Philippinen: Ein Tag mit Matthias im Base Camp

Am 17.03.2014

Von Matthias, Delegierter des DRK auf den Philippinen

Fröhlichkeit und Motivation – beides hätte ich hier nicht unbedingt erwartet. Christian, Antonio und Emon sind trotz der schrecklichen Ereignisse auf den Philippinen hochmotiviert und haben immer ein Lächeln auf den Lippen. Die drei jungen Philippiner sind selbst Opfer des Taifuns, in dem sie fast alles verloren haben. Dennoch unterstützen sie uns als technische Mitarbeiter im Base Camp in Guiuan, in welchem ich selbst ebenfalls als Techniker vor Ort bin.

Das Basecamp in Guiuan aus der Perspektive von oben.
Das Basecamp in Guiuan aus der Perspektive von oben.

Ich bin für den störungsfreien Betrieb aller im Camp befindlichen Geräte und Anlagen verantwortlich. Das heißt in erster Linie, Trinkwasser- und Stromversorgung für Küche, Wäscherei und sanitäre Anlagen zu gewährleisten, aber auch Beleuchtung, Ventilatoren und Zelte instand zu halten. Eigentlich läuft der tägliche Betrieb im Camp sehr routiniert ab.

Reparatur eines vom Sturm zerstörten Pavillons.
Reparatur eines vom Sturm zerstörten Pavillons.

Spätestens um 6:30 Uhr wird jeder im Camp von selbst wach – je nach Wetter entweder durch Hitze, Licht und Kampfhähne vom Nachbargrundstück oder durch einen nassen Schlafsack. Dem zum Teil massiven Regen halten unsere Zelte nach acht Wochen leider nicht mehr stand. Mein erster Blick gilt dem Ventilator. An seiner Funktion erkenne ich, ob die Stromversorgung steht. Da ich für alles selbst verantwortlich bin, kontrolliere ich bei jeder meiner Arbeiten automatisch jedes Gerät auf Funktionstüchtigkeit. Beim Zähneputzen checke ich zum Beispiel die Trinkwasserversorgung, den Druck und mehr oder weniger, den Chlorgehalt. Das anschließende Frühstück nutze ich, um die Küchenausstattung zu prüfen.

Bereits um 7:30 Uhr starte ich meinen täglichen Rundgang durch das Camp. Trotz der nach wie vor desolaten Situation in Guiuan, sind alle lokalen Mitarbeiter hoch motiviert, superfreundlich und sehr respektvoll. Wo immer ich hinkomme, werde ich mit einem fröhlichen „Good morning Sir Matjaß“ begrüßt. Nach einem kurzen Gespräch mit den Sicherheitsleuten, um mögliche über Nacht entstandene Schäden aufzunehmen und dem Ausschalten der Nachtbeleuchtung, kontrolliere ich den Generator und die Stromversorgung.

Das Team baut einen Wetterschutz für die Wachleute im Camp.
Das Team baut einen Wetterschutz für die Wachleute im Camp.

Gegen 8:00 Uhr trifft sich das gesamte Team. Wir verteilen die Aufgaben und planen die Arbeiten. Heute geht es vor allem darum so viel wie möglich zu reparieren: Dächer bauen, Zelte instand setzen und Gräben schaufeln. Bis 12:30 Uhr sind wir damit gut beschäftigt. Während unserer Mittagspause erfahre ich gewöhnlich vom Küchenpersonal, ob alle Geräte einwandfrei funktionieren. So kontrolliere ich indirekt, ob Strom vorhanden ist, und damit wir über Funk, Telefon und Email auch wirklich erreichbar sind.

Vom Regen aufgeweichte Tische werden repariert.
Vom Regen aufgeweichte Tische werden repariert.


Nach dem Essen geht’s zum Shoppen. Die Materialbeschaffung ist ein sehr spannender Teil meiner Arbeit. Während man Glühbirnen, Motoröl und Bauholz mühelos im wenige Meter entfernten Baumarkt bekommt, ist man auch schon mal eine Stunde mit dem Motorrad unterwegs, um einen bestimmten Rohrverbinder aufzutreiben. Glücklicherweise sind die Wege hier wieder gut passierbar und mein Team begleitet und unterstützt mich gern beim Einkaufen. Auch wenn die Baumärkte hier nicht annähernd denen in Deutschland gleichen.

Gegen 17:00 Uhr machen sich Christian, Antonio und Emon auf den Heimweg. Ich nutze die Zeit bis zum Abend, um im Technikzelt zu arbeiten. Verteilersteckdosen, Ventilatoren und Handlampen unterliegen im tropischen Klima einem erhöhten Verschleiß und müssen dringend repariert werden. Gegen 19:30 Uhr schaue ich mich noch einmal im Küchenzelt um. Eine Stunde später bin ich geduscht im Bett. Die Warmwasseraufbereitung funktioniert hervorragend und die Wasserqualität beim Zähneputzen ist auch in Ordnung.

Neben dem klar durchstrukturierten Betriebsablauf im Camp und den täglichen Überraschungen finden unsere philippinischen Kollegen immer noch Zeit und Kraft, die gemeinsame Umgebung ein bisschen schöner zu gestalten. Die Erfolge unserer gemeinsamen Arbeit werden mittlerweile sicht- und spürbar, denn die Lebensqualität für die Delegierten im Camp wächst mit jedem Tag. Dieser Tatendrang und der Wille zum Wiederaufbau sind übrigens in ganz Guiuan wahrnehmbar. Ich schätze, pro Tag feiern hier mindestens zwei Geschäfte ihre Wiedereröffnung und die ganze Region ist auf dem Weg zurück in die Normalität.

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