Notunterkünfte für Leyte – deutsche Hilfe und philippinischer Gemeinschaftssinn

Am 06.11.2014

von Daniel Rudolf Becker, Shelter- /Bau-Mitarbeiter Leyte, Philippinen

Ich arbeite seit zwei Monaten als Shelter-Bau-Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes auf der Insel Leyte, Philippinen. Als ich angekommen bin, sah ich zusammengeschusterte Hütten, Häuser die eingestürzt sind, notdürftig geflickt mit Planen von internationalen Hilfsorganisationen, Patchwork-Wellblechhütten aus gefundenen, übrig gebliebenen Materialien. Viele Familien haben kein sicheres Zuhause. Viele Familien haben kein dichtes Dach über den Kopf. Viele Familien haben ein zu geringes Einkommen, um ihre durchschnittlichen fünf Köpfe vollwertig zu ernähren.

Eine philippinische Familie und DRK-Mitarbeiter Becker
Eine philippinische Familie feut sich zusammen mit Daniel Rudolf Becker und einer Kollegin vom Philippinischen Roten Kreuz. Foto: Breloer / DRK

2100 neue Häuser mit Toiletten, über 2000 Unterstützungsleistungen für Hausreparaturen, langfristige Initiativen zur Einkommenssicherung für über 5000 Haushalte – das ist alleine der Umfang an Tätigkeiten, die wir, das Deutsche Rote Kreuz in Leyte umsetzen werden. Insgesamt arbeitet das DRK auf vier der von Taifun Haiyan heimgesuchten Hauptinseln. Mit all unseren Aktivitäten auf den Philippinen werden wir letztlich über  60.000 Menschen direkt unterstützen. Durch Maßnahmen wie z.B. Infrastrukturprojekte, die ganzen Gemeinden zu Gute kommen, können wir in 70 Gemeinden noch viele weitere Familien erreichen. Zahlen, die jedoch nach dem zerstörerischen Taifun Haiyan noch zu gering erscheinen. Aber irgendwo müssen wir anfangen.

Dachbau eines Shelters
Zusammen mit dem Philippinischen Roten Kreuz und den Betroffenen werden die Shelter errichtet. Foto: Breloer / DRK

Nach einer umfassenden Recherche und Auswahl von Begünstigten, haben wir ein umfangreiches System erarbeitet, um den Betroffenen schnellstmöglich unsere Unterstützung zukommen zu lassen. Gemeinsam mit dem Philippinischen Roten Kreuz, unserer Schwester-Rotkreuz-Gesellschaft, unterhalten wir lokal eine Werkstatt mit dreißig Arbeitern. Über sechzig Zimmerer, weitere sechzig Helfer und über zwanzig Maurer helfen uns zusätzlich bei der Umsetzung unseres Ziels, bis Oktober nächsten Jahres 2100 Häuser auf Leyte zu bauen.

In unserer Werkstatt werden Wände und Bauteile qualitativ hochwertig vorfabriziert, die dann von unserem Logistikteam ins Feld zu den Baustellen gebracht werden. Dort warten die Zimmerleute auf die Baumaterialien, um innerhalb von sechs Tagen einen Shelter zu errichten. Gleichzeitig werden die Toiletten für jedes Haus von den Maurern errichtet, so dass nach einer Woche die Familien in ihr neues Zuhause einziehen können.

Shelter /Notunterkunft
Diese Unterkünfte bieten beim nächsten Taifun besseren Schutz. Foto: Breloer / DRK

Das neue Zuhause, aus lokalen Baustoffen wie Palmholz und Bambus gebaut, kann Windgeschwindigkeiten von über 200 Kilometern in der Stunde, also einem Kategorie-3-Taifun, standhalten. Der Wert und die Langlebigkeit eines Hauses liegen bei weitem höher als die herkömmlicher Unterkünfte. Für die Qualität der Häuser sind 10 Rotkreuzhelfer täglich vor Ort. Sie sind unsere zusätzlichen Augen, Ohren und Hände.

Aber auch die Familien selbst packen mit an. Für jede Haus-Konstruktion wird ein Familienangehöriger gebeten, mit anzufassen. Es ist phantastisch zu sehen, dass dort, wo eine solche Unterstützung wegen Alter, Krankheit oder Behinderung nicht gewährleistet werden kann, die gesamte Gemeinde einspringt.

Diesen philippinischen Gemeinschaftssinn konnte auch Supertaifun Haiyan nicht zerstören.
____________
Lesen Sie hier den neuen Blogbeitrag von Daniel Rudolf Becker vom Dezember 2015

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*