Foto: drei Jungen und ein junger Mann mit einem Luftkühler

Nordirak: „Wir sind so dankbar für diese Luftkühler!“

Am 27.08.2015 von René Schulthoff

Foto: drei Jungen und ein junger Mann mit einem Luftkühler

Das DRK bringt 7.190 Luftkühler in den Nordirak, in die autonome Region Kurdistan. Hier herrscht im Sommer enorme Hitze von bis zu 50 Grad. 1,5 Millionen Menschen aus dem Irak und Syrien haben sich hierher geflüchtet. Die DRK-Hilfe erreicht fast 45.000 Menschen.

Flüchtlingsfamilie beim Essen vorbereiten. Foto: René Schulthoff
Flüchtlingsfamilie beim Zubereiten einer Mahlzeit.

Es flimmert vor Hitze. 45 Grad in der prallen Sonne. Wahrscheinlich ist es noch heißer, denke ich. In einem der Lager für Vertriebene im Nordirak steht eine lange Schlange Wartender vor einem kleinen Zelt des Irakischen Roten Halbmondes, meist sind es Männer. Auch Ihnen macht diese Hitze zu schaffen. Ich schwitze und sehe aus wie geduscht. „Na, wie geht’s?“, spricht mich einer der wartenden Männer an. Ich bin überrascht. „Sie sprechen Deutsch?“, frage ich. „Ja, ein bisschen“, sagt der Mann.

Manna ist 30 Jahre alt und lebt in diesem Camp namens Bersivy 1, im Nordirak, der autonomen Region Kurdistan. Insgesamt haben hier 15.000 Menschen Zuflucht gefunden. Manna bewohnt ein Zelt mit seiner 7-jährigen Tochter und seiner Mutter. Vier Jahre hatte er in München gelebt. Dann entschied er sich im vergangenen Jahr zurück in seine Heimat Sinjak im Nordirak zu reisen. Drei Monate später zwingt ihn die Gewalt der so genannten Gruppe Islamischer Staat (IS/ISIS) aus seiner Heimatregion zu fliehen. Er und seine Familie nehmen nur das mit, was sie tragen können.

DRK bringt 900 Luftkühlgeräte für Bewohner des Camps Bersivy 1 im Bezirk Dohuk. Foto: René Schulthoff
DRK bringt 900 Luftkühlgeräte für Bewohner des Camps Bersivy 1 im Bezirk Dohuk.

Hitze von bis zu 50 Grad setzt den Menschen zu – Luftkühler helfen

„Wir sind seit August vergangenen Jahres hier in diesem Lager. Ein Jahr. Mein Vater ist hier vor wenigen Wochen gestorben. Es ist so heiß. Manchmal 50 Grad hier. Das ist sehr schwierig für meine kleine Tochter und meine alte Mutter“, sagt Manna.

Freiwillige Helfer erklären die Luftkühler. (Foto: René Schulthoff)
Freiwillige Helfer erklären die Luftkühler.

Genau deswegen ist das DRK hier in der Region aktiv. Zusammen mit dem Irakischen Roten Halbmond verteilt der DRK-Delegierte Jos Miesen seit zwei Wochen Luftkühlgeräte. Insgesamt hat das DRK 7.190 dieser Luftkühler beschafft. Das bedeutet Hilfe, in diesem Fall Kühlung des Zeltes, für fast 45.000 Menschen. An diesem Tag ist ein LKW voll beladen mit 900 Kühlgeräten im Lager Bersivy 1 angekommen. Die Verteilung der Hilfe ist gut organisiert. Freiwillige des Irakischen Roten Halbmondes registrieren die Bedürftigen und verteilen die Geräte.

„Ich bin so dankbar, dass ich diesen Luftkühler von Euch bekommen habe,“ sagt Manna, als er mich in sein Zelt einlädt. Der Boden ist glatt betoniert, auf den Wegen vor den Zelten liegt Schotter. Das Zelt ist vier mal vier Meter groß. An den Seitenwänden liegen dünne Matratzen und Kissen, ein Fernseher steht hier, eine Leine mit Wäsche ist gespannt. In einer Ecke steht ein Behälter mit kaltem Wasser, an dem sich die kleine Tochter von Manna ein Glas Wasser zapft.

1,5 Millionen Menschen suchten 2014 Schutz im Nordirak

„Ich arbeite nun in einer Schule und Kindergarten hier im Camp,“ sagt mir Manna während seine alte Mutter einen Teller Reis und ein bisschen Gemüse auf den Boden vor mich stellt. „So haben wir ein bisschen Geld hier. Es macht mir Spaß mit den Kindern zu spielen. Manchmal singen wir sogar deutsche Lieder.“ Er und seine Familie haben viel Glück gehabt, als sie vor der Gewalt, die sie erlebt haben, flüchteten, erzählt Manna mir. Ich frage nicht weiter.

So geht es den meisten, die in den Lagern für Vertriebene Zuflucht im bislang sicheren Norden des Landes, in der autonomen Region Kurdistan, gefunden haben – aber auch Flüchtlinge aus Syrien suchen hier Schutz und Hilfe. Insgesamt strömten im vergangenen Jahr 1,5 Millionen Menschen aus verschiedenen Regionen des Irak in die autonome Region Kurdistan, um ihr Leben zu retten.

Vertriebene wie dieser Junge transportieren die Luftkühler in ihre Zelte. Foto: René Schulthoff
Vertriebene wie dieser Junge transportieren die Luftkühler in ihre Zelte.

Das DRK hilft weiter

Das DRK unterstützt den Irakischen Roten Halbmond seitdem mit humanitärer Hilfe. Die Projekte werden finanziell vom deutschen Auswärtigen Amt unterstützt. Im Winter half das DRK mit Öfen, Kerosin, Decken und Isoliermaterial gegen die Kälte. Im Frühling unterstützte das DRK mit Gutscheinen und Bargeld. Nun im Sommer ist die Hilfe gegen die extreme Hitze so wichtig. Die Planungen für die nächste Winterzeit laufen bereits.

Ich verabschiede mich von Manna und bedanke mich für das Essen in seinem kargen Zelt. Er lacht und sagt „Wenn ich dich mal besuche, machst Du Essen für mich.“

» Erfahren Sie mehr über die Flüchtlingshilfe des DRK im Irak.

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Fotos: Irakischer Roter Halbmond/ DRK, René Schulthoff/ DRK

Geschrieben von:

Foto: DRK-Miartbeiter im Portrait. René Schulthoff
Um aus den Projekten zu berichten, war René Schulthoff für das Deutsche Rote Kreuz bereits in Syrien, Griechenland, Jordanien und Nepal, aber auch im Nordirak und Jemen.

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