Foto: mit dem DRK gebaute Hütte auf den Philippinen

Philippinen: Sichere Häuser für die Betroffenen des Taifuns Haiyan

Am 21.12.2015 von Daniel Rudolf Becker

Foto: Ein philippinischer Mann baut in einem Holzständerwerk

Seit 16 Monaten bin ich jetzt in Dulag und Julita auf der Insel Leyte. Kontinuierlich – nur mit wenigen Verzögerungen und geringen Verspätungen – bin ich hier am Bau von 2.133 bleibenden erweiterbaren Häusern, sogenannten Sheltern beteiligt. Insgesamt baut das DRK auf den Philippinen 6.500 Häuser, rund 10 Prozent der Gesamtanzahl, die das Philippinische Rote Kreuz errichten will.

Shelter-Projekt des Deutschen Roten Kreuzes
DRK-Mitarbeiter Daniel Becker und Sanjay Mukherjee mit einem Shelter-Modell.

Es ist schon ein bisschen her, dass ich über meine Arbeit für das DRK hier auf Leyte schrieb (siehe Blogbericht vom November 2014). Es war doch immer viel zu tun. Meine Aufgabe ist nur ein Teil eines ganzheitlichen Programms, das das DRK hier als Antwort auf Taifun Haiyan durchführt. So unterstützt das DRK die Bewohner der beteiligten Landkreise mit verschiedensten Komponenten, um die Anfang November 2013 zerstörten Lebensgrundlagen wieder instandzusetzen und zu verbessern.

Dazu gehören zum Beispiel finanzielle Unterstützungen, landwirtschaftliche Trainings, betriebswirtschaftliche Schulungen für Ladenbesitzer, die konstruktive Wiederherstellung von Gemeinschaftszentren wie Schulen, kleineren Gesundheitshäusern und Kitas mit Spielplätzen, aber auch die Instandsetzung von Wassersystemen, Handpumpen und der Wasserversorgung von Schulen und anderen Einrichtungen. Und zu guter Letzt gehört auch meine Expertise dazu: die logistische Koordinierung sowie der Bau von Häusern und Toiletten. Unser erfahrener Programmkoordinator Federico Carboni, der auch schon für das DRK in Haiti gearbeitet hat, spielt bei der Umsetzung des Programms eine wesentliche, vermittelnde Rolle.

Vieles hat sich verändert

Das übergreifende Programm hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Seit dem letzten Jahr arbeiten wir zum Beispiel nicht mehr in den sechs Nothilfe-Zelten, sondern in einem umfunktionierten angemieteten Privathaus in Dulag. Für unsere 60 bis 80 Rotkreuz-Helfer haben wir einen Arbeitsplatz errichtet, der gleichzeitig veranschaulicht, wie gut unsere Rotkreuz-Häuser zu erweitern sind. Verändert hat sich auch unser Teamgeist, wir arbeiten effizienter und kommunikativer mit dem lokalen Philippinischen Roten Kreuz zusammen.

Häuser sind aus lokalen Materialien
Die neuen Häuser sind aus lokalen Materialien (Palmholz) und werden gemeinsam vor Ort errichtet. Sie sind nachhaltig und individuell erweiterbar.

Verändert oder besser verlagert hat sich jedoch am meisten der Schwerpunkt innerhalb unseres Shelter-Programms. Natürlich bauen wir weiterhin Palmholz-Shelter und wir bauen weiterhin Toiletten zu jeder dieser Notunterkünfte. Und nach 12 Monaten haben wir ca. 50% unseres Zieles erreicht und konnten bis September unseren tausendsten Shelter zelebrieren, die 1000ste Familie sehen, wie sie in ihr neues Zuhause umsiedelt. (Insgesamt plant das Philippinische Rote Kreuz (PRC) 80.000 Häuser, von denen 65.000 bereits gebaut wurden, das DRK trägtt 6.500 (ca.10%) des Gesamtvolumens bei. Aber was wir vom DRK neben den laufenden Projekten mehr und mehr im Feld entwickelt haben, ist die sogenannte „Software-Komponente“.

Wichtig für uns Delegierte vor Ort ist es, eine starke Gemeinschaft sicherzustellen und die Widerstandfähigkeit aller Gemeinden, die wir unterstützen, langfristig zu erhöhen. Dazu haben wir vier Baudelegierte des DRK – Maria del Carmen Sancha Maya (Spanien), Lucio Cocconi (Italien), vor allem Sanjay Mukherjee (Indien) und ich – übergreifend an den drei Programmorten des DRK auf den Philippinen an der Umsetzung der Softwarekomponente gearbeitet.

Im internationalem Jargon PASSA (Participatory Approach for Safe Shelter Awareness) genannt, bedeutet dies nichts anderes als „Gemeinsame Herangehensweise und gemeinsame Entwicklung von Methoden für sicheres Bauen“. Mit „Gemeinsam“ ist die enge Zusammenarbeit von Helfern und Bedürftigen, von Experten und Anfängern, von uns „Ausländern“ und Einheimischen gemeint. Sicheres Bauen bedeutet, dass alle Schritte zu einem sicheren Gebäude für Jeden und Jede erklärt werden, das notwendige konstruktive Baudetails erläutert werden, dass Vorzeigemodelle und Anschauungsmaterialien positive und negative Beispiele aufzeigen und vor allem, dass lokale Kräfte und lokale Handwerker geschult werden.

Das Rotkreuzteam vor einer der typischen Notunterkünfte aus Palmholz.
Das Rotkreuzteam vor einer der typischen Notunterkünfte aus Palmholz.

Bevor ich hier auf den Philippinen anfing, habe ich mich gefragt was passiert, wenn wir, das DRK nicht mehr da sind? Wie wird die Gemeinde vorbereitet sein, wenn ein neuer starker Sturm oder gar ein Supertaifun naht? Die Antwort für uns Shelter-Delegierte ist eindeutig: PASSA.

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Fotos: IFRC, DRK

Geschrieben von:

Foto: Portrait von DRK-Mitarbeiter Daniel Becker Daniel Rudolf Becker

Daniel Rudolf Becker ist Bau-Delegierter des DRK auf der Insel Leyte, Philippinen.

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