen eine gute Ernte erzielen kann. Zusammengenommen spart sie momentan pro Monat umgerechnet etwa 28 Euro ein – eine substanzielle Verbesserung ihrer finanziellen Verhältnisse.

Bei einem Treffen mit Mitarbeitern des lokalen Pakistanischen Roten Halbmondverbands in ihrem Heimatdistrikt Thatta bringt Familie Kashkheli daher zum Ausdruck, wie dankbar sie für die Unterstützung durch das Projekt ist. „Nun kann ich jeden Tag Geld sparen und das erleichtert mir das Leben sehr“, sagt Begma glücklich. Ein willkommener Nebeneffekt ist außerdem, dass die Kinder nun täglich zur Schule gehen können, da sie nicht mehr zu Hause mitarbeiten müssen.

Begma Khashkeli engagiert sich inzwischen selbst bei Pakistanischen Roten Halbmond als freiwillige Helferin. Sie motiviert andere Frauen in ihrem Dorf, sich in dem Projekt und für ihre Dorfgemeinschaft zu engagieren. Daneben setzt sie sich in der Kampagne des Projekts zur Aufklärung über den Klimawandel ein und wie man den regelmäßigen Naturkatastrophen in der Region besser vorbeugen kann.

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Geschrieben von:

Hannelore Schnelzer

Hannelore Schnelzer ist DRK-Büroleiterin für Pakistan.

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