Alte Frau im Sudan auf einer Treppe einer Latrine

Sudan: Wie die Bevölkerung beim Latrinenbau helfen kann

Am 03.12.2019 von Kerstin Grimm

Fotocollage: Besichtigung einer behindertengerechten Latrine im Sudan

Frau Amirah Salih lebt in Almanar, einer informellen Siedlung von Binnenvertriebenen am Rande von El Fasher, der Verwaltungshauptstadt des Bundesstaates Nord-Darfur. Bewaffnete Konflikte zwangen die geflüchteten Familien dazu, sich hier niederzulassen, doch die Infrastruktur reicht für die vielen Menschen nicht aus.

Latrinen für bedürftige Familien

Foto: Frauen in einer sudanesischen Siedlung
Viele Familien im Sudan haben nicht die Mittel, um sich eine Latrine zu bauen.

Frau Salih hat vor kurzem vom Sudanesischen Roten Halbmond, der nationalen Schwestergesellschaft des DRK, eine neue Latrine erhalten. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes führen DRK und Roter Halbmond ein Projekt zur Verbesserung der Sanitärversorgung besonders bedürftiger Haushalte in diesen informellen Siedlungen durch.

Viele, besonders arme Familien, können sich den Bau einer eigenen Latrine nicht leisten. Sie sind gezwungen, stattdessen die offene Umgebung der Siedlungen zu nutzen. Neben den sich daraus ergebenden hygienischen und gesundheitlichen Bedenken ist diese Praxis besonders für Frauen und Mädchen problematisch, denn Privatsphäre und Sicherheit sind nicht gewährleistet. Aber auch für alte Menschen und Menschen mit Behinderungen wird die Notdurft oft zur körperlichen Belastung.

Weiterentwicklung der Latrinen für Menschen mit Einschränkungen

Foto: Sudanesische seniorin auf den Treppen einer neuen Latrine
Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen sollen die Latrinen weiterentwickelt werden.

Frau Salih ist so glücklich und dankbar für ihre neue Latrine, dass sie uns niemals offen ein kritisches Feedback geben würde. Deshalb bitten wir sie um eine kleine Demonstration, die uns zeigen soll, wie sie mit der Einrichtung zurechtkommt.

Während wir beobachten, wie sie sich in die Latrine hinein und wieder herausbewegt, wird uns klar, dass wir doch noch einige Schritte von der Verwirklichung eines lokalen inklusiven Latrine-Konzepts für alte Menschen und Menschen mit Behinderungen entfernt sind.

Mit dem erhöhten Boden schützen wir die Latrine vor dem Einlaufen von Wasser in der Regenzeit. Das ist sehr wichtig für den Erhalt und die maximale Nutzungsdauer. Gleichzeitig aber sind die dadurch erforderlichen Stufen ein zusätzliches Hindernis für Menschen mit Gehbehinderung.

Der Handlauf entlang der Stufen ist schon sehr hilfreich, aber nicht genug und auch nicht immer in der günstigsten Position angebracht. Einigen Latrinen fehlen noch zusätzliche Haltegriffe an den für die individuellen Nutzer passenden Stellen.

Foto: Besichtigung einer behindertengerechten Latrine im Sudan
In Gemeinden und Schulen bauen wir Latrinen, die an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen angepasst sind – etwa durch eine Rampe.

Glücklicherweise war der lokale Bauunternehmer bei unserer Inspektion dabei. Er war sofort bereit, die nötigen Anpassungen in individueller Abstimmung mit den Familien vorzunehmen. Für Frau Salih werden zusätzliche Haltegriffe neben der Tür und im Inneren angebracht, die ihr helfen, Balance und Standfestigkeit zu halten.

Wichtige Erkenntnisse für alle Beteiligten

Foto: Besichtigung einer behindertengerechten Latrine im Sudan
Gemeinsam mit Fachleuten und Gemeindemitgliedern prüfen wir die neuen Latrinen.

Die Freiwilligen des Roten Halbmondes und die jeweiligen Gemeindevorsteher haben ebenfalls an der Begehung teilgenommen und sich ein praktisches Bild gemacht. Sie werden dafür sorgen, dass die Verbesserungen Haushalt für Haushalt umgesetzt werden und wollen den Unternehmer bei der Durchführung tatkräftig unterstützen.

Die gemeinsame Inspektion der neuen Latrinen hatte einen wichtigen Lerneffekt für alle Beteiligten, der definitiv bei dem anstehenden Bau weiterer Latrinen von Beginn an Berücksichtigung finden wird. Außerdem wird die so gelernte Lektion in einem der nächsten Treffen mit anderen Hilfsorganisationen geteilt. So lernen wir voneinander, wie wir unsere Hilfe noch effektiver machen können.

» Erfahren Sie mehr über die DRK-Hilfe im Sudan

Fotos: DRK

Geschrieben von:

Foto: Portrait einer DRK-Mitarbeiterin Kerstin Grimm
Kerstin Grimm ist Leiterin des DRK-Büros in Khartoum. Sie betreut diverse DRK-Projekte im Sudan, die sich vor allem an Flüchtlinge, aufnehmende Gemeinden und Binnenvertriebene richten und auf die Verbesserung der Situation in den Bereichen Hygiene und Gesundheit, Sanitärversorgung, Ernährungssicherung und Katastrophenvorsorge hinwirken.

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