Sudanesischer Junge wäscht sich die Hände

Sudan: Mit Lautsprechern, Plakaten und Seife gegen Covid-19

Am 09.11.2020 von Mahfuja Sultana

Sudanesischer Junge wäscht sich die Hände

Seit sich Covid-19 im Sudan ausbreitet, sind Rothalbmond-Helfer im Sudan im Einsatz, um dessen Ausbreitung zu begrenzen. Durch die weltweite Pandemie besonders gefährdet sind unter anderem Menschen, die unter schwierigen Bedingungen leben – wie der 12-jährige Hajaj im ostsudanesischen Flüchtlingslager Shagarab II. Abbas Mohamed Alameen und seine Kollegen vom Roten Halbmond haben ihn und seine Mitmenschen darüber aufgeklärt, wie sie sich schützen können.

Sudanesischer Junge wäscht sich die Hände
Schüler Hajaj Ibrahim Hajaj im Camp Shagarab II

Hajaj Ibrahim Hajaj kennt nichts anderes als das Leben in einem Flüchtlingslager. Vor zwölf Jahren wurde der schmächtige, zurückhaltende Junge als Sohn einer eritreischen Familie im Shagarab II geboren, einem von mehreren Flüchtlingslagern im Osten Sudans, in denen insgesamt mehr als 100.000 Geflüchtete Zuflucht gefunden haben. Noch immer lebt Hajaj mit seinen Eltern und zwei Geschwistern dort und besucht die 2. Klasse der Schule des Lagers.

Zusammensein als Gefahr

Doch sein Lernumfeld ist alles andere als stabil: Aufgrund der unruhigen politischen Situation im Land war Hajajs Schule schon 2019 geschlossen, sodass er nur wenige Wochen am Unterricht teilnehmen konnte. Gerade als die Schulen wieder geöffnet wurden, erklärten die Lehrer im März 2020 erneut, dass die Schulen bis auf Weiteres zubleiben müssen – diesmal wegen eines lebensgefährlichen Virus. „Am Anfang habe ich das überhaupt nicht verstanden. Alle bitten uns jetzt schon wieder, unbedingt zu Hause zu bleiben.“

Material zur Hygieneaufklärung: Plakate
Infomaterial, das im Zuge der DRK-Hilfe in verschiedenen Gemeinden in Girba verteilt wurde.

Der Rote Halbmond klärt über Covid-19 im Sudan auf

Rothalbmond-Mitarbeiter prüft eine Handwaschstation
Rothalbmond-Mitarbeiter Abbas Mohamed Alameen vor einer Handwaschstation.

Das Lager Shagarab II ist eine der Gemeinden, in denen das Team der Rothalbmond-Niederlassung in Girba Aktivitäten zur Eindämmung von COVID-19 durchgeführt hat. Diese Maßnahmen werden durch das deutsche Auswärtige Amt finanziert und vom DRK geleitet. Helfer wie der 45-jährige Abbas Mohamed Alameen haben die breit angelegte Sensibilisierungskampagne durchgeführt.

Seife und Wissen für 35.000 Menschen

Abbas informierte alle zentralen Persönlichkeiten, Ausschussmitglieder und Rothalbmond-Freiwilligen der beteiligten Gemeinden bzw. Lager über die wichtigsten Fakten rund um das Virus und die Vorgehensweise zu seiner Eindämmung. Einen Großteil der Gemeindemitglieder haben Abbas und sein Team erreicht, indem sie Schlüsselbotschaften per Lautsprecher verbreitet und Informations-, Bildungs- sowie Kommunikationsmaterialien wie Poster und Handzettel verteilt haben.

Rothalbmond-Helfer auf Truck mit Lautsprechern
Mithilfe von Lautsprechern haben die Helfer wichtige Infos zu Covid-19 verbreitet.

„Wir können nicht alle Haushalte besuchen oder Infoveranstaltungen für alle Menschen in der Gemeinde durchführen, weil die soziale Distanz jetzt Priorität hat. Lautsprecher und Plakate helfen uns sehr dabei, alle Menschen einer Gemeinde innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums zu erreichen. Es gibt mir und unseren Freiwilligen auch Sicherheit, da wir die Menschen aus dem gebotenen Abstand heraus gut informieren konnten“, sagt Abbas nach Abschluss seiner Kampagne im Lager Shagarab II.

Von April bis Juni 2020 erreichte Abbas mit Unterstützung der Freiwilligen rund 5.000 Haushalte, ca. 35.000 Einzelpersonen. Auch Hajajs Familie war dabei: „Meine Eltern haben mir gesagt, ich solle mir häufiger die Hände waschen, um mich und andere vor der Krankheit zu schützen. Das mache ich jetzt natürlich auch“, sagt der Junge. Denn mit den wichtigen Informationen haben die Familien auch kostenlose Hygieneartikel wie zum Beispiel Seife erhalten.

Covid-19 im Sudan: Rothalbmond-Helfer gibt Frau Seife
Verteilung von Seife an Einwohnerinnen und Einwohner in Girba.

Hilfe auf kommunaler Ebene

Neben der Unterstützung auf Haushaltsebene hat das Deutsche Rote Kreuz mit den sudanesischen Kolleg*innen auf kommunaler Ebene Hilfe geleistet: Um auf den Mangel an sanitären Anlagen zu reagieren, stellten wir beispielsweise zwölf mobile Handwascheinrichtungen auf. Und die gemeindebasierte Gesundheitsklinik haben wir mit Hygieneartikeln versorgt.

Eritreischer Flüchtling wäscht sich die Hände
Eine der vom Auswärtigen Amt finanzierten mobilen Handwascheinrichtungen – benutzt von einem eritreischen Flüchtling im Camp Kilo 26, Girba.

Trotz Abschluss der vom Auswärtigen Amt finanzierten Nothilfe-Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie im Sudan Ende Juli 2020, sind wir weiterhin für die Bedürftigsten aktiv. Zur Zeit setzen wir gemeinsam mit der Rothalbmond-Niederlassung in Girba ein Projekt zur Sicherung der Lebensgrundlagen und Ernährungssicherung um, finanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), in welchem wir alles daran setzen, das Leben von Geflüchteten wie Hajajs Familie und auch der Menschen in den Gastgemeinden zu verbessern.

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Covid-19 im Sudan: Hygieneschulung mit Gemeindevertretern
Sitzungen zur Sensibilisierung führender Gemeindevertreter.

Text und Fotos: Mahfuja Sultana/DRK

Geschrieben von:

Mahfuja Sultana Mahfuja Sultana
Mahfuja Sultana kommt aus Bangladesch und war für das DRK in Uganda im Bereich Ernährungssicherung im Einsatz. Seit 2018 unterstützt sie im Sudan ein Ernährungssicherungs-Projekt.

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