Ruanda: Verbesserte Lebensbedingungen für Rückkehrerfamilien

Am 01.08.2012

Von Ruth Boxberg, DRK-Delegierte in Ruanda

Seit 1996 und erneut verstärkt in den Jahren 2006 und 2007 wurde insgesamt etwa eine halbe Million ruandische Flüchtlinge gewaltsam aus Tansania und Uganda vertrieben. Angekommen in Ruanda, wurden sie in Transitlagern aufgenommen. Einige bekamen u.a. durch vorangegangene Hilfsprojekte einen neuen Wohnort, anderen wurde ein provisorisches Siedlungsgebiet zugewiesen. Dort jedoch lebten sie unter extrem schlechten Bedingungen. Im dicht besiedelten Land ist es nicht leicht, fruchtbaren Boden für alle Rückkehrer zu bekommen.

Das DRK ermöglichte 80 Rückkehrerfamilien in dem Dorf Gatore, im Osten Ruandas, die Integration in eine bestehende Dorfgemeinschaft, u.a. durch die Schulung in speziellen Arbeitsmethoden wie der Kohlebrikett-Herstellung.

Im Ort und in der Umgebung von Gatore ist Brennholz und Holzkohle rar und teuer, da es wenige Bäume gibt. Was jedoch in großen Mengen vorhanden ist, sind Bananenstauden. Es ist möglich, aus Zuckerrohr- und Maisstroh / oder Bananenblättern Kohle herzustellen, die durch Kassawabrei oder wahlweise Erde gebunden wird und sich gut zum Kochen eignet. Diese Technik wird derzeit im Nordwesten Ruandas und in Teilen des Ostkongo angewandt, war jedoch in unserem Projektgebiet unbekannt.

Bewohner verkaufen vor ihrem Haus die selbst hergestellten Kohlebriketts

An drei Tagen wurden 16 Personen aus der Gruppe der Rückkehrer und bedürftiger Nachbarsfamilien in Gatore in dieser Technik ausgebildet. Diese Teilnehmer fungieren als Multiplikatoren und geben ihr erlangtes Wissen an die anderen Rückkehrerfamilien und an Nachbarn weiter. Rotkreuz-Freiwillige vom Ruandischen Roten Kreuz führen diese Trainings durch. Sie haben bereits Erfahrung in dieser Technik und sind davon sehr überzeugt.

Als Material wurden lediglich 26 Ölfässer (200l) und einfaches Werkzeug benötigt, um die Brennöfen herzustellen. Die Pressen wurden von einem lokalen Schweißer gefertigt. An alle teilnehmenden Familien wurden einfache Herde verteilt, mit denen die Brennleistung der Kohlebriketts besonders effektiv genutzt werden kann.

Viele Familien in Ruanda kochen in ihren Häusern, um mit dem Kochen zugleich Wärme zu erzeugen. Die Rauchentwicklung ist bei der Verbrennung von Holz, vor allem wenn es nicht gut getrocknet ist, sehr hoch und gesundheitsschädlich. Die Kohlebriketts erzeugen bedeutend weniger Rauch. Je trockener das Klima und je niedrigerer damit die Luftfeuchtigkeit, desto rauchärmere Briketts lassen sich herstellen.

Brennholz ist in Ruanda rar und teuer. Familien, die einen Ofen zur Herstellung von Kohlebriketts haben, können diese über den Eigenbedarf hinaus produzieren und verkaufen. Auf diese Weise schaffen sie sich ein zusätzliches Einkommen.

Im Projekt wurde zudem darauf geachtet, dass die Klimabelastung möglichst gering bleibt. Für die Herstellung von Brennmaterial zum Kochen ist kein Holz nötig, d.h. es werden weniger Bäume abgeholzt, die vor Erosion und Erdrutschen schützen.

Die Gewinnung der Kohlebriketts in Bildern:

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