Sri Lanka: Klimaanpassung konkret

Am 19.03.2012

von Dr. Thorsten Klose, DRK Referent

Sri Lanka ist bei vielen Menschen in Deutschland vor allem als Urlaubsland mit wunderschönen Stränden bekannt. Aber manche erinnern sich vielleicht auch an den jahrzehntelangen Bürgerkrieg und den Tsunami 2004, der vor allem den Osten des Landes in eine Katastrophe stürzte.

Genau hier arbeitet das Deutsche Rote Kreuz seit vielen Jahren, genauer gesagt im Distrikt Ampara. Auch wenn die Strände hier ebenfalls sehr schön sind, haben die Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung nichts mit Urlaub gemein. Das Leben wird hier durch harte Arbeit bestimmt, vor allem in der Landwirtschaft, im Reisanbau. Dieser Anbau von Reis ist oftmals die einzige Einkommensquelle für die Menschen und eine gute Ernte ist überlebenswichtig.

Die Tsunami-Schäden sind inzwischen fast überall behoben und auch der Bürgerkrieg ist zu Ende, und man spürt, dass sich einige Lebensumstände zu verbessern beginnen. Doch wenn man sich mit den Menschen vor Ort unterhält, erzählen sie einem auch, dass sich die Voraussetzungen, eine erfolgreiche Landwirtschaft zu betreiben, zunehmend verschlechtert haben.

So können sich die Bauern immer weniger auf eine normale Regenzeit verlassen. Sie erzählen, dass der Regen zwar wie gewohnt beginnt, dann aber nicht wie in der Vergangenheit vier Monate dauert, sondern nur noch zwei oder drei. Dennoch fällt die gleiche Menge Regen, was also unterm Strich bedeutet, dass in kürzerer Zeit mehr Regen fällt. Im Januar 2011 gab es daher in Ampara sehr starke Überschwemmungen. Es kommt auch zunehmend vor, dass die Regenzeit zwar beginnt, dann aber wieder für mehrere Wochen pausiert, es wieder unerwartet trocken wird, bevor der Regen wieder einsetzt.

Diese Verschiebung der Regenzeit hängt vor allem mit dem Klimawandel zusammen und wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen. Somit bedroht der Klimawandel inzwischen die für die Menschen so wichtige Reisernte.

Zusammen mit dem Sri Lankanischen Roten Kreuz hilft das DRK daher den Menschen in Ampara, sich diesen Veränderungen anzupassen und Wege zu finden, bestimmte Reissorten trotzdem erfolgreich anzubauen. Dafür arbeitet das Rote Kreuz eng mit den staatlichen Behörden für Landwirtschaft und Katastrophenmanagement zusammen. In sechs Dörfern werden in einem ersten Schritt sogenannte Katastrophenmanagement-Gruppen ausgebildet, die im Falle von weiteren Überschwemmungen sicherstellen, dass die Menschen rechtzeitig über die Gefahr informiert werden und im Notfall richtig versorgt werden bis Hilfe von Außen eintrifft.

Ein Gruppe von Helferinnen und Helfern des Sri Lankanischen Roten Kreuzes hat sich in einem Raum mit Karten und Katastrophenvorsorgeübersichten aufgestellt.
Katastrophenmanagement-Gruppen informieren und versorgen die Menschen im Falle einer Überschwemmung.

Aber das Rote Kreuz geht noch einen Schritt weiter: Es hat in den Dörfern zusammen mit der Landwirtschaftsbehörde bäuerliche Feldschulen eingerichtet. Hier lernen ausgewählte Reisbauern, wie sie sich den Veränderungen der Regenzeiten besser anpassen können. Anschließend geben diese Bauern ihr Wissen dann an ihre Nachbarn weiter.

In diesen Feldschulen lernen die Bauern zum Beispiel, wie mit Hilfe von Kompost mehr Feuchtigkeit im Boden gehalten werden kann, welche Insekten nützlich und welche schädlich für die Reispflanze sind und welche Reissorten etwas schneller wachsen oder auch dann noch überleben, wenn sie mal etwas zu viel bzw. etwas zu wenig Regen bekommen. Außerdem lernen die Bauern, wie sie eigenes Saatgut produzieren und verkaufen können, welches dann besser an das Extremwetter angepasst ist.

Ein Bauer steht in einem Reisfeld und hält eine Reispflanze in seinen Händen.
Bauern lernen, wie sie sich den Klimaveränderungen anpassen und ihre Erträge verbessern können.

Durch dieses Maßnahmenpaket können sich die Menschen im Falle von zukünftigen Überschwemmungen zum Einen selbst helfen. Zum Anderen bauen sie nun Reissorten an, die schneller wachsen und auch dann noch ertragreich sind, wenn das Wetter mal wieder verrückt spielt. Und durch den Verkauf von Saatgut können die Bauern in Zukunft zusätzliches Einkommen erzielen.

Die Feldschulen haben sich für die Bauern bereits jetzt schon ausgezahlt, denn die erste Ernte in den Projektdörfern wurde Ende Februar 2012 eingefahren und war trotz starker Stürme und viel Regen im Januar sehr erfolgreich.

Bauern auf dem Feld schütten ihre Ernte in Säcke
Bauern füllen ihre Ernte in Säcke.

2 Kommentare zu “Sri Lanka: Klimaanpassung konkret

  1. An diesem Bericht kann man mal wieder ganz konkret die Auswirkungen der Klimaveränderungen erfahren, die viele Menschen hier im Westen immer noch nicht wahrhaben wollen. Die Leidtragenden sind anscheinend immer zuerst die Entwicklungsländer. Es ist lobenswert, dass man Maßnahmen ergreift, um den Bauern wichtiges Wissen zu vermitteln, um besser auf Wetterkatastrophen vorbereitet zu sein und wichtige Informationen zu resistentem Saatgut zu erhalten. Dass dadurch eine ertragreiche Ernte auch bei extremen Wetterbedingungen möglich ist, ist erfreulich.

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