Respektiert uns – schützt uns! Über die Sicherheit von Rotkreuz-/Rothalbmond-Helfern im humanitären Einsatz

Am 18.08.2014 von René Schulthoff

Am 19.08.2014 ist der Welttag der humanitären Hilfe. An diesem Tag richtet sich die Aufmerksamkeit auf die vielen Helferinnen und Helfer, die weltweit täglich ihre eigene Sicherheit riskieren, um Menschen in Not beizustehen. Obwohl z.B. die Helfer des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds unter besonderem Schutz stehen, kommt es immer wieder zu Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht.

Von René Schulthoff, DRK-Delegierter Beirut, Libanon

Libanon. Anfang August greifen in Arsaal, einem libanesischen Dorf nahe der syrischen Grenze, syrische IS-Milizionäre die libanesische Armee an. Schwere Artillerie wird eingesetzt. Die heftigen Kämpfe dauern Tage an und es gibt Tote und Verletzte, viele Zivilisten sind eingeschlossen. In Arsaal wohnen neben der libanesischen Bevölkerung auch tausende syrische Flüchtlinge.

Nur wenige Stunden nach Ausbruch der Kämpfe ist das Libanesische Rote Kreuz (LRK) vor Ort. Mit 50 freiwilligen HelferInnen der Schwesterngesellschaft und zehn Ambulanzfahrzeugen versuchen sie, trotz der Kämpfe Menschenleben zu retten und Tote zu bergen. Das DRK stellt 30.000 Euro Soforthilfe bereit. Mit diesem Geld werden auch die freiwilligen LRK-Helfer unterstützt. Sie sind ehrenamtlich im Einsatz, um anderen Menschen zu helfen. Und wegen der tagelangen Auseinandersetzungen können sie nicht an ihre normalen Arbeitsplätze. Deswegen müssen die Helfer mit finanziellen Mitteln versorgt werden, mit Essen und auch mit Schlafmöglichkeiten.

LRC - Norwegian Red Cross / German Red Cross Projects with EMS (German Version)
Video über das Libanesische Rote Kreuz

Auch der Flottenmanager des LRK ist inmitten des Geschehens und koordiniert den Einsatz. „Für mich ist es keine Frage, ob ich helfen soll. Auch wenn dieser Einsatz hier sehr gefährlich ist, vertrauen wir darauf, dass unser Schutzzeichen – das rote Kreuz – respektiert wird und uns schützt. Ich weiß, dass dieses weltweit akzeptierte und in Verträgen von Staaten ratifizierte Schutzzeichen leider allzu oft missachtet wird. Aber wir Helfer gehen dieses Risiko ein.“

Szenenwechsel. Im palästinensischen Gebiet in Gaza sind MitarbeiterInnen und freiwillige HelferInnen des Palästinensischen Roten Halbmondes im Einsatz – und setzen dabei auch ihr Leben ein. Die israelische Armee greift Stellungen der Hamas aus der Luft, von See und vom Boden an. Die Hamas feuert Raketen auf Israel. Es sterben Frauen, Kinder und Männer bei den Angriffen. Trotz der gefährlichen Lage sind die Helfer des Palästinensischen Roten Halbmondes unermüdlich rund um die Uhr bemüht, Menschen zu bergen und in Krankenhäuser zu transportieren. Auch sie verlassen sich auf ihr Schutzzeichen – den Roten Halbmond, der die klare Nachricht schickt: hier sind humanitäre Helfer im neutralen, unparteilichen Einsatz. Respektiert uns! Das DRK unterstützt auch hier mit 200.000 Euro Soforthilfe.

Helfer des Roten Halbmonds in Gaza
Foto: Palestine Red Crescent Society

Syrien. Seit über drei Jahren tobt ein Krieg im Land, der über 100.000 Menschenleben gefordert hat. Der Syrisch-Arabische Rote Halbmond (SARC), die Schwestergesellschaft des DRK vor Ort, ist die einzige Organisation, die trotz der schweren Kämpfe noch Möglichkeiten hat, Hilfe im ganzen Land zu leisten. Seit Ausbruch der Kämpfe hat der SARC schwere Schicksalsschläge hinnehmen müssen. 37 Freiwillige wurden während ihres Einsatzes für die Menschlichkeit in Syrien getötet. Alle waren deutlich als Mitarbeiter des SARC erkennbar, trugen die rote Uniform mit Rotem-Halbmond-Aufdruck und standen somit unter dem Schutz des Humanitären Völkerrechts.

Mitarbeiter des Syrisch-Arabischen Roten Halbmonds in Homs, Syrien
Mitarbeiter des Syrisch-Arabischen Roten Halbmonds in Homs, Syrien. Foto: IFCR / Hosam Faysal

Jeder Verlust eines freiwilligen Helfers ist einer zu viel. Der Syrisch-Arabische Rote Halbmond hat trotz dieser schrecklichen Bilanz weiterhin regen Zulauf von neuen VolontärInnen. Alle MitarbeiterInnen und Ehrenamtlichen sind von einem Motiv getrieben: zu helfen, und sich für die Menschlichkeit und für die Prinzipien der Rotkreuz-/Rothalbmond-Bewegung einzusetzen – trotz aller Gefahren. Auch eine deutsche Mitarbeiterin des DRK ist permanent in Damaskus vor Ort, um die humanitäre Hilfe zusammen mit dem SARC zu koordinieren.

In Syrien, im Libanon, in Jordanien, im palästinenischen Gebiet, im Jemen, in Marokko und in vielen anderen Ländern dieser Welt arbeiten MitarbeiterInnen des Deutschen Roten Kreuzes unter teils gefährlichen Bedingungen. Sie sind sich der Gefahren bewusst und vertrauen trotz alledem auf die Bedeutung des Roten Kreuzes oder des Roten Halbmondes. Respektiert uns – schützt uns, sagen alle einvernehmlich und fordern alle Parteien auf, dieser Pflicht nachzukommen.

Mehr zum Tag der humanitären Hilfe:
www.ifrc.org/whd

Geschrieben von:

Foto: DRK-Miartbeiter im Portrait. René Schulthoff
Um aus den Projekten zu berichten, war René Schulthoff für das Deutsche Rote Kreuz bereits in Syrien, Griechenland, Jordanien und Nepal, aber auch im Nordirak und Jemen.

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