Foto: sudanesische Schulkinder in der Pause auf dem sandigen Schulhof

Sudan: Schulen für vertriebene Kinder

Am 18.02.2019 von Kristina Spaar

Foto: sudanesische Schulkinder in der Pause auf dem sandigen Schulhof

Im Sudan ist es immer heiß – wenn man von Europa kommt. Aber im Dezember ist es trotzdem kühler als im Mai. Deshalb herrschen im Nord-Darfur, im Westen des Sudans, angenehme 23 Grad Celsius, morgens…
…Bis wir mit der Propellermaschine des Humanitären Flugdienstes der Vereinten Nationen (UNHAS) von Khartoum, der Hauptstadt Sudans, über zwei Zwischenstationen in der Provinzhauptstadt El Fasher ankommen, ist es früher Nachmittag – das Hemd klebt bald am Rücken. 

Projekte für vertriebene Familien

Foto: Gespräch einer DRK-Mitarbeiterin mit Schülerinnen und Lehrerinnen
Projektbesuch: Im Gespräch mit Lehrkräften und Kindern einer vom DRK unterstützten Schule.

Und schon erwarten uns die ersten Termine bei der sudanesischen Kommission für humanitäre Hilfe, dem Gouverneur und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Wir erledigen Formalitäten, klären Sicherheitsaspekte und sprechen über unsere hiesigen Projekte für Kinder und ihre Familien.

Der gesamte Darfur ist aufgrund jahrelanger bewaffneter Konflikte  nur beschränkt zugänglich für internationale Hilfsorganisationen. Trotzdem ist es dem DRK dank der tollen Zusammenarbeit mit der lokalen Zweigstelle des Sudanesischen Roten Halbmonds möglich, am Rande El Fashers ein Schulprojekt und ein Projekt zur Verbesserung der Hygiene umzusetzen. Beide Maßnahmen kommen insbesondere Kindern und ihren Familien zugute, die ihre Heimatorte aufgrund der Konflikte verlassen mussten. Viele Familien kommen von weit her, haben alles aufgeben müssen und versuchen am Rand von El Fasher ein geregeltes Leben aufzubauen. Ihre Kinder zur Schule zu schicken, ist ein Teil davon.

Mangelversorgung: Zu wenig Schulen für die Kinder

Es mangelt an grundlegenden Dienstleistungen und Angeboten – wie Infrastruktur, Wasser, Strom, Gesundheit, Arbeit und Bildung oder Stadtentwicklung. Aufgrund des jahrelangen Bevölkerungszuwachses durch die Geflüchteten steigen die Bedarfe, aber die notwendigen Ressourcen fehlen. Viele Vertriebene müssen sich deshalb auf unerschlossenem Gebiet am Stadtrand selbst zurechtfinden.

Foto: Ein Schulgebäude mit Wasserreservoir und Handwascheinrichtungen im Sudan
In Al Wifaq hat das DRK ein Klassengebäude, ein Wasserreservoir und Handwascheinrichtungen gebaut.

So ist die Lage an den Schulen meist prekär. Eine Schule besteht in der Regel aus mehreren ebenerdigen Gebäuden. Diese sind oft baufällig, haben kein festes Dach, keine Fenster oder Türen, keinen Stromanschluss. Einige dieser Schulen sind nicht einmal stabil konstruiert, sondern aus Strohmatten und Baumstämmen zusammengeschustert. Tische und Bänke sind manchmal gar nicht oder nur teilweise vorhanden: Die Kinder sitzen oft auf dem Boden,  auch direkt im Sand. Gleichzeitig sind die Klassen überfüllt – bis zu 50 Kinder besuchen eine Klasse. Nicht überall gibt es Latrinen. Und mehr noch: Immer wieder fehlt es überhaupt an Wasser. Die Kinder kommen trotzdem in die Schule, denn sie wollen lernen.

Auf dem Weg in die Projektschulen

Foto: DRK-Mitarbeiterin blickt hinunter in einen gemauerten Wasserspeicher
Blick in den neuen Wasserspeicher – ein großer Schritt hin zu einer gesunden Lernumgebung.

Gemeinsam mit dem Sudanesischen Roten Halbmond setzt sich das DRK dafür ein, die Situation zu verbessern. So sitze ich am nächsten Morgen im Geländewagen, zusammen mit dem Projektkoordinator des Roten Halbmonds, der DRK-Projektbeauftragten und weiteren lokalen Mitarbeitern. Wir fahren auf staubiger Piste durch das Randgebiet El Fashers, um zu den Schulen zu gelangen, in denen wir arbeiten – es sind 12 Einrichtungen in sieben verschiedenen Siedlungsgebieten. Wir haben also einiges vor uns, denn die Schulen schließen am frühen Nachmittag; danach ist es zu heiß zum Lernen. Das werde ich später am Tag selbst zu spüren bekommen.

Ein neues Gebäude, Wasserspeicher und Handwascheinrichtungen

Foto: Foto: Gespräch einer DRK-Mitarbeiterin mit Schülerinnen und Lehrerinnen
Wie hat sich das Schulleben verändert? Im Gespräch mit einer Lehrerin und einer Schülerin in Al Wifaq.

Erster Stopp ist die Mädchenschule von Al Wifaq. Dort haben wir ein komplettes Klassengebäude gebaut und eingerichtet, ein Wasserreservoir gebaut, es mit Wasser gefüllt und Handwascheinrichtungen aufgestellt. Demnächst werden noch Latrinen errichtet. Vor dem Start unseres Projekts gab es dort nichts dergleichen. Die Schülerinnen verfügen nun über eine grundlegend verbesserte Lernumgebung, die auch ihrer Gesundheit zugutekommt. Dementsprechend festlich begehen sie unseren Empfang: Die Mädchen singen für uns, der Schulleiter und der Gemeindevorsteher bedanken sich mit kurzen Reden.

Foto: Sudanesische Mädchen sammeln sich um eine Handwascheinrichtung
Verantwortung tragen: Auch die Schülerinnen kümmern sich um die Pflege der Handwascheinrichtungen.

Mithilfe des sudanesischen Projektkoordinators, der für mich übersetzt, kann ich mit einer Lehrerin sprechen, und eine Schülerin erzählt mir ernst und konzentriert, welche neuen Hygienegrundregeln sie gelernt hat. Sie ist Mitglied des neu gegründeten School Health Clubs, dem Gesundheitsclub der Schule, und ist so unter anderem mitverantwortlich für die Pflege des Wassertanks sowie der Handwascheinrichtungen. Die Mitschülerinnen über Hygiene-Verhaltensregeln zu informieren, gehört ebenso zu ihren Aufgaben. Ich würde mich gerne noch ein wenig mehr mit ihr und ihren Mitstreiterinnen unterhalten, doch die sprachliche Barriere erschwert einen schnellen Austausch – und die Zeit drängt, leider. Ich bedanke mich für ihr Engagement mit den wenigen Worten Arabisch, die ich beherrsche. Sie schaut mich ernst an.

Foto: Kinder kommen aus einer Strohhütte
Strohhütten: Für viele Kinder in den Randgebieten El Fashers Klassenräume.

Zum Abschluss gehen wir auf dem Schulgelände ein paar Schritte weiter durch den Sand. Dabei sehe ich die anderen Klassenräume: Strohhütten voll mit Kindern und nur ein klein wenig Platz für die Lehrerin. Die Pause beginnt, alle Kinder kommen johlend und voller Energie herausgesprungen, voller Freude und neugierig auf uns Besucher. Auch die Lehrerin spricht uns freundlich an, denn natürlich möchte sie, dass wir die Schule weiter unterstützen. Wir versprechen ihr, unser Möglichstes zu tun und dass wir wieder kommen werden – in der stillen Hoffnung, die dafür notwendigen Gelder beschaffen zu können.

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» Wenn schon die Jüngsten sich fürs Händewaschen begeistern: Mehr Hilfe für Kinder im Sudan

 

Fotos: DRK

Geschrieben von:

Foto: Portrait einer DRK-Mitarbeiterin Kristina Spaar
Kristina Spaar ist beim Deutschen Roten Kreuz Länderreferentin für den Sudan. Sie betreut die Planung und Umsetzung der Projekte; dafür reist sie regelmäßig in den Sudan. Zurzeit setzt das DRK dort Projekte im Nord-Darfur und im Ost-Sudan um.

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